SPD-Führungswechsel: Eine Mini-Chance

7. September 2008, 18:32
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Beck hat mit seinem Zickzack-Kurs nicht nur sich selbst beschädigt, sondern auch die Partei immer tiefer in den Abgrund gerissen - Von Birgit Baumann

Man musste schon extrem hartherzig sein, um mit dem nunmehrigen Ex-SPD-Vorsitzenden Kurt Beck in den vergangenen Monaten kein Mitleid zu haben. Es war grausam mitanzusehen, wie es dem Pfälzer, der in seiner Provinz ein König war, einfach nicht gelang, in Berlin und der Bundespolitik Fuß zu fassen. Doch nun ist es vorbei und nach ein paar dürren Dankesworten atmet die SPD hörbar auf. Denn Beck hat ja mit seinem viel kritisierten Zickzack-Kurs nicht nur sich selbst beschädigt, sondern auch die SPD immer tiefer in den Abgrund gerissen.

Klar, dass die SPD nun den Führungswechsel als Neubeginn verkauft. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zum einen, weil die deutschen Sozialdemokraten in den vergangenen Monaten nur noch getrieben waren. Entscheidungen wurden nicht mehr aus einer Stärke heraus getroffen, sondern bloß, um noch Schlimmeres zu verhindern. Das gilt auch für die Kür von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten. Nicht weil er so gut und überzeugend ist, darf er den Job machen. Er muss, weil ihn sonst überhaupt keiner hinbekommt.

Ähnlich desillusionierend ist das Comeback von Franz Müntefering als SPD-Chef. Ein 68-Jähriger, der schon einmal den Parteivorsitz hinwarf, kehrt wieder, weil sich kein anderer findet. Was für ein Armutszeugnis.

Immerhin ziehen Steinmeier und Müntefering inhaltlich an einem Strang, das könnte eine Mini-Chance für die SPD sein. Beide wollen die Reformen fortsetzen und nun ein „starkes Zentrum" bilden. Der schwierigste Teil der Operation kommt ja erst nach dem Führungwechsel: Die beiden müssen die Parteilinken überzeugen. (Birgit Baumann/DER STANDARD Printausgabe, 8. September 2008)

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