Ein Lobgesang auf die Effizienz

7. September 2008, 12:09
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Mehr darf man von einem Fußball-Match nicht ver­lan­gen. Österreich star­tete mit einem 3:1 gegen Frankreich in die WM-Qualifikation

Wien - Karel Brückners Schwalbe war dann nur ein gewöhnlicher Vogel, den Sommer hat der österreichische Teamchef aus Tschechien dafür in den Frühling verlegt. Nach einem 3:1-Sieg gegen Frankreich ist das erlaubt. Abgesehen davon ist der Spruch von der Schwalbe, die noch keinen Sommer macht, abgelutscht, er gehört entsorgt. Gemeinsam mit "Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernt man" und mit "Gut Ding braucht Weile." Seit dem 6. September 2008 gilt bis auf Widerruf: "Ein Vogel macht noch keinen Frühling." Brückner sei Dank, vielleicht fallen ihm für den restlichen Mist auch noch Alternativen ein.

Von einem "bizarren Spiel" hat der französische Kapitän Thierry Henry gesprochen. Und von einem verdienten Sieg der Österreicher. "Wir haben für eine schlechte Abwehrleistung den Preis bezahlt." Teamchef Reymond Domenech hat den schwülen Abend im Happel-Stadion vermutlich nur deshalb überstanden, weil die WM-Qualifikation bereits am Mittwoch weitergeht (Gut Ding braucht auch bei Trainerentlassungen Weile). "Unsere Verteidiger haben es verabsäumt, höher zu springen", sagte Domenech, und das war so banal, dass es fast Charme hatte. Ob sich die französische Mannschaft nach diesem kapitalen Fehlstart in Gefahr befindet? "Was heißt Gefahr? Eine französische Fußballnationalmannschaft wird es immer geben."

Zu den österreichischen Befindlichkeiten: Jubel, Stolz, Ehrenrunden vor 48.000 aus dem Häuschen geratenen Zuschauern. In der 85. Minute stimmten sie im Chor "Karel Brückner" an, der Besungene ging davon aus, "dass es meine Familie war." Dieser Schmäh hätte durchaus von Vorgänger Josef Hickersberger stammen können. Er saß übrigens im Stadion.

Opferbereitschaft

Der Nachfolger war, no na, äußerst zufrieden. "Es ist angebracht zu gratulieren, das war gute Arbeit. Clever, ruhig, nahezu fehlerlos, wir hatten sogar gute Phasen im Ballbesitz. Gegen Frankreich musste es natürlich kritische Phasen geben." Brückners Assistent Jan Kocian legte nach: "Die Mannschaft hat Einzigartiges geleistet, sie hat sich der Taktik geopfert."

Die war defensiv angelegt, es wurde tief in der eigenen Hälfte verteidigt. Ein 3:1 gegen ein derartiges Kaliber (wobei die Franzosen schon bei der Euro im Mittelmaß verharrten) bedingte Helden, natürlich war die gesamte Mannschaft gut. Aber einige waren noch besser, Abwehrchef Martin Stranzl, Tormann Alexander Manninger (von einigen missglückten Ausschüssen abgesehen) und vor allem der gnadenlos robuste Stürmer Marc Janko. Der 25-Jährige beschäftigte die komplette Viererkette der Franzosen und Teile des Mittelfeldes noch dazu, erzielte das 1:0, holte den Elfmeter raus, den Kapitän Andreas Ivanschitz in der 72. Minute staubtrocken zum Endstand verwandelte. Janko war "irrsinnig glücklich. Ich habe die versäumte Euro nachgeholt."

Das österreichische Team war an Effizienz nicht zu überbieten, aus ungefähr eineinhalb Chancen wurden drei Tore gemacht. Zwei Freistöße - Ivanschitz flankte jeweils von halbrechts in den Strafraum - und ein Elfer, dem ein Corner von Ivanschitz und natürlich ein Foul an Janko (sehr abgebrüht gemacht, provozierte Mexes dazu, ihn vor Schiedsrichter Larsen am Leiberl zu ziehen und niederzustoßen) vorausgegangen waren, führten zum Ziel. Ivanschitz: "Wir wussten, dass Standards wichtig sind." Vor dem Strafstoß hat sich folgender Dialog zwischen Janko und Ivanschitz abgespielt (sinngemäße Wiedergabe): Janko: "Ich will." Ivanschitz: "Nein, ich übernehme die Verantwortung, du hast schon getroffen." Janko: "Okay."

Karel Brückner beschäftige sich am Sonntag intensiv mit Litauen, dem Gegner am Mittwoch, der in Rumänien sensationell 3:0 gewonnen hat. Außenverteidiger György Garics: "Wir denken uns hoppala, die denken sich hoppala. Wahrscheinlich müssen beide Teams auch kleinere Brötchen backen." Denn, frei nach Brückner: Zwei Vögel machen auch keinen Frühling. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 08.09.2008)

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    Marc Janko, 1,96 Meter hoch, ist jener Stürmer, den das Team benötigt hat. Red Bull Salzburg hat ihn schon länger.

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    Für Karel Brückner und das ÖFB-Team ist Frankreich bereits Geschichte, am Mittwoch geht es gegen Litauen.

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