Sechs Tote bei mutmaßlichem US-Raketenangriff

8. September 2008, 08:30
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Sicherheitskräfte: Frauen und Kinder unter den Toten - Drohnen überflogen laut Augenzeugen das Gebiet

Dera Ismail Khan/Pakistan - Bei einem neuen mutmaßlichen US-Raketenangriff sind am Montag im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan mindestens sechs Menschen getötet worden. Unter den Toten seien Frauen und Kinder, sagte ein Angehöriger der Sicherheitskräfte, der anonym bleiben wollte.

Der Angriff habe einem Haus im halbautonomen Stammesgebiet Nord-Waziristan gegolten, das angeblich vom afghanischen Taliban-Anführer Jalaluddin Hakkani genutzt werde. Mindestens 15 Menschen seien verletzt worden. Mehrere Raketen hätten das Wohnhaus und eine benachbarte, von Hakkani gegründete Koranschule dem Erdboden gleichgemacht.

Hakkani werden Kontakte zum Chef des Terrornetzes Al Kaida, Osama bin Laden, nachgesagt. Ein Armeesprecher bestätigte, dass es in der Gegend zu Explosionen gekommen sei, machte aber keine näheren Angaben. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Opferzahl könnte weit höher als bisher bekannt liegen, da anscheinend mehrere Koranschüler unter den Trümmern begraben worden seien.

Augenzeugen berichten von Drohnen

Augenzeugen berichteten, Drohnen seien über den Angriffsort geflogen. Die unbemannten, mit Raketen bestückten Flugkörper werden sowohl von den US-Streitkräften als auch vom amerikanischen Geheimdienst CIA eingesetzt.

Mutmaßliche US-Raketenangriffe in den Stammesgebieten, die von den Taliban und Al Kaida als Rückzugsraum genutzt werden, haben in den vergangenen Wochen zugenommen. Am vergangenen Donnerstag waren sechs Menschen bei einem Angriff in Nord-Waziristan getötet worden. Am Tag zuvor waren beim ersten Bodenangriff amerikanischer Truppen auf pakistanisches Territorium mindestens 20 Menschen in Süd-Waziristan getötet worden.

Die pakistanische Regierung hatte scharf protestiert und US-Botschafterin Anne W. Patterson vorgeladen. Auch auf der afghanischen Seite der Grenze waren US-Truppen in den vergangenen Tagen mehrfach gegen das Hakkani-Netzwerk vorgegangen.

(APA/AP/Reuters)

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