Kortisol und Fettleber: Wie es zur "Entgleisung" kommt

5. September 2008, 14:29
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Forscher entdeckten zentralen Mechanismus für viele krankhafte Stoffwechselstörungen

Heidelberg - Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg konnten jetzt klären, wie der Rezeptor für das Hormon Kortisol den Fettstoffwechsel in der Leber entgleisen lassen kann. Er schaltet offenbar Mechanismen ab, die zum Abbau von Fetten führen.

Fettleber

Im gesunden Körper werden Fette in der Form sogenannter Triglyceride in spezialisiertem Fettgewebe als Energiereserve gespeichert. Unter bestimmten Umständen gerät der fein ausbalancierte Fettstoffwechsel außer Kontrolle, es lagern sich Fette in der Leber ab, so dass die gefürchtete Fettleber entsteht. Damit steigt das Risiko für viele Stoffwechselerkrankungen, etwa für das als "tödliches Quartett" bezeichnete Metabolische Syndrom: Diese Kombination aus Fettleber, Fettleibigkeit, Diabetes und Bluthochdruck gilt als der wichtigste Auslöser für lebensbedrohliche Gefäßverschlusskrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Hintergrund

Welche Bedingungen dazu führen, dass der Körper die Fette in der Leber deponiert, war bisher nicht bekannt. Jedoch wussten die Forscher, dass körpereigene Glukokortikoid-Hormone - wie das Kortisol - die Entstehung der Fettleber fördern. Dies lässt sich zum Beispiel beim Cushing-Syndrom beobachten: Patienten mit diesem Krankheitsbild haben - oftmals bedingt durch bösartige Tumoren - einen dauerhaft erhöhten Kortisolspiegel. Sie leiden daraufhin unter hohem Blutzucker und entwickeln meist eine Fettleber. Stephan Herzig vom DKFZ veröffentlichte nun mit seinem Team in "Cell Metabolism" Studienergebnisse, wie körpereigene Glukokortikoid-Hormone zu dieser Entgleisung des Fettstoffwechsels beitragen.

Die Wissenschafter schalteten bei Mäusen gezielt in der Leber den Rezeptor für Kortisol aus und blockierten so die Wirkung des Hormons. Als Folge sank der Triglycerid-Spiegel in der Leber der Versuchstiere deutlich ab. Untersuchungen brachten zutage, dass in Abwesenheit des Kortisol-Rezeptors in der Leber dieser Tiere große Mengen des Proteins HES1 gebildet werden, welches eine Reihe fettabbauender Enzyme aktiviert und so der Fetteinlagerung in der Leber entgegen wirkt. Werden im Gegenzug normale Mäuse mit Cortisol behandelt, sinkt ihr HES1-Spiegel in der Leber, der Triglycerid-Spiegel dagegen steigt. Weitere Experimente zeigten, dass der Kortisol-Rezeptor in diesem neu entdeckten Stoffwechselweg direkt auf ein Schaltelement des HES1-Gens wirkt und es dadurch komplett abschaltet.

"Zentraler Mechanismus"

"Wir haben hier einen zentralen Mechanismus entdeckt, der im Mittelpunkt vieler krankhafter Stoffwechselstörungen steht" erklärte Herzig. "Dass zwischen körpereigenem Kortisol oder auch therapeutisch eingesetztem Kortison und der Entstehung einer Fettleber ein Zusammenhang besteht, war lange schon offensichtlich. Jetzt wissen wir auch, wie die Zusammenhänge auf molekularer Ebene aussehen." (APA)

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