Netzwerkanalyse: Von der Schnörkellosigkeit und einem polyzentrischen Gefüge

7. September 2008, 19:21
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Karel Brückner wies dem munteren Schwarm die Richtung

Lineare Sturheit, planvolle Kollektivität. Die Analyse der wichtigsten drei Passversuche der Österreicher im Spiel gegen Frankreich ergibt eine erstaunlich symmetrische Struktur. An der mit linearer Sturheit praktizierten Achse des Ausschusses (Manninger-Janko) entlang entfalten sich sowohl auf dem rechten als auch auf dem linken Flügel stabile Beziehungen in Form ineinandergreifender Dreiecke beziehungsweise Vertikalketten.

Dass dem linken Flügel (Pogatetz-Fuchs-Ivanschitz) eine offensivere Ausrichtung anhaftet als dem rechten, liegt weniger an einer etwaigen Indisponiertheit des rechten Flügelflitzers Martin Harnik, sondern an seiner bemerkenswert disziplinierten Defensivleistung.

So einseitig das taktische Konzept auf den ersten Blick wirken mag. Das konsequente Anbohren der französischen Achillesferse (Mexes) zog die Bildung eines polyzentrischen Gefüges nach sich, das in seiner Schnörkellosigkeit immer mehr zu sich zu kommen scheint. Hauptindiz dafür ist eine bislang noch nicht dagewesene Ausgewogenheit in den Zentralitätswerten. Nicht zufällig reüssiert das ÖFB-Team derzeit beinahe ausschließlich aus Standardsituationen.

Mittels physischer Wucht wird da auf engstem Raum eine systematische Entropie erzeugt, deren Vollzug (Torschuss) nicht an der Genialität eines Einzelnen hängt. Der neue Teamchef Karel Brückner hat dem munteren Schwarm jene Richtung gewiesen, in der er seine reduzierten Mittel maximal entfalten kann.

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE
1. Manninger-Janko 17
2. Garics-Harnik 15
3. Pogatetz-Janko 11
3. Pogatetz-Fuchs 11
5. Ivanschitz-Fuchs 10
6. Stranzl-Pogatetz 8
6. Fuchs-Ivanschitz 8
6. Fuchs-Janko 8
6. Aufhauser-Scharner 8
6. Garics-Aufhauser 8
6. Pogatetz-Aufhauser 8
6. Aufhauser-Harnik 8
6. Harnik-Garics 8
14. Manninger-Harnik 7
14. Garics-Janko 7
14. Prödl-Aufhauser 7
14. Scharner-Fuchs 7

AM ÖFTESTEN ANGESPIELT
1. Janko 62
2. Aufhauser 44
2. Harnik 44
4. Fuchs 43
5. Ivanschitz 34
6. Scharner 31
7. Pogatetz 28
8. Garics 25
9. Stranzl 15
10. Prödl 13

GABEN DIE MEISTEN PÄSSE
1. Garics 42
2. Aufhauser 41
3. Pogatetz 40
4. Fuchs 35
5. Scharner 34
6. Stranzl 33
6. Prödl 33
8. Manninger 28
9. Ivanschitz 27
10. Harnik 23

SCHLÜSSELSPIELER*
1. Aufhauser 85
2. Fuchs 78
3. Janko 76
4. Pogatetz 68
5. Garics 67
6. Harnik 67
7. Scharner 65
8. Ivanschitz 61
9. Stranzl 48
10. Prödl 46
11. Manninger 33
12. Leitgeb 8
12. Maierhofer 8
14. Standfest 4

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT
1. Ivanschitz 88,89 (24 von 27)
2. Stranzl 87,88 (29 von 33)
3. Prödl 84,85 (28 von 33)
4. Garics 83,33 (35 von 42)
5. Aufhauser 82,93 (34 von 41)
6. Scharner 76,47 (26 von 34)
7. Pogatetz 72,50 (29 von 40)
8. Harnik 79,57 (16 von 23)
9. Janko 64,29 ( 9 von 14)
10. Fuchs 62,86 (22 von 35)
11. Manninger 50,00 (14 von 28)

TEAMANTEIL ERFOLGREICHER PÄSSE
1. Garics 12,96
2. Aufhauser 12,59
3. Pogatetz 10,74
3. Stranzl 10,74
5. Prödl 10,37
6. Scharner 9,63
7. Ivanschitz 8,89
8. Fuchs 8,15
9. Harnik 5,93
10. Manninger 5,19
11. Janko 3,33

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen der jeweils angekommenen und abgegebenen Pässe.

FAS.research,
in Wien und New York ansässig, schon bei der WM 2006 und bei der Euro 2008 im Einsatz, beobachtet die Länderspiele der österreichischen Nationalmannschaft exklusiv für den Standard.

Team: Ruth Pfosser, Harald Katzmair, Johannes Uhlig, Helmut Neundlinger (Text).

Webtipp: www.fas.at

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