RealNetworks lässt DVDs rippen

8. September 2008, 10:49
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RealDVD erstellt eine Kopie des gesamten Inhalts einer DVD - Widerstand aus Hollywood scheint vorprogrammiert

Kopien von DVDs zu erstellen war bislang ein wesentlich komplizierteres Unterfangen, als CDs zu kopieren. RealNetworks will das sogenannte Rippen von DVDs nun aber drastisch vereinfachen. Mit der kostenpflichtigen Software RealDVD sollen Nutzer Kopien gesamter DVDs erstellen können - inklusiver aller Bonus-Inhalte und Extras.

Einfaches, legales Kopieren

Mit der Software könnten Nutzer Backup-Kopien ihrer DVDs anfertigen und Filme auf ihren Laptops überall mitnehmen, erklärt CEO Robert Glaser gegenüber der New York Times. Damit dürfte sich das Unternehmen allerdings den Zorn der Filmbranche zuziehen, die seit Jahren versucht, die Verbreitung digitaler Kopien über das Internet zu verhindern. Das Kopieren von DVDs war zwar auch schon bisher möglich, RealDVD soll es aber drastisch vereinfachen.

Firmen mit Klagen konfrontiert

Um sich das Milliarden-Geschäft mit den DVD-Verkäufen zu bewahren, haben die Studios ihre digitalen Filme mit Kopierschutz-Technologien versehen. Unternehmen, die Software anbieten um diesen Kopierschutz zu umgehen, werden regelmäßig mit Klagen der Studios konfrontiert. Wer Kopien seiner Film-DVDs anfertigen will, musste bisher also auf illegale Programme zurückgreifen.

Präzedenzfall

RealNetworks glaubt jedoch an eine Trendwende. Im vergangenen Jahr hatte die DVD Copy Control Association einen Prozess gegen das Start-Up-Unternehmen Kaleidescape verloren, das einen Server anbietet, der Kopien von bis zu 500 Filmen erstellt und speichert. Mit einem Preis von 10.000 US-Dollar war der Server allerdings nicht für den Massenmarkt geeignet.

Schutz gegen Piraterie

Die DVD Association hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Glaser glaubt jedoch, dass die erste Entscheidung den Weg für Produkte geebnet habe, die das Erstellen von DVD-Kopien für private Zwecke ermöglichen. Um Piraterie zu verhindern hat RealNetworks Mechanismen integriert, die das Abspielen des Films nur auf jenem PC erlauben, auf dem er kopiert wurde. Der Film kann auf bis zu fünf weiteren Rechnern übertragen werden, allerdings nur, wenn darauf ebenfalls RealDVD installiert ist. Blu-ray-Disks werden nicht unterstützt.

Hollywood wartet ab

Die Zukunft von RealDVD hänge im Wesentlichen vom Ausgang des Kaleidescape-Falls ab, glaubt Bill Rosenblatt von DRM Watch. Sollte die DVD Association im zweiten Anlauf gewinnen, könnte das auch das Aus für den DVD-Kopierer bedeuten. Bislang halten sich die Filmstudios mit offiziellen Kommentaren zu RealDVD noch zurück. Sie wollen die Software zunächst genauer unter die Lupe nehmen. RealNetworks hatte vergangene Woche damit begonnen, die Firmen über ihr angekündigtes Produkt zu informieren.

Ein technischer Mitarbeiter eines Filmstudios, der namentlich nicht genannt werden wollte, kündigte gegenüber der New York Times jedoch an, dass es Widerstand aus der Filmbranche gegen das neue Produkt geben werde. Er deutete an, dass RealNetworks nur daran interessiert sei, seine stockenden Verkäufe mit einem neuen Zugpferd anzukurbeln.

In Zukunft auch auf Fernsehern

Bei RealNetworks sieht man freilich positiv in die Zukunft und schmiedet bereits größere Pläne. Glaser kündigte an, dass die Film-Kopien in Zukunft nicht nur auf dem Computer, sondern über Home-Networks auch auf dem Fernseher abgespielt werden könnten. An Widerstand aus der Filmbranche glaubt er indes nicht und will den Studios die Zusammenarbeit anbieten. Kunden, die einen Film kopiert haben, seien die beste Zielgruppe, um weitere Inhalte rund um den Film oder etwa dessen Fortsetzung zu kaufen. RealDVD soll im Lauf des Monats um 30 US-Dollar veröffentlicht werden. (red)

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    Kunden sollen mit RealDVD legale Kopien ihrer DVDs erstellen können

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