Rundhaken rettet Meeresschildkröten

5. September 2008, 13:30
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Test: Neue Technik senkt Beifang um fast 90 Prozent - hängt doch eine Schildkröte am Haken, kann sie zumeist noch gerettet werden

Wien - Ein neuer Rundhaken verhindert den qualvollen Tod von Meeresschildkröten in der Fischerei, hat ein neuer WWF-Report ergeben. Jedes Jahr verenden schätzungsweise 250.000 der vom Aussterben bedrohten Tiere qualvoll an herkömmlichen Haken oder in Fischernetzen. Mit dem neuen Rundhaken könne dieser so genannte Beifang um bis zu 90 Prozent gesenkt werden, berichtet die Umweltschutzorganisation in einer Aussendung. Der Beifang gilt als die größte Bedrohung für das Überleben der Unechten Karettschildkröte und der Lederschildkröte.

Test von Fischern

Vier Jahre lang haben der WWF und knapp 1.300 Fischer den neuen Rundhaken (Circle-Hook) in einem einzigartigen Modellprojekt zwischen Peru und Mexiko getestet. Bei der traditionellen Fischerei auf Tunfisch und Goldmakrele im Ostpazifik werden Langleinen mit tausenden Haken verwendet. Während des Tests wurden die klassischen, J-förmigen Haken durch die Rundhaken ersetzt.

"Wir waren von vornherein von diesen neuen Haken überzeugt, aber die Ergebnisse haben uns dann doch verblüfft. Und wenn doch eine Schildkröte am Haken hängt, können die Fischer 95 Prozent der Tiere retten. Obendrein fangen die Fischer auch noch mehr Fisch. Damit profitieren alle von der neuen Technik", erläuterte WWF-Fischereiexperte Georg Scattolin.

Forderung

"Die Rundhaken müssen weltweit zur Pflicht werden", forderte Scattolin. So würden in der industriellen Fischerei an bis zu 100 Kilometer langen Leinen noch immer zehntausende herkömmliche Haken eingesetzt. "Da werden die Fischkutter zu schwimmenden Folterkammern." In den USA ist der neue Rundhaken in der kommerziellen Langleinen-Fischerei bereits Pflicht.

Der WWF fordert auch die europäischen Länder auf, entschiedener gegen den Beifang vorzugehen, denn auch hier ist der ungewollte Fang von Fischen und anderen Meereslebewesen ein großes Problem. Die EU-Kommission will in diesem Herbst einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Fischer verpflichten wird, Beifänge erheblich zu reduzieren. Schätzungen zufolge werden jedes Jahr weltweit 30 Millionen Tonnen Fisch und Meerestiere unabsichtlich gefangen und anschließend weggeworfen. "Diese skandalöse Verschwendung muss aufhören", so WWF-Experte Scattolin.

Initiative für die Meeresvielfalt

Die innovativen Rundhaken wurden im Rahmen des weltweiten, vom WWF initiierten Wettbewerbs "Smart Gear" ("kluge Netze") entwickelt. Ziel der Initiative ist es, gemeinsam mit der Fischereiindustrie Fangmethoden zu etablieren, die den Beifang reduzieren und so zur Rettung der Vielfalt unserer Meere beitragen sollen. (red)

Link
WWF

  • WWF-Bericht: Der neue Rundhaken hat sich im Test bewährt.
    foto: wwf

    WWF-Bericht: Der neue Rundhaken hat sich im Test bewährt.

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