Rathaus ignorierte Warnungen vor Schuldenkrise Ute Bocks

7. September 2008, 18:41
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Mietzahlungsrückstand im Kabelwerk als Auslöser

Schulden habe ihr "Verein Flüchtlingsprojekt Ute Bock" schon immer gehabt. Das konzediert auch die Obfrau selbst. Zur ernsten Schuldenkrise jedoch, die - wie der Standard berichtete - jetzt zum Vereinskonkurs führen könnte, habe sich der chronische Geldmangel erst nach der Einmietung von Flüchtlingen in 20 Wohnungen des Kabelwerkprojekts in Wien-Meidling ausgewachsen.

Wie es dazu kam, versucht Simone Mayer, Integrationsbeauftragte in Wien-Meidling, zu erklären. "Erstens sind die Wohnungen im Kabelwerk, die Frau Bock zuletzt hatte, um je 100 Euro teurer als jene in dem Haus, in dem der Verein davor eingemietet war. Hier wurde der Verein in ein Abenteuer gelockt, das er wahrscheinlich gar nicht bestehen konnte. Zweitens ist es mir und anderen trotz Bemühungen, im Rathaus auf die sich zuspitzende Situation hinzuweisen, nicht gelungen, Gehör zu bekommen", sagt sie.

In einer "Chronologie der Ereignisse" schildert Mayer den Ablauf der Dinge. Demnach habe die Kabelwerk-Hausverwaltung am 19. März 2008 bei einem Mietenrückstand von 35.216,25 Euro eine erste Mahnung an Bock geschickt.

Eine Räumungsklagen-Ankündigung ein Monat später habe nach der Zahlung von 10.000 Euro ausgeräumt werden können. Doch zwischen Juni und Mitte August sei der Schuldenpegel wieder gestiegen - bis es der Hausverwaltung am 12. August (Schuldenstand zu Monatsende 64.932,50 Euro) dann endgültig zu viel geworden sei: Sie reichte die Räumungsklage - und dokumentierte damit die Zahlungsunfähigkeit des Vereins von Ute Bock.

Während dieser Wochen - so Mayer - seien ans Büro von Bürgermeister Michael Häupl und an den Fonds Soziales Wien (FSW) Informationsmails gegangen. Die prekäre Finanzlage Ute Bocks sei bekannt gewesen: Eine Behauptung, der FSW-Geschäftsführer Peter Hacker widerspricht: "Ich habe noch keinen Aufschluss über die finanzielle Situation und die Verschuldung des Vereins erhalten. Alles was ich weiß, weiß ich von Dritten und aus den Medien".

Schuldenstand: 183.677 Euro

Ute Bock selbst hat ihren Schuldenstand inzwischen von einem Steuerberater überblicksmäßig zusammenstellen lassen. Demnach beliefen sich die Außenstände des Vereins am 30. August 2008 auf 208.447,67 Euro. Im Saldo ergibt sich eine Verschuldung von 183.677,12 Euro. Zu einem vom FSW einseitig vorgeschlagenen Termin am Montag, um über ihre Finanzen Aufschluss zu geben, will Bock nicht gehen: "Was will der FSW mit unseren Büchern?", fragt sie. (Irene Brickner, DER STANDARD; Printausgabe, 8.9.2008)

 

 

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