Kurzauftritt am Inselfest

8. September 2008, 10:06
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Einen Infostand betreibt man, um Infomaterial zu verteilen, normalerweise, aber am Donuainselfest ist das wohl anders

Es war am Freitag. Da wussten N. und ihr Freund dann, dass sie das Wochenende über doch frei haben würden. Und das freute sie gar nicht. Schließlich hatten sie das Wochenende eigentlich unter „Arbeit“, vielleicht ja sogar „Schwerarbeit“, gebucht gehabt – und sich darauf gefreut. Obwohl sie da kein Geld verdient hätten.

Aber dann kam alles anders – und N. und ihr Freund verstehen das nicht so wirklich. Schließlich waren sie heuer nicht das erste Mal am Donauinselfest. Oder besser: Schließlich wären sie nicht das erste Mal am Donauinselfest gewesen. Denn dort hätten sie das Wochenende verbringen wollen. Eigentlich.

Gemeinnützig

Der Plan war einfach gewesen: Weil N.s Freund Teil eines gemeinnützigen Tanzvereines ist, war man auf die Idee gekommen, den am Donauinselfest zu präsentieren. Mit einem Stand. Und Getanze. No na. Schließlich will man ja nicht nur erzählen, was man tut, sondern es auch zeigen.

Anmeldung, Vorbereitung und Aufbau, erzählt N. hätten genauso funktioniert, wie sich das alle vorgestellt hatten. Und auf den Stand, der da in der Gegend der Reichsbrücke zwischen anderen Ständen stand, war man auch halbwegs stolz. Die ersten Passanten, erinnert sich N., waren auch durchwegs angetan, als man ihnen Flyer und Infomaterial in die Hand drückte.

Kontrolle

Aber dann, erzählt N, am Freitag so gegen 13.30 Uhr sei ein Trupp Polizisten mit Magistratsbeamten gekommen und habe bei jedem Stand nach Genehmigungen gefragt. Frohen Mutes – man hatte sich ja angemeldet und auch Standmiete gezahlt – legten die Tanzkumpane von N.s Freund ihre Genehmigung vor. Und staunten: Der Stand, erklärte man ihnen, sei zwar an sich in Ordnung. Aber dafür, den Stand mit Infomaterial und Flyern beladen zu haben, habe man keine Erlaubnis. Und dafür, das Material zu verteilen, schon gar nicht.

Die Frage, was man denn an einem Info-Stand tun solle, wenn nicht Info-Material verteilen, blieb unbeantwortet. Beziehungsweise, erzählt N., wurde amtlich beantwortet: Das sei eben so Vorschrift – und wer die nicht befolge, werde angezeigt. Dass man da nicht spaße, könnten die gemeinnützigen Tänzer gern andere, bereits kontrollierte Standler fragen: Da habe es ähnliche Fälle gegeben.

Zelte abbrechen

Daraufhin, erzählt N., habe ihr Freund die Standler-Gasse hinunter geschaut: tatsächlich wurde da an ein paar Stände am Freitag zu Mittag schon wieder eingepackt. Und so beschlossen auch die Tänzer, ihre Zelte abzubrechen. Widerwillig, aber eben doch.

Wenn man etwas widerwillig tut, tut man das nicht freudig schnaderhüpfelnd. Und das, erzählt N., habe die Amtspersonen dann wohl gereizt. Denn, erzählt N., sie stürzten sich auf ein neunjähriges Mädchen. Das Kind habe inmitten der Zusammenräumarbeiten gestanden und immer noch einen Pack Flyer in der Hand gehalten: Das hier, hätten daraufhin die Amtsmenschen erkannt und verkündet, sei eindeutig Kinderarbeit. Und wenn da jetzt auch nur noch ein einziges Wort fiele, dann ... und so weiter.

Kindergruppe

Natürlich versuchte dann jemand zu erklären: So wie viele andere Tanzvereine auch, habe man eben auch hier eine Kindergruppe. Und die würde hier, am Donauinselfest, natürlich auch performen. Die Kinder wären seit Wochen aufgeregt und stolz. Und würden natürlich dafür werben wollen – etwa durch Flyerverteilen. Ja, auch neben dem Stand. Und selbstverständlich würde kein Kind gezwungen, Zettel zu verteilen. Oder zu tanzen. Und außerdem fände das alles ja auch mit dem Einverständnis der Erziehungsberechtigten statt. Die wären übrigens auch hier.

Aber, sagt N., all das nutzte nichts: Man schloss – und ging. Die Kinder, sagt N., verstanden nicht, wieso der Auftritt, auf den sie sich so gefreut hatten nicht stattfinden sollte. Sie selbst, sagt N., eigentlich auch nicht: Sie kenne da nämlich schon auch Leute, die früher (und wohl auch heuer, weil, meint N., das hätte sie gehört) beim Verteilen von Flyern und Infomaterial am Donauinselfest nie Probleme gehabt hätten.

Allerdings gäbe es da einen Unterschied: Keiner von denen sei Afrikaner.

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