Rotes Stehaufmännchen kehrt wieder

7. September 2008, 18:38
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Nach Kurt Becks Rücktritt übernimmt Franz Müntefering erneut die SPD-Führung

"Partei gut, Fraktion gut, Glückauf!" Prägnante Sätze dieser Art werden die deutschen Sozialdemokraten jetzt wieder öfter hören. Franz Müntefering, der Sozialdemokrat für alle Fälle, will auf dem nächsten Parteitag ein Comeback feiern, wie es die SPD noch nicht erlebt hat: Er wird die Partei zum zweiten Mal als Chef führen.

SPD-Generalsekretär war er schon, Bundesgeschäftsführer, Verkehrsminister und Fraktionschef. Und natürlich Parteichef, "das schönste Amt neben dem Papst", wie "Münte" selbst jenen Job beschrieb, den er von 2004 bis 2005 ausübte. Es war ein Aufatmen, als Müntefering am 21. März 2004 die SPD-Führung von Gerhard Schröder übernahm. "Franz, du musst es machen", soll der zu ihm gesagt haben. Schröder selbst hatte nicht mehr die Kraft, der Partei seine Reformen zu erklären. Müntefering hingegen wurde von der SPD nicht bloß geachtet, sondern geliebt. Der heute 68-Jährige gilt bei den Genossen als "einer von uns". Er spricht ihre Sprache, trinkt lieber Bier als Wein, edle Designer-Anzüge sind ihm ebenso fremd wie teure Zigarren.

Doch in der Sache blieb auch Müntefering hart. An Schröders Reformen gab es kein Rütteln. Im Gegenteil: Als Vizekanzler und Arbeitsminister der großen Koalition machte sich Müntefering gleich für die Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters auf 67 Jahre stark. Das reizte die Parteilinken, die Andrea Nahles 2005 als Generalsekretärin pushten. Ein Affront für Müntefering, er warf als Parteichef hin.

Seinen Nachfolger Kurt Beck, bekämpfte er offen: Strikt lehnte Müntefering die von Beck geforderte längere Bezugsdauer von Arbeitslosengeld (und somit die Rücknahme der Schröder-Reformen) ab. Doch Beck setzte sich durch. Da war Münteferings Frau schon an Krebs erkrankt. Um sie zu pflegen, legte er im Herbst 2007 seine Ämter als Vizekanzler und Arbeitsminister nieder. Ankepetra Müntefering starb Ende Juli, Gerüchte über "Müntes" Comeback gab es unmittelbar darauf. (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2008)

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