Ultimatum an Gewerkschaften

5. September 2008, 19:23
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Entweder die Verbände stimmen innerhalb von sieben Tagen dem Rettungsplan für die marode Airline zu oder die Alitalia muss Insolvenz anmelden

Die angepeilte Sanierung der italienischen Fluggesellschaft Alitalia ist in eine schwierige Phase getreten. Die Regierung von Silvio Berlusconi hat die neun Gewerkschaftsverbände, die die Interessen der Alitalia-Mitarbeiter vertreten, kurzerhand ein Ultimatum gestellt: Entweder akzeptieren sie den Sanierungsplan mit dem Abbau von 3250 Arbeitsplätzen bis zum Donnerstag oder die Airline geht in Konkurs. Die EU-Kommission hat bereits "mehr Details" zu der mit staatlichen Mitteln angepeilten Sanierung gefordert.

"Es gibt keine Alternativen zum Rettungsplan, in sieben Tagen ist die Fluggesellschaft pleite" , sagte Arbeitsminister Maurizio Sacconi. CGIL-Gewerkschaftssekretär Giugliemo Epifani will sich jedoch Zeit lassen, um den Plan gründlich zu studieren. Der Arbeitsplatzabbau sei geringer als ursprünglich angekündigt, meinte Minister Sacconi.

Personalkürzungen

Neben den 3250 Arbeitnehmern gibt es noch weitere 2750 Mitarbeiter, die zwar nicht Teil der Neuen Alitalia sind, sondern den zu verkaufenden Alitalia-Sparten (wie etwa Cargo) angehören. Damit erhöht sich die Anzahl der Mitarbeiter, die nicht in die "neue Alitalia" einfließen, auf rund 6000. "Bei den Personalkürzungen herrscht ein unsägliches Durcheinander" , kritisiert die Turiner Tageszeitung La Stampa den Plan.

Im Kreuzfeuer der Kritik steht auch, dass Sacconi "vergessen" habe, die Mitarbeiter mit befristeten Arbeitsverträgen mitzuzählen. Diese 3500 Personen müssen auch das Unternehmen verlassen.
Neu im Rettungsplan ist auch, dass der Mailänder Airport Malpensa aufgewertet und 14 nach Rom verlagerte Langstreckenflüge wieder nach Mailand zurückgeholt werden. Bekanntlich hat Alitalia einen Großteil der Langstreckenflüge von Malpensa bereits vor Monaten eingestellt. Laut Mailänder Beobachtern ziele die überraschende Aufwertung von Malpensa darauf ab, die Air France/KLM unter Druck zu setzen. Air France hat sich bereit erklärt, als strategischer Partner von Alitalia eine Minderheitsbeteiligung zu übernehmen.

"Air France könnte sich zu zehn bis 20 Prozent an der neuen Alitalia beteiligen, um dann nach fünf Jahren die Mehrheitsbeteiligung zu erhalten" , berichten Medien. Bis Ende September soll der ausländische Partner feststehen. Zur Diskussion steht auch Lufthansa und British Airways.  (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.9.2008)

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