Kohl für drei Jahre bei Silence-Lotto

8. September 2008, 10:41
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Das Rätselraten hat ein Ende: der Tour-Dritte fährt künftig für den belgischen Rennstall, als Teamkollege von Cadel Evans

Wien - Bernhard Kohl hat eine Entscheidung mit Perspektive getroffen, langfristiger Perspektive allerdings. Österreichs neuer Radsport-Star fährt ab der kommenden Saison an der Seite des australischen Tour-de-France-Favoriten Cadel Evans für das Team Silence-Lotto. Der 26-jährige Niederösterreicher unterschrieb einen lukrativen Dreijahresvertrag beim belgischen Rennstall. Das gab Kohl am Montag in einer Pressekonferenz in Wien bekannt.

Viel war in den vergangenen Wochen spekuliert worden, doch die Belgier hatten sich lange Zeit als die plausibelste Variante dargestellt. "Es war eine Entscheidung, ob ich alleine Kapitän sein will, oder ein starkes Team haben will", erklärte Kohl, der laut eigenen Angaben fünf bis sechs Optionen gehabt hätte. Das neue russische Team Katjuscha kam für ihn ebenso nicht in Frage wie Astana, eine Alternative war sein Ex-Team Rabobank.

Ziel des Teams: Gesamtsieg

Mit Evans und Kohl verfügt Silence-Lotto nun über den Zweiten und Dritten der vergangenen Tour de France. Ganz klares Ziel für die kommende Saison ist der Gesamtsieg. "Die ganze Mannschaft hat alles der Tour untergeordnet. Das war für mich ausschlaggebend", begründete Kohl. Sorgen, in Zukunft als Helfer des Australiers fungieren zu müssen, macht er sich nicht. "Für mich und meine Weiterbildung ist das sehr wichtig. Ich kann sehr viel von ihm lernen."

Langfristig soll nämlich Kohl selbst als Nummer eins bei Silence-Lotto aufgebaut werden. "Man muss an die Zukunft denken. Cadel ist schon 32", erinnerte Teamchef Geert Coeman. Kohl war bereits vor seiner sensationellen Tour 2008 mit Platz drei im Gesamtklassement und dem Gewinn des Bergtrikots auf der Wunschliste von Silence ganz oben gestanden. "Schade, da wäre er noch billiger gewesen", scherzte Coeman.

"Es ist schon lukrativ"

Über die Zahlen wurde zwar Stillschweigen vereinbart, Kohl dürfte aber zum bestverdienenden Radsportler der österreichischen Geschichte avanciert sein - noch vor Georg Totschnig und Peter Luttenberger. "Es ist schon lukrativ. Als Tour-Dritter verdiene ich sicher mehr als davor", erklärte Kohl. Erste Gespräche mit seinem neuen Team hatte es zwei Wochen nach der Frankreich-Rundfahrt am Firmensitz von Omega Pharma in Flandern gegeben.

Das Pharma-Unternehmen bewirbt das Radteam mit seinem Anti-Schnarch-Produkt Silence, das bald auch in Österreich auf den Markt kommen soll. Die Teamleitung hätte Kohl sogar gerne noch länger an sich gebunden, die Sponsorzusage läuft allerdings nur bis 2011. Es besteht eine Option, den Vertrag nach der Tour 2011 zu verlängern. Sollte Kohl dann ein besseres Angebot eines anderen Teams erhalten, darf Silence-Lotto zu denselben Konditionen mitziehen.

"Ziele verändern sich mit den Erfolgen"

Der Punkt könnte Relevanz erhalten, denn bis dahin will der Österreicher ein ernstes Wort um den Toursieg mitreden. "Mein Ziel ist es, in zwei oder drei Jahren die Tour de France zu gewinnen", erklärte Kohl, der sich in diesem Jahr selbst überrascht hatte. "Eigentlich bin ich meinen Karriereplänen weit voraus, doch Ziele verändern sich mit den Erfolgen." Internationales Aufsehen hatte Kohl erstmals 2006 mit Platz drei bei der Dauphine Libere erregt.

In die Tour 2009 geht Evans als Nummer eins, bestätigte der sportliche Leiter Marc Sergeant. "Wir haben heuer aber gesehen, dass ein starker Fahrer in den Bergen nicht genug ist", erklärte der Belgier. CSC hatte mit Tour-Sieger Carlos Sastre sowie den Brüdern Fränk und Andy Schleck gleich drei heiße Eisen im Feuer. Silence hat mit dem Ukrainer Jaroslaw Popowitsch noch einen starken Rundfahrer, konzentriert sich nach dem Abgang von Sprinter Robbie McEwen nur noch auf die Tour-Gesamtwertung.

Auch Lang kommt von Gerolsteiner

Als Helfer kommt neben Kohl auch Sebastian Lang von Gerolsteiner. Der Deutsche hatte den Niederösterreicher schon bei der abgelaufenen Tour hervorragend unterstützt, ist zudem wichtig für das Teamzeitfahren. Sollte Evans bis kommenden Juli Probleme bekommen, wäre das gesamte Topteam plötzlich auf Kohl ausgerichtet. "Im Radsport kann viel passieren, aber ich wünsche mir, dass einer von uns die Tour gewinnt", betonte der Bergkönig. "Wenn es Cadel gelingt, dann haben wir alles richtig gemacht."

Richtig gemacht zu haben, scheint Kohl auch in seiner bisherigen Karriere sehr viel. 2003 hatte der Wolkersdorfer beim Nachwuchsteam von Rabobank angeheuert, wechselte 2005 für zwei Jahre zu T-Mobile und 2007 zu Gerolsteiner. Das letzte Rennen für den aus dem Radsport scheidenden Mineralwasser-Hersteller bestreitet Kohl am Sonntag in Nürnberg. Einen Umzug aus Österreich - etwa aus steuerlichen Gründen - schloss Kohl trotz des Teamwechsels aus. "Österreich hat mich zu dem gemacht, was ich bin", betonte der Wahl-Klagenfurter.(APA)

 

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    Bernhard Kohl und und Team Manager Geert Coeman bei der Präsentation in Wien.

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