Ute Bocks Schuldenkrise: Politischer Mut zur Hilfe

7. September 2008, 19:14
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Seit bekannt wurde, dass der Flüchtlingshilfeverein Ute Bocks tief in einer Schuldenkrise steckt, wird die Verantwortung dafür oft bei der Obfrau selbst gesucht - Von Irene Brickner

Seit bekannt wurde, dass der Flüchtlingshilfeverein Ute Bocks tief in einer Schuldenkrise steckt, wird die Verantwortung dafür oft bei der Obfrau selbst gesucht. Bock habe sich als Verwalterin von Spendengeldern der damit einhergehenden Veranwortung nicht gewachsen gezeigt, tönt es vom Fonds Soziales Wien aus dem Wiener Rathaus. Wie sei es anders zu erklären, dass sich die Vereinschefin von der Höhe der Außenstände offenbar überrascht gezeigt habe? Weise das nicht auf ein unprofessionelles Vorgehen der gelernten Sozialarbeiterin hin, die sich angesichts der vielen Bedürftigen, die bei ihr an die Tür klopfen, einfach nicht abgrenzen könne?

Nun ist richtig, dass Bock offenbar kein Talent zur Buchhalterin hat und sich ihr Spendenmanagement wohl vielfach im Stopfen finanzieller Löcher erschöpft hat. Doch wenn dieser durchaus kritikwürdige Umstand zum Anlass genommen wird, um ihre Arbeit zu kritisieren und davon abzulenken, wie bitter notwendig diese ist, so ist das - mit Verlaub - nur schwer zu ertragen. Ute Bock bietet Menschen Obdach, die sonst ohne jede Hilfe auf der Straße stehen würden, die in den allermeisten Fällen ohne eigenes Verschulden in diese Situation geraten sind - Flüchtlingen etwa, die aus der Grundversorgung gefallen sind, weil diese in manchen Bundesländern nicht bis zum Abwarten höchstgerichtlicher Entscheidungen gewährt wird.

Zu sagen, dass solche Menschen keine - wie die FPÖ sagt - "Illegalen" sind, erfordert politischen Mut. Wer Bock helfen will, damit sie weiter helfen kann, muss ihn aufbringen. Auch wenn er im Wiener Rathaus sitzt. (Irene Brickner, DER STANDARD; Printausgabe, 8.9.2008)

 

 

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