Janko: "50 Prozent gehören Hicke"

7. September 2008, 12:15
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Neue Hierarchie im ÖFB-Sturm: Janko stellt nach zahlreichen Verletzungen und Enttäuschungen Linz, Maierhofer und Hoffer in den Schatten

Wien - Der sensationelle Start in die WM-Qualifikation in Wien gegen Frankreich (3:1) hat die neue Hierarchie im Angriff der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft bestätigt. Marc Janko ist nach seinem zweiten Treffer in ebenso vielen Spielen im Sturmzentrum die klare Nummer eins vor Stefan Maierhofer. Portugal-Legionär Roland Linz dagegen steht unter Neo-Teamchef Karel Brückner ebenso im Abseits wie Roman Kienast.

Brückner setzt traditionell nur auf einen groß gewachsenen Stürmer - und hat in Janko bereits einen neuen Lieblingsschüler gefunden. Dabei hatte der Tscheche den Salzburg-Angreifer für das erste Testspiel gegen Italien (2:2) ursprünglich gar nicht einberufen, sondern erst nach fast einer Woche nachnominiert. Längst verflogen ist Jankos Ärger darüber. Der 25-Jährige verstand es, seine Chance auf einen Fixplatz im ÖFB-Sturm zu nützen.

"Es tut mir gut, aber ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn ich nicht getroffen hätte, und wir trotzdem gewonnen hätten", versicherte Janko. Das Selbstvertrauen ist nach zahlreichen Verletzungen, die den 1,96-m-Mann in der Vergangenheit zurückgeworfen hatten, zurück. Sein schnelles Wachstum hatte in der Jugend zu einer Schiefstellung des Beckens geführt. Dazu kamen anhaltende Probleme mit dem Sprunggelenk und immer wieder Muskelprobleme.

Von Februar bis November 2007 hatte Janko wegen einer Knöchelverletzung nicht ein Pflichtspiel bestritten. "Das ist der Lohn dafür. Die ganze harte Arbeit nach allen Verletzungen kommt jetzt zurück", erklärte der Angreifer. "Die letzten beiden Spiele können sich schon sehen lassen." Janko traf nicht nur gegen den Weltmeister, sondern auch gegen den Vizeweltmeister - seine ersten beiden Tore für Österreich.

Gegen Frankreich vermochte der Leader der Bundesliga-Schützenliste (7 Treffer) vor den Augen zahlreicher Scouts internationaler Topclubs auch mit harter Arbeit, vielen gewonnenen Kopfballduellen und Zweikämpfen zu überzeugen. "Janko war sehr aktiv und hat viel Raum gewonnen", lobte Brückner seinen Einser-Stürmer, der nach Freistoß von Andreas Ivanschitz nicht nur den Führungstreffer erzielt, sondern auch den entscheidenden Elfmeter herausgeholt hatte.

Janko selbst gab das Lob zurück ("Wir haben taktisch überragend gespielt") und dachte aber auch an den Vorgänger. "50 Prozent dieses Erfolges gehören Karel Brückner, 50 Prozent Josef Hickersberger. Er hat diese Mannschaft über Jahre geformt, Brückner hat uns den Feinschliff gegeben", erklärte Janko. Eine überraschende Aussage, hatte ihn Hickersberger doch wie Maierhofer nicht für die EURO 2008 berücksichtigt.

Hatte Hickersberger im entscheidenden EM-Gruppenspiel gegen Deutschland noch erfolglos auf den quirligen Rapid-Stürmer Erwin Hoffer im Sturmzentrum gesetzt, so baut Brückner auf physische Präsenz. Die hat Janko unter Beweis gestellt. Schon nach dem Italien-Spiel war er vielfach auf Janko angesprochen worden, versicherte Juventus-Legionär Alexander Manninger. "Aber ein oder zwei Tore machen noch keine Karriere aus", betonte die neue Nummer eins im ÖFB-Tor. "Das weiß er auch." (APA)

 

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    Janko: "Es tut mir gut, aber ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn ich nicht getroffen hätte, und wir trotzdem gewonnen hätten"

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