Ehre, Freundschaft, Freunderlwirtschaft

5. September 2008, 17:31
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Im Cartell-Verband werden lebenslange Bruderschaften geschlossen, gegen die selbst Parteifreunde keine Chance haben

Neben diesen – durch die Bank schwarzen – Karrierenetzwerken sind Rotarier wie Waisenkinder.

Wien – Gemessen an der ewigen Treue, die der Cartell-Verband seinen Alten Herren, Füchsen und Band-Philistern abverlangt, ist die Austro-Danubia mit ihrem Gründungsjahr 1966 sozusagen ein Teenager unter den katholischen Hochschulverbindungen. Die segensreiche Wirkungsweise der in Wien-Währing domizilierten "Bude" freilich entfaltete sich getreu ihrem Wahlspruch: Factum est vita, die Tat ist das Leben.

Und getan haben die Oberösterreicher mehr, als ihren farbentragenden Männerbund zeitgleich mit der Johannes-Kepler-Universität am 7. Oktober 1966 (im Festsaal des Kaufmännischen Vereinshauses in Linz) aus der Taufe zu heben.

Pühringer ist nur Ehrenmitglied

Was sich vor 40 Jahren feuchtfröhlich unter blau-weiß-rotem Banner zusammenfand, hat im Land ob der Enns mittlerweile mehr Einfluss, als so manchem Oberösterreicher lieb ist. Ohne diese Verbindungen hätte sich etwa Landeshauptmann Josef Pühringer kein Dienstleistungszentrum leisten können, und die Voest hätte 2003 keinen patriotischen Kernaktionär bekommen, sondern wäre vielleicht ein Weltkonzern geworden.

Dass das so ist, liegt nicht so sehr an Pühringer (er ist nur Ehrenmitglied in der Austro-Danubia), sondern am monetären Landeschef Oberösterreichs, Raiffeisen-Chef Ludwig "Luigi Moneti" Scharinger. Der sammelte eine eingeschworene Truppe um sich, die man in Wien despektierlich als "oberösterreichische Mafia" bezeichnet: Ihr entstammt Wirtschaftskammer-General Reinhold Mitterlehner ebenso wie Noch-Nationalratsabgeordneter Helmut Kukacka, Leo Windtner und Franz Kepplinger (beide Energie AG Oberösterreich), Rechtsanwalt Rudolf Fries (einst Böhler-Großaktionär) – und natürlich Rechtsanwalt Eduard Saxinger. Letzterer gilt als Vertrauter von Wilhelm Molterer (auch ein Oberösterreicher), ihn entsandte der Noch-Vizekanzler in die Aufsichtsräte von Asfinag und ÖBB.

Schwarze Sonne

Nicht per bündlerischem Treueeid verbunden, aber doch eng genug, umkreisen diese schwarze Sonne einflussreiche Trabanten: Rechtsanwalt Gerhard Wildmoser, Börse-Vorstand Heinrich Schaller, Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl – und Schotterbaron Hans Asamer. Der hat im Aufsichtsrat seiner Asamer Holding praktischerweise alle vereint: Wildmoser, Leitl, Scharinger und Oskar Berger (Lkw-Augustin).

Nicht weniger bodenständig als die Alten Herren der Austro-Danubia, aber näher an den Schalthebeln der Bundeshauptstadt ist das Netzwerk der Rheto-Danubia. Dabei sollten deren Ehrenmitglieder Treue- und Stärkeschwüre nicht einmal ehrenhalber nötig haben, sind sie doch ohnehin unter dem Giebelkreuz vereint: Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, RZB-Chef Walter Rothensteiner, Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic – und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll. Soviel Prominenz braucht natürlich eine Eminenz: Eine Ehrensache für Christoph Kardinal Schönborn ebenso wie Ex-Verfassungsrichter Karl Korinek und Ex-Wettbewerbshüter Walter Barfuß.

Heiße Drähte

Dagegen nimmt sich die ehrwürdige Bajuvaria wie eine Art Laientruppe aus, die ihre goldenen Zeiten wohl hinter sich hat: Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus schaffte es nie ins Kanzleramt (baute mithilfe der Bawag aber eine Industriegruppe auf), Gerhard Weis wurde von Schwarz-Blau als ORF-General und Helmut Falschlehner von der Spitze der ÖBB-Schuldenholding Schig verscheucht, während Böhler-Chef Claus J. Raidl seine Verstaatlichtenkarriere wohl im entstaatlichten Voest-Vorstand abschließt, aber keinen Bundeskanzler mehr wirtschaftlich beraten darf.
Mit Philipp Schulmeister verfügen die Bajuvaren aber über einen guten Draht nach Brüssel (zu Europaparlamentarier Othmar Karas) und in den Nationalrat, wo Bundesbruder Michael Spindelegger als zweiter Nationalratspräsident wirkt.

So gut wie geerdet ist mittlerweile übrigens auch das einst mehr als einflussreiche Netzwerk der Norica: Ex-Verbund-Chef Hans Haider und Ex-Siemens-Österreich-General Albert Hochleitner sind in Pension, ihr Schützling Herbert Götz hat es immerhin in den Post-Vorstand geschafft.

Deutlich weniger bodenständig und verbindlich sind die Klubs der Rotarier. Allein die Orte ihrer Zusammenkünfte – durch die Bank Nobelhotels – haben mit dem rustikalen, fast erdigen Ambiente der Cartell-Brüder nichts gemein. Das Dabeisein in dem auf humanitäre und soziale Zwecke ausgerichteten, weltweiten Spendennetzwerk kann man sich freilich nicht ertrinken, sondern nur auf Empfehlung zweier Mitglieder erwirken. Und die muss man sich in der Regel erarbeiten, denn die Rotarier prüfen sehr kritisch, wer ihren Maßstäben entspricht.

Auch Frauen dürfen hinein

Das erklärt die Inhomogenität ihrer Mitglieder, allfällige parteipolitische Schlagseiten schafft der Zufall – und auch Frauen dürfen hinein. So kommt es zu interessanten Konstellationen in zwanglosem Rahmen: Mittwochs um 13 Uhr etwa tauscht sich der Rotary Club Wien-Stephansplatz aus, freilich nicht beim Dom, sondern beim Demel auf dem Kohlmarkt. Personalberater Philipp Harmer (Egon Zehnder International) kann da Verkehrsminister Werner Faymann und seinen Kabinettchef Josef Ostermayer ebenso antreffen wie Verlegerin Eva Dichand (Gratiszeitung Heute), Uniqa-Vorstandsmitglied Peter Eichler, Rechtsanwalt Gerald Ganzger (Lansky, Ganzger & Partner), Interio-Chefin Janet Kath oder Nationalbibliotheks-Chefin Johanna Rachinger.

Bunt gemischt ist auch die Society der Rotarier Wien-Hofburg, die sich donnerstags im Wiener Hotel de France einfindet: Raiffeisen-Generalsekretär Ferry Maier, Telekom-General Boris Nemsic, Peter Koren (Industriellenvereinigung), Christoph Stadlhuber (Bundesimmobilien), Claus J. Raidl (Böhler), Karl Sevelda (RZB), Andreas Treichl (Erste Bank) oder Matthias Winkler, einst Kabinettchef von Finanzminister Karl-Heinz Grasser – um nur einige prominente Namen zu nennen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.9.2008)

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