US-Starkarikaturist im Interview: "Strache sieht einfach zu gut aus"

08. September 2008, 10:38
  • Artikelbild

    "Manche Menschen verstehen Ironie, manche nicht."

  • Artikelbild

    Spitze Feder: Was seine Arbeitsutensilien betrifft, bevorzugt Lowe die alte Schule

  • Artikelbild

    SPÖ-Chef Werner Faymanns Augenbrauen erinnern Lowe an George W. Bush.

  • Artikelbild

    "Ich bin stolz, Teil der US-Cartoon-Tradition zu sein"

  • Artikelbild

    Eine Minute: Wilhelm Molterer so wie Chan Lowe ihn sieht

  • Artikelbild

    "Wir haben alle Angst, dass es im November wieder ein Riesenchaos gibt."

  • Artikelbild

    "Ich habe einige der neuen Animationsprogramme am Computer ausprobiert, bleibe aber lieber beim Zeichnen."

US-Starkarikaturist Chan Lowe stellte in Wien sein Werk vor und erklärt, warum Republikanerin Sarah Palin leicht und der FPÖ-Chef schwer zu zeichnen ist - Ein derStandard.at-Interview

Der gebürtige New Yorker Chan Lowe gehört einer bedrohten Art im US-Journalismus an. Als einer von nur mehr 80 "editorial cartoonists" zeichnet er seit 24 Jahren für das Blatt Sun-Sentinel in Südflorida politische Karikaturen. Auf Einladung der US-Botschaft hat der bekennende Obama-Fan in Wien eine Auswahl seiner Werke vorgestellt und erzählt im derStandard.at-Interview, warum Sarah Palin leichter zu zeichnen ist als HC Strache und warum er die umstrittenen Mohammed-Karikaturen für gar keine gute Idee hält.

***

derStandard.at: Während Sie auf dem Weg nach Österreich waren, hat der Republikaner John McCain die bis dahin weithin unbekannte Gouverneurin Sarah Palin als Vizepräsidentschaftskandidatin auserkoren. Werden Sie, sobald Sie wieder zuhause vor dem Schreibtisch sitzen, die Affäre um Palins schwangere Tochter aufs Korn nehmen?

Chan Lowe: Nicht direkt. Ich finde das auch nicht besonders interessant, viele Mütter haben schwangere Töchter. Mir geht es nicht um die Schwangerschaft, sondern darum, was die Republikaner nun daraus machen. Was ich vor allem spannend finde ist die Frage, was passieren würde, wäre Sarah Palin eine Demokratin und Obamas Running Mate. Die Republikaner würden sie ans Kreuz nageln und sagen, schaut sie an, sie ist ein typisches Beispiel für den mangelnden Familiensinn der Liberalen. 

derStandard.at: Haben Sie schon ein Bild von Sarah Palin im Kopf?

Chan Lowe: Ich habe das bisher noch nicht gemacht, es dürfte aber nicht schwer sein: winziges Gesicht, riesige Brille, großer Bienenstock am Kopf. Vielen Dank für diese Brille!

derStandard.at: Sie halten offizielle Porträtfotos der Spitzenkandidaten von Österreichs fünf größten Parteien in Händen. Bei welchem Teil des Quintetts bekommen Sie die größte Lust, zum Stift zu greifen?

Chan Lowe: Als Karikaturist wäre Jörg Haider für mich der einfachste, weil er so extreme Gesichtszüge und ein sehr kantiges Gesicht hat, die Augen sind einzigartig und seine Augenbrauen haben eine sehr ausgeprägte Form. Da ist es leicht, es noch ein wenig auf die Spitze zu treiben. Wäre ich ein österreichischer Karikaturist, würde ich hoffen, dass Herr Strache nicht gewinnt. Er sieht aus wie einer der Baldwin-Brüder, er sieht einfach zu gut aus. Da ist es schwer, zu übertreiben, wie es zum Beispiel bei Barack Obama geht, mit seinen großen Ohren wie aus dem Film "Shrek".

derStandard.at: A propos Obama. Das Magazin The New Yorker hat im Juli mit einem provokanten Cover für Debatten gesorgt, indem es den Demokraten in muslimischer Kleidung gezeichnet hat, flankiert von seiner Frau Michelle, die ein Sturmgewehr schultert, während im Hintergrund die US-Flagge im Ofen brennt. Auch Sie haben Obama schon als muslimischen Schlangenbeschwörer dargestellt, der die demokratische Partei betört. Ist Ihr Publikum intelligent genug für Ihren Sarkasmus?

Chan Lowe: Das ist keine Frage der Intelligenz oder der Bildung, manche Menschen verstehen Ironie, manche nicht. Es ist eher wie ein Gen, das manchen Leuten lockiges Haar verschafft, anderen eine besonders große Statur. Wenn man das Gen hat, versteht man Ironie, wenn nicht, dann eben nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich recht habe, aber dafür spricht, dass Menschen aus den verschiedensten Bildungs- und Einkommensschichten und Lebensumständen unterschiedliche Schlüsse aus diesem Cover gezogen haben.

derStandard.at: 2005 lösten die dänischen Mohammed-Karikaturen wütende Proteste in der islamischen Welt aus, der Zeichner erhielt mehrfach Morddrohungen. Wo liegt für Sie die Grenze des guten Geschmacks?

Chan Lowe: Das hat meine Grenze überschritten. Ich glaube nicht, dass darin eine Botschaft lag, die es wert war, eine Gruppe dermaßen zu beleidigen, die es nicht verdient, angegriffen zu werden. Wenn man Mohammed auf diese Art in einem Cartoon darstellt, greift man nicht nur eine kleine militante Splittergruppe an, sondern alle Menschen, die Mohammed als Propheten empfinden. Das ist nicht fair und schadet auch der Botschaft, die dargestellt werden soll. Niemand erinnert sich mehr daran, warum der dänische Zeichner seine Cartoons eigentlich gemacht hat, jeder denkt nur mehr daran, dass er so viele Menschen beleidigt hat. Vielleicht hätte ich mit zwanzig aber auch gesagt, hey, es war ein guter Cartoon, was soll's.

derStandard.at: Die Anschläge vom 11. September 2001 haben das Bild Amerikas in der Welt verändert. Haben Sie sich auch auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Chan Lowe: Es hat vor allem unsere naive Sicht auf die Sicherheit Amerikas verändert. Vor 9/11 dachten wir, es gäbe eine unsichtbare Wand, die alles Böse von uns fernhält. Interessant finde ich, wie George W. Bush damit umgegangen ist, er hätte die Angriffe ja auch zum Anlass nehmen können, sich der eigentlichen Gründe für den Hass auf Amerika zu widmen, stattdessen hat er ein paar Kriege begonnen. 9/11 hat aber auch meine Arbeit verändert, weil ich so wie meine Leser und die meisten Amerikaner die Welt und die Politik seither durch eine Linse der Bedrohung wahrnehme und auch darstelle.

derStandard.at: Es gibt nur mehr etwa 80 Karikaturisten in den USA, die bei Tageszeitungen angestellt sind. Gehören Sie also zu einer aussterbenden Spezies?

Chan Lowe: Ich glaube, dass sich mein Beruf gerade neu erfindet. Das Internet spielt dabei eine große Rolle, manche meiner Kollegen sind auf Animationsfilm umgestiegen, was ich nicht so spannend finde, weil ihm die Unmittelbarkeit eines Cartoons fehlt. Ich habe einige der neuen Animationsprogramme am Computer ausprobiert, bleibe aber lieber beim Zeichnen. Es gibt in den USA eine lange und ruhmreiche Tradition von Karikaturen, die bis zu Benjamin Franklin zurückreicht, der seine eigenen Cartoons gezeichnet hat. Ich bin stolz, Teil dieser Tradition zu sein und hoffe, dass sie noch lange weitergeht.

derStandard.at: Sie leben und arbeiten seit langer Zeit in Florida, 2000 Schauplatz der knappsten Wahlentscheidung der US-Geschichte. Könnte sich das im November wiederholen?

Chan Lowe: Niemand weiß, wie das Rennen in Florida ausgeht, alles hängt von der Wahlbeteiligung ab. Wenn Barack Obama es schafft, genügend neue Wähler dazu zu bringen, sich registrieren zu lassen, könnte sich der Stimmenmix ändern. Das Problem in Florida ist, dass wir die technischen Probleme der letzten Wahlen noch immer nicht gelöst haben. Im Moment verwenden wir einen optischen Scanner, auf der die Stimmen abgegeben werden, bis vor ein oder zwei Jahren gab es einen Touchscreen, der gar nicht funktioniert hat. Wir haben alle Angst, dass es im November wieder ein Riesenchaos gibt, wo niemand weiß, welche Stimmen gewertet werden und welche nicht.

derStandard.at: Wen würde sich der Karikaturist Chan Lowe im Weißen Haus wünschen?

Chan Lowe: Professionell betrachtet ist es mir egal, es ist gleich einfach Obama oder McCain zu zeichnen. Weder Obama noch McCain sind Heilige und wenn ich sehe, dass sie etwas machen, was meiner Meinung nach gegen die Interessen meines Landes verstößt, werde ich das zum Thema machen, da bin ich nicht parteiisch. Beide werden Fehler machen, es ist schließlich der schwierigste Job der Welt und kein Mensch schafft es, ihn ohne Fehler auszuüben. Wenn zum Beispiel Obama 30 Prozent seiner Arbeit gut macht und 70 Prozent falsch, findet sich da genug Stoff. Obwohl 30 Prozent schon ein großer Fortschritt zu dem wären, was bisher der Fall war. (Florian Niederndorfer, Martina Powell/ derStandard.at, 5.9.2008)

Ansichtssache: Faymann und Molterer in einer Minute

Links:

Galerie

Chan Lowes Blog

Sun-Sentinel

Zur Person: Chan Lowe wurde 1953 in New York geboren und zeichnet seit 1984 politische Cartoons für das Qualitätsblatt Sun-Sentinel in Ford Lauderdale, Florida. Der studierte Kunsthistoriker wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem National Press Foundation's Berryman Award im Jahr 2000. 1990 war Lowe einer der Finalisten für den Pulitzer Preis, seine Zeichnungen erschienen bisher außerdem unter anderem in Newsweek, The New York Times und USA Today.

druckenweitersagen:
posten
»Posting 1 bis 25 von 49
1 2
Nero.
08.09.2008 21:04
Der Mann ist auch ein begabter Schauspieler: http://tinyurl.com/6lw7he

Sheriff Jack Mauer
08.09.2008 18:29
Frage (nur) an die Frauen im Forum!

Rot für:"Ich finde den Strache sehr hübsch und geil"

Grün für:"Nein,der Strache ist nicht mein Typ"

epep
10.09.2008 07:23
und wie koennen sie nachpruefen ...

... das nicht wer geschummelt hat?

gar nicht! unsinnige frage, unsinniges posting, das rot betrifft diesen duemmlichen posting.

AustriaandBosnia  
09.09.2008 04:22
vdf

hehe, ich als eine männliche Person hab rot abgestimmt ;D

Ava Tar
09.09.2008 02:10
Also auf ein bissl Lecken würd ich ihn einladen (halt hinten)

aber alles weitere soll er sich ins Knie machen ;o)

Nitram1988 
09.09.2008 01:05
Ich dann nur sagen das es mir jedes mal den Magen umdreht wenn ich Strahe sehe.

Das kann ich auch als Mann berurteilen.

M. P.1
09.09.2008 02:13

Mir auch.

Ich mag schon gar nicht mehr aus dem Haus gehen, weil ich bei jedem Strache-Plakat Magenkrämpfe krieg.

Nashwin_Fuller 
08.09.2008 20:54
Ein Stricherl war jetzt aber vom Jörgl.

schoenling128
09.09.2008 15:01
da stellt sich die frage:

Grünes oder rotes Stricherl...

golem schmolem
08.09.2008 20:16
sexist!

warum nur frauen? gerade in strache kreisen finden männer auch (richtige) männer hübsch ;-)

bussi

Arnika
08.09.2008 17:33
da sieht er aber gar nicht gut aus:



http://www.hc-strache.at *lol*


Bussi,
Eure Arnika

Simplicius Simplicissimus
08.09.2008 16:15
epep
10.09.2008 07:25
naja ...

... eine titanic war raketa noch nie ...

Flat Decider™
12.09.2008 02:54
da haben sie wohl rect

aber im gegensatz zur titanic (bin abonnent) ist die raketa halt auf einsendungen der leserschaft angewiesen ....

Nashwin_Fuller 
08.09.2008 15:46
Muss das sein?


Kann man denn nicht einmal die US-Wahlkampf Berichterstattung im Standard aufrufen ohne selbst da als erstes auf diesen unsäglichen österreichischen Zahntechniker zu stoßen?

sensus communis
08.09.2008 16:43
Ihre Intoleranz war im 1000 jährigen Mode - lassen Sie sich das gesagt sein!

Vorurteile gut.

Haben Sie keine Begründung parat, also nur geplapper, dann sollten Sie Ihre Meinung weniger abfällig bringen.

Kein Zahntechniker schämt sich für seinen Job, warum tun Sie das für andere?

Wollen Sie Beifall heischen? Wie sehr stehen Sie in Not?

Nashwin_Fuller 
08.09.2008 20:11
Soll ihr Posting Kabarett sein? Lassen Sie sich das gefragt sein!


Was bitteschön soll ich gegen Zahntechniker haben?

Und warum soll Intoleranz gegenüber Zahntechniker eine 1000 jährige Mode sein?

In welcher Not stehen Sie denn?

Und zu guter Letzt: Was hat der nationale sozialistische Strache in der Berichterstattung über den US-Wahlkampf verloren?

habe angst vor ÖVP 
08.09.2008 15:04
hc strache kann gar nicht

soviel schaden anrichten, wie schüssel und molterer bereits angerichtet haben

Mark Syl 
08.09.2008 14:12
hm

immer wieder der gleiche unüberlegte irrtum. alles darf man karikieren, aber keinesfalls eine religion, die ist bekanntlich immun. wann wachen die menschen endlich auf...

Quintus Beckloeffel 
08.09.2008 20:40

Noch bedenklicher scheint mir der Umstand, dass die Legitimität von (humoristischer oder anderer) Religionskritik offenbar davon abhängig gemacht wird, wieviele Anhänger die jeweilige Religion hat (die dann beleidigt sein könnten).

Lala4
08.09.2008 19:38

Artikel lesen:
Zitat: "Das ist nicht fair und schadet auch der Botschaft, die dargestellt werden soll. Niemand erinnert sich mehr daran, warum der dänische Zeichner seine Cartoons eigentlich gemacht hat, jeder denkt nur mehr daran, dass er so viele Menschen beleidigt hat."

Ich kann nirgends erkennen, dass Lowe sich gegen religiöse Karikaturen per se ausspricht. Wo haben Sie das gelesen?
In dem Artikel steht nur, dass der Zeichner übers Ziel hinausgeschossen sei und deswegen der Inhalt nicht rüberkommt (was ich persönlich zwar für Blödsinn halte, aber so sagt er es).

Mark Syl 
09.09.2008 13:06
hm

wie auch immer.religionskritik wird stets als beleidigend eingestuft, welcher form sie immer auch ist. man müsse vor religionen respekt haben. diese aussage hat sich in den hirnen aller gläubiger (von sekten hart bis sekte light) eingefräst. kritik am eigentlichen glauben ist nicht erlaubt, so irrtümlich er sich auch herausgestellt hat. kein mensch muss respekt vor irrglauben haben. sagenhaft, wie wichtig sich religiöse menschen nehmen, sie gehen ja sogar soweit, sich einzeln persönlich als so relevant zu bezeichnen, dass sie sogar bestraft werden können, wenn sie moralisch falsch handeln. dieser egozentrische irrtum ist wahnwitzig

hawkwind -
08.09.2008 13:32
Pilze

Genau genommen sieht auch ein Fliegen- oder Atompilz gut aus.

habe angst vor ÖVP 
08.09.2008 13:11
molterer sieht aus wie der teufel

zugegeben, das ist er auch (s.bild)

Punkcow 
08.09.2008 12:45
Man könnte sich damit behelfen, statt Strache ein frisch lackiertes Schaukelpferd zu zeichnen...

posten
»Posting 1 bis 25 von 49

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.