USA retten Fannie und Freddie

7. September 2008, 18:09
294 Postings

Um einen Kollaps abzuwenden übernimmt die Regierung die vorläufige Kontrolle über die schwer angeschlagenen Hypothekenfinanzierer

In einer Rettungsaktion übernimmt die US-Regierung die schwer angeschlagenen Hypothekenfinanzerer Fannie Mae und Freddie Mac. Ein Zusammenbruch des US-Kreditmarkts soll dadurch vermieden werden.

***

Washington - Die US-Regierung übernimmt die vorläufige Kontrolle über die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Die zuständige Aufsichtsbehörde FHFA teilte am Sonntag mit, sie werde die beiden Konzerne bis zu deren Stabilisierung führen. Das aktuelle Management werde abgesetzt und die beiden Unternehmen mit Milliarden Dollar aus Steuergeldern stabilisiert. Ein Kollaps hätte erhebliche Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten zur Folge, sagte Finanzminister Henry Paulson.

Die Intervention der Regierung wird vermutlich die bisher teuerste staatliche Sanierungsmaßnahme für den Privatsektor, meinte der Wirtschaftsexperte Lawrence White von der New York Universität.

Die zwei Banken sollen aber weiter ihre Aufgaben am Immobilienmarkt erfüllen: Fannie und Fred garantieren knapp die Hälfte der US-Hypotheken im Gesamtwert von zwölf Bio. Dollar (8,42 Mrd. Euro). Ihr Bankrott könnte den völligen Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft bedeuten.

Ende Juli hatte der US-Senat ein Gesetzespaket zur Bekämpfung der Hypothekenkrise verabschiedet. Dies erlaubt dem Finanzministerium, Fannie und Freddie Kredite in nicht genannter Höhe zu gewähren und sich an den beiden Unternehmen zu beteiligen, sollten sie in Schwierigkeiten geraten.

Das Rettungspaket für die beiden Hypothekenbanken dürfte nach Einschätzung des Vorsitzenden des Finanzausschusses des US-Repräsentantenhauses, Barney Frank, den Aktionären allerdings finanziell schaden. "Ich denke, dass alle Aktionäre dabei benachteiligt werden", sagte Frank.

Die Aktien der beiden Institute waren am Freitag nach Medienberichten über eine drohende Verstaatlichung im nachbörslichen Handel um jeweils rund 20 Prozent abgestürzt. Der Börsenwert der beiden Gesellschaften ist seit Beginn der Kreditkrise vor rund einem Jahr um jeweils mehr als 90 Prozent eingebrochen.

Schon in den vergangenen Wochen hatte es Spekulationen gegeben, dass Fannie Mae nach Milliardenverlusten vom Staat gerettet werden müsse. Aktionäre befürchten, dass ihre Anteilsscheine durch einen staatlichen Aufkauf praktisch wertlos werden könnten.

Zuvor war die elfte US-Bank in diesem Jahr zusammengebrochen. Der staatliche Einlagensicherungsfonds FDIC schloss am Freitag die Silver State Bank in Henderson im Bundesstaat Nevada. Das Kredit-institut hatte per Ende Juni Vermögenswerte von zwei Mrd. Dollar und Kundeneinlagen über 1,7 Mrd. Dollar in seinen Büchern.

Die Nevada State Bank aus Las Vegas werde die versicherten Kundeneinlagen übernehmen. Die Pleite werde den Einlagensicherungsfonds mit 450 bis 550 Mio. Dollar belasten. Derzeit sichert die Institution US-Konten über insgesamt rund 45 Mrd. Dollar ab.
Die Pleite der Silver State Bank strahlt auch auf den US-Präsidentschaftswahlkampf ab.

Denn Andrew McCain, Adoptivsohn des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain, saß bis vor kurzem im Verwaltungsrat der Bank und war unter anderem für die Aufsicht über die Finanzen zuständig. Es gebe allerdings keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des 46-jährigen McCain, schrieb das Wall Street Journal.

Andrew McCain sei am 26. Juli zurückgetreten. Wäre er noch vier Tage länger im Verwaltungsrat geblieben, hätte er als Mitglied des dreiköpfigen Audit-Komitees den Bericht über die Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal unterschreiben müssen, hieß es. Die Bank musste den Bericht Mitte August korrigieren und räumte dabei einen höheren Verlust von 72,3 Mio. Dollar (50,7 Mio. Euro) ein.

Die 1996 gegründete Silver State Bank mit Einlagen von fast zwei Mrd. Dollar und 17 Filialen in Arizona und Nevada spezialisierte sich auf Baukredite. Die Zahl der insolvenzgefährdeten US-Banken stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Experten erwarten, dass weitere Banken unter der Last der Finanzkrise zusammenbrechen. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac stecken wegen der Finanzkrise in Bedrängnis. Nun will der US-Staat rettend eingreifen.

  • Bild nicht mehr verfügbar
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.