Palästinensische Sender verschiebt Seifenoper "Matabb"

5. September 2008, 16:07
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Ausstrahlung "anstößiger Szenen" soll vermieden werden - Einige Szenen sollen geändert werden

Der offizielle palästinensische Fernsehsender PBC hat die Ausstrahlung der vom deutschen Goethe-Institut mitproduzierten Seifenoper "Matabb" (deutsch: Straßenschwelle) abgesetzt und auf unbestimmte Zeit verschoben. "Das ist keine Zensur, sondern der Versuch sicherzustellen, dass keine Szenen, die für die eine oder andere Seite anstößig sein könnten, von einem offiziellen Fernsehsender ausgestrahlt werden", sagte PBC-Programmdirektor Yehya Barakat am Freitag in Ramallah. Ein Komitee habe die zehn Folgen der Serie angesehen und beschlossen, dass einige Szenen geändert werden müssten.

Nach Angaben von PBC-Mitarbeitern, die namentlich nicht genannt werden wollten, riefen insbesondere zwei Szenen Kritik hervor. In der einen Szene überreicht ein Palästinenser an einem Kontrollpunkt israelischen Soldaten Blumen. In einer anderen Szene träumt ein Palästinenser von einem Selbstmordattentat. Darüber hinaus könnten vom offiziellen palästinensischen Fernsehen keine Szenen ausgestrahlt werden, in denen die israelische Besatzung "menschlich" erscheine, heißt es.

"Zu liberal"

Zuvor hatte der Produzent von "Matabb", Farid Majari, gesagt, dass die Soap völlig überraschend und ohne Angaben von Gründen abgesetzt worden sei. Aus Produktionskreisen hieß es, die Serie sei aus politischen Gründen nicht ausgestrahlt worden, weil sie Entscheidungsträgern im "staatlichen" palästinensischen Fernsehen zu liberal gewesen sei.

Die erste palästinensische Soap ist zwar nicht mehr per Satellitenfernsehen in allen arabischen Ländern zu sehen, kann aber im Westjordanland mit einer terrestrischen Antenne auf Maan TV empfangen oder aus dem Internet geladen werden.

"Matabb" orientiert sich an der deutschen Erfolgsserie "Lindenstraße". Auch in der Soap aus Ramallah geht es um Herz, Schmerz, Liebe, Krise, Job und Karriere. Außerdem greift sie spezielle palästinensische Themen auf wie die Bevormundung von Frauen durch männliche Verwandte, häusliche Gewalt, Konflikte zwischen der Elite in der Stadt und der Landbevölkerung sowie die Folgen der israelischen Besatzung auf.

Produzent Majari sagte vor der Ausstrahlung, die Soap habe einige der brennenden Fragen ansprechen wollen, die manchmal unter den Teppich gekehrt würden. Er sei dabei bis an die Grenze gegangen, habe sie aber nicht überschreiten wollen.

Die zehn Folgen der Seifenoper sollten eigentlich ab Beginn des Fastenmonats Ramadan am vergangenen Montag ausgestrahlt werden. Zur geplanten Sendezeit habe PBC dann überraschend eine andere Serie gezeigt. (APA/dpa)

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