Der Dingsda vom Dingsda: ein Triumph der Qualität

5. September 2008, 18:06
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Ein sensationeller Saisonstart an der Wiener Volksoper: Eduard Künnekes Operette "Der Vetter aus Dingsda" wurde musikalisch und szenisch zum bejubelten Ereignis

Wien - Dass Eduard Künnekes Vetter aus Dingsda die am besten geglückte Volksopernpremiere sein würde, die man seit langem zu sehen und zu hören bekommen hat, hätte wohl kaum jemand erwartet. Weder, was dieses Kammeroperettchen betrifft, noch seitens der Interpreten zeichnete sich ein Superlativ ab, zu dem diese Produktion letztlich durch das brillante Zusammenspiel von Szene und Musik dann doch wurde.

An erster Stelle ist da Alexander Drèar zu nennen, der als Premierendirigent an der Volksoper debütierte und der sich, so Direktor Robert Meyer noch keinen Musikchef hat, als solcher bestens empfohlen hat. Drèar hat durch seine hoffmanneske Gebärdensprache die seltene Gabe (die vielen Dirigenten mit klingenden Namen abgeht), die gespielten Töne zu substanzieller Feinstofflichkeit zu verdichten. Es scheint, als würde er Orchestermusiker, Ensemble und auch das szenische Geschehen mit unentrinnbarer, beinah dämonischer Suggestivkraft emotional vernetzen. Er erreicht damit eine unglaublich reiche Skala dynamischer und rhythmischer Schattierungen, die manche Ensembleszenen beinahe auf Rossini-Höhen führen.

Viele hübsche Einzelteile

Das kann allerdings nur realisiert werden, wenn die Bühne qualitativ in der Lage ist, mit der Musik auf äußerst sensible Weise zu korrelieren. Olivier Tambosi als Regisseur, Friedrich Despalmes als Bühnenbildner und Kostümbildnerin Bettina Richter ergeben ein ideales Trio, das alle Spuren von eventuell in diesem Stück feststellbarer Sentimentalität konsequent durch Slapstick ersetzt, der bis ans Kabarettistische grenzt. Durch Gregor Hatalas Choreografie wirkt die ganze Aufführung beinah wie ein musikdiktiertes Ballett, in dem die Handlung dann eigentlich fast schon nebensächlich ist. Und leider auch der Text. Wenn alle so deutlich sprechen könnten, wie Carlo Hartmann als grotesk-sympathischer, gefräßiger Onkel rülpsen kann, würde die Produktion an Qualität freilich noch erheblich zulegen.

So bleibt die Geschichte von Julia, die sieben Jahre hindurch von ihrem nach Batavia ausgewanderten Cousin Robert schwärmt und an seine Treue glaubt, durch die mit Eifer eingesetzte Drehbühne in viele hübsche Einzelszenen unterteilt.

In diesen hat das Ensemble reichlich Gelegenheit, sein ausgeglichenes Niveau zu beweisen. Rebecca Nelsen gelang es, dieses als Debütantin auf Anhieb zu steigern. Als Julia bringt sie vieles mit, was eine Operettendiva ausmachen würde: eine blendende Erscheinung, sicheres Auftreten, Humor und Mut zur Selbstironie und eine schöne Stimme, die bei Bedarf über erhebliche Strahlkraft verfügt.

Ihr Partner, Daniel Prohaska, ebenfalls neu an der Volksoper, ist kein Unbekannter mehr, hat schon erheblich mehr Routine und weiß sich auch stimmlich wirksam in Szene zu setzen.

Mit Johanna Arrouas und Boris Pfeifer, ebenfalls Debütant an der Volksoper, steht den beiden ein eindrucksvolles Buffopaar gegenüber: in dem mit Gartenzwergen, einem hübschen Häuschen, einem großem Mond, einem Himmelbett und einer Badewanne bestückten bunten Künneke-Universum machen die beiden beste Figur, ebenso wie Isabel Weicken als komische Tante und Daniel Johannsen als komischer Schwerenöter. (Peter Vujica, DER STANDARD/printausgabe, 06.09.2008)

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