Vier Tote durch Hurrikan "Ike" in Kuba

8. September 2008, 15:14
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Wirbelsturm erreichte über Nacht Land und schwächte leicht ab - In Haiti bisher bereits 600 Menschen in den Wirbelstürmen gestorben

Havanna/Port-au-Prince - Gerade neun Tage, nachdem Hurrikan "Gustav" den Westen Kubas verwüstet hat, erreichte in der Nacht auf Montag "Ike" mit 200 Stundenkilometern die Karibikinsel. Rund 800.000 Menschen mussten allein in den östlichen Provinzen in Sicherheit gebracht werden, in ganz Kuba waren es 1,5 Millionen. Davor hatte der Wirbelsturm Haiti gestreift - mindestens 70 Menschen wurden dabei getötet.

Beim Durchzug des Hurrikans "Ike" sind in Kuba mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Der Wirbelsturm hatte Kuba in der Nacht zum Montag erreicht und sich über Land abgeschwächt. Zuletzt stufte das US-Hurrikan-Zentrum den Wirbelsturm in der niedrigsten Kategorie eins ein. In dem Karibikstaat gilt dennoch die höchste Alarmstufe, fast zwei Millionen Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

"Die ganze Nation befindet sich in Kampfbereitschaft" , hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von Ex-Staatschef Fidel Castro. Die Einwohner von Havanna machten ihre Häuser mit Holzplatten sturmfest und legten Essensvorräte an. Voraussichtlich wird der Wirbelsturm heute, Dienstag, in der Region Havanna wieder auf das offene Meer ziehen. Gegen Wochenende soll "Ike" - voraussichtlich mit höherem Tempo - in Texas die US-Küste erreichen. Die drohende Zerstörung von Förderanlagen im Golf von Mexiko hat den Ölpreis am Dienstag kurz nach oben getrieben, am Abend sank die Notierung wieder auf 105,38 Barrel je Fass. Die Ölkonzerne hatten bedrohte Mitarbeiter bereits zum Schutz vor "Gustav" evakuiert. Die Wiederaufnahme der Förderung verschiebt sich durch den neuen Wirbelsturm.

Unterdessen gingen in der westlichen Provinz Pinar del Río die Aufräumarbeiten weiter. Größter Ehrgeiz der Kubaner ist es, Todesopfer zu vermeiden. Deshalb wurden vor allem Menschen in Sicherheit gebracht, die in Küstennähe, an Flussufern oder in besonders einfachen Häusern wohnen. Sanitäter sind in abgelegene Gebiete gezogen, die Generatoren der Gesundheitszentren wurden mit Diesel versorgt. Tausende Helfer der Zivilverteidigung hatten sich um die Lebensmitteldepots gekümmert und Nutztiere auf dem Land in Sicherheit gebracht. Die Evakuierten wurden in Schulen oder anderen stabilen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht.

Reiseveranstalter beruhigen

Von den Evakuierungen waren auch Touristen betroffen. Die rund 230 österreichischen Urlauber in Kuba dürften nach Angaben der Reiseveranstalter TUI, Neckermann und ITS-Billa Reisen vorerst nicht von "Ike" bedroht sein. Sollte sich die Situation ändern, werde aber sofort reagiert, die Betroffenen würden in Sicherheit gebracht, hieß es seitens der betroffenen Unternehmen.

 

Der Kontrast zum benachbarten Haiti ist eklatant: Nach vorläufigen Angaben kamen bei den letzten Stürmen rund 600 Menschen ums Leben, die meisten in der Stadt Gonaïves. Das politisch instabile Land ist auch aus ökologischen Gründen besonders katastrophenanfällig: Die Wälder sind zu 98 Prozent abgeholzt, die wenigen verbliebenen Bäume werden von den Armen zu Brennholz verarbeitet.

"Armut ist der tödlichste Faktor, nicht die Kräfte der Gewalt" , hatten UN-Experten bereits 2004 diagnostiziert. Allein im Norden des Landes sind laut Rotem Kreuz derzeit 250.000 Menschen dringend auf Hilfe angewiesen. Das österreichische Rote Kreuz hat am Montag zwei Helfer in das Katastrophengebiet entsandt. Diese sollen sich um den Aufbau und die Instandhaltung einer Funk- und Telefonverbindung kümmern, damit die humanitäre Hilfe vor Ort koordiniert werden kann.

Kuba beweist allerdings, dass auch mit bescheidenen Mitteln eine wirkungsvolle Vorsorge möglich ist. Das UN-Sekretariat zur Reduzierung von Katastrophen (ISDR) in Genf lobt den dort seit 40 Jahren entwickelten Katastrophenschutz als beispielhaft. Heute lassen die Folgen des Klimawandels eine internationale Politik der Katastrophenvorbeugung als noch dringlicher erscheinen. Kubanischen Medien zufolge sollen "Gustav" und "Ike" die stärksten Wirbelstürme der letzten 50 Jahre gewesen sein.

Ein vergangene Woche in Nature erschienener Artikel liefert neue Argumente - der Standard berichtete. Ein Forscherteam der Florida State University wertete Satellitendaten der letzten 25 Jahre aus und kam zur Schlussfolgerung: Wird das Meerwasser um ein Grad wärmer, steigt die Anzahl der besonders heftigen Hurrikane um ein Drittel. (Gerhard Dilger/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2008)

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Kennwort: Unwetter Karibik

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    Ein UN-Soldat hilft Kindern in Haiti über einen überfluteten Fluß.

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