Auch Minister verteidigt die Faschisten

11. September 2008, 07:56
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Alleanza-Nazionale Minister La Russa: "Wer die italienische Geschichte unvoreingenommen betrachtet, muss ihnen mit Respekt begegnen"

Die Verharmlosung des Faschismus durch zwei prominente Vertreter der Nationalen Allianz hat in Italien Empörung ausgelöst. Verteidigungsminister Ignazio La Russa nutzte ausgerechnet eine Gedenkfeier zum 65. Jahrestag des Widerstands in Rom zur Reinwaschung faschistischer Kämpfer. Auch die Freiwilligen der Republik von Salò hätten in der Überzeugung gekämpft, ihrem Vaterland zu dienen. "Wer die italienische Geschichte unvoreingenommen betrachtet, muss ihnen mit Respekt begegnen", forderte La Russa.

Staatspräsident Giorgio Napolitano zeigte sich irritiert und erklärte, Vorbildcharakter gebühre "nur jenen, die sich der Republik von Salò verweigert haben." Benito Mussolinis 1943 gegründete Sozialrepublik beschränkte sich auf das Besatzungsgebiet der NS-Truppen in Norditalien.

Auch Roms Bürgermeister Gianni Alemanno übte sich am Wochenende in einer Verklärung der Schwarzhemden. Er verurteile zwar die Rassengesetze, könne aber seinem Parteichef Gianfranco Fini nicht zustimmen, dass der Faschismus das "absolut Böse" verkörpere. Es handle sich um ein "komplexeres Phänomen, das viele Menschen in seinen Bann gezogen" habe, so Alemanno. Die Aussagen stießen auf den scharfen Protest der jüdischen Gemeinde. "Die Rassengesetze wurden von den Faschisten erlassen und waren Ausdruck ihrer Weltanschauung", sagte deren Vorsitzender, Renzo Gattegna. Ex-Bürgermeister Walter Veltroni verließ aus Protest das von Alemanno geleitete Gründungskomitee für das römische Shoah-Museum, das 2011 fertig werden soll. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 10.9.2008)

 

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