Umfragen: McCain holt Schwung nach dem Parteitag

8. September 2008, 21:28
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50 zu 46 Prozent: Der Republikaner überholt laut Gallup Barack Obama – "Palin-Effekt" lässt sich nachweisen

Washington - Nach den Parteitagen der Demokraten und Republikaner liegen erste Umfragen vor, die auf deren Einfluss auf das weitere Rennen um die US-Präsidentschaft schließen lassen. Nach Daten von USA Today/Gallup führt der Republikaner John McCain unter den befragten registrierten Wählern mit 50 Prozent Zustimmung vor seinem politischen Gegner Barack Obama (46 Prozent). Eine von CNN/Time veröffentlichte Befragung spricht beiden Kandidaten jeweils 48 Prozent der Stimmen zu.

Der Politologe Larry Sabato von der University of Virginia kommentierte die Umfragen in USA Today so: "Die Republikaner hatten eine sehr erfolgreiche Convention. Die Nominierung Sarah Palins zur Vizepräsidentschaftskandidatin hat einen großen Unterschied gemacht." In den Zahlen findet sich auch in der Tat die sogenannte Enthusiasmus-Lücke ("enthusiasm gap" ) wieder, deren Überwindung der Gouverneurin von Alaska - der vieldiskutierte "Palin-Effekt" - zugeschrieben wird: Vor ihrem Parteitag sagten nur 47 Prozent der Republikaner, sie würden sich enthusiastisch auf die Wahl freuen. Nach dem Parteitag waren es 60 Prozent.

Sarah Palin soll noch in dieser Woche erste Interviews in TV-Stationen und Zeitungen geben. Einige Beobachter glauben, dass der Palin-Effekt nach solchen Gesprächen wieder schrumpfen werde.
In den von realclearpolitics.com kumulierten Umfragedaten aller Institute führt McCain derzeit mit 46,7 Prozent vor Obama mit 45,7Prozent. Weniger als 60 Tage vor der Wahl am 4. November ist der Ausgang weiter offen. In den vergangenen Wochen waren je nach Umfrage einmal McCain, einmal Obama in Führung gelegen. Dass der Präsident nicht direkt gewählt wird, sondern durch ein Elektoren-Kolleg, erschwert Prognosen.

Elektoren-Bilanz

In einzelnen umkämpften Bundesstaaten war die Umfragenlage realclearpolitics.com zufolge mindestens ebenso eng wie auf nationaler Ebene. Colorado, Nevada und Ohio waren die "battleground states" , in denen der Vorsprung des jeweiligen Kandidaten weniger als einen Prozentpunkt betrug. In Pennsylvania und Michigan führt Obama mit 5,0 und 4,3 Punkten, in Florida liegt McCain mit 3,1 Punkten voran. In Illinois, New York, Kalifornien, Minnesota und erstaunlicherweise auch Iowa hat Obama einen deutlichen Vorsprung, McCain dagegen in Arizona, Alabama und Tennessee.

Nach Berechnungen der unabhängigen Website kann Obama derzeit auf 217 Elektorenstimmen zählen, McCain auf 174. 270 Wahlmänner braucht ein Kandidat, um zum US-Präsidenten gewählt zu werden. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2008)

 

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