Eiserner Vorhang der Staatsoper im Spinnweben-Look

5. September 2008, 13:00
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Rosemarie Trockel vergrößerte verwendetes Foto auf mehr als das 300-Fache - "Es hat etwas von einem Kosmos"

Wien - Die deutsche Künstlerin Rosemarie Trockel (55) gestaltete den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper für die Saison 2008/09. Sie sorgt dafür, dass das Publikum in den kommenden Monaten selbst vor den zeitgenössischsten Interpretationen mit der Anmutung von Spinnweben konfrontiert wird: Ein "Keller" betiteltes, 1988 entstandenes schwarzes Wollbild mit einem darüber gelegten Gewebe zarter, weißer Kunststoff-Fäden wurde für die 176 Quadratmeter große Fläche fotografisch mehr als 300-fach vergrößert.

"Es war für mich ein Experiment", sagte Trockel bei der Präsentation des Bildes, "Ich habe viele Entwürfe gemacht, mich aber letztlich dazu entschieden." Das etwa 60 mal 80 Zentimeter kleine, häuslich und intim wirkende Original habe durch die Vergrößerung und die andere Materialität eine gänzlich andere Wirkung bekommen. Ursprünglich angeregt durch die Erinnerung an ein geheimnisvolles Haus ihrer Kindheit, das mit Spinnweben versponnen gewesen war, sei ihre Arbeit nun "zu einem mehr abstrakten Bild" geworden: "Es hat etwas von einem Kosmos."

Ebenso wie ein Sternspur-Bild aus dem Weltall lässt sich darin aber auch eine schwarze Schultafel mit Kreidespuren oder eine versteckte Anspielung auf einen verstaubten Opernbetrieb entdecken ("Es ist Rosemarie Trockels erste Erfahrung mit der Oper", betonte Jury-Vertreter Hans Ulrich Obrist). Brigid Doherty, die einen interpretierenden Text zu dem Bild verfasst hat, stellt dagegen Bezüge zu Rainer Maria Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" her, in denen der Erzähler dunkle Kleiderschränke voller Kostüme und Masken durchstöbert. 2008/09 wird der 16 Tonnen schwere Eiserne Vorhang der Wiener Staatsoper in Zusammenarbeit mit "museum in progress" bereits zum elften Mal künstlerisch bespielt. (APA)

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    Vorhang-Gestalterin Rosemarie Trockel: "Ich habe viele Entwürfe gemacht, mich aber letztlich dazu entschieden."

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