Rektoren schnüren "Zukunftspakt für Unis"

5. September 2008, 11:47
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Österreichs Hochschul-Chefs haben Forderungen in Offenem Brief an Spitzenkandidaten vorgelegt: Studiengebühren sollen bleiben, Unis brauchen mehr Geld

Wien - In einem Offenen Brief an die Spitzenkandidaten der Parteien hat sich die Universitätenkonferenz (uniko) einmal mehr gegen die Abschaffung der Studiengebühren und für eine Erhöhung des Uni-Budgets ausgesprochen. Die Rektoren der österreichischen Universitäten präsentierten ein "Zukunftspakt für die Universitäten" mit Forderungen für das nächste Regierungsprogramm. Der Wissenschaftsrat hat sich in einer Aussendung ebenfalls gegen die Abschaffung der Studiengebühren ausgesprochen.

Gegen Studiengebührenabschaffung

Die Rektoren verwiesen auf die "dramatische" Unterfinanzierung der österreichischen Unis im internationalen Vergleich. Das derzeitige Hochschulbudget umfasse "lediglich" rund 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die uniko fordert die Erhöhung der Gesamtausgaben für den tertiären Bildungssektor auf zwei Prozent des (BIP) bis 2020, wie sie der Nationalrat im November 2007 beschlossen hat.

"Das Zwei-Prozent-Ziel ist unabdingbar für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Österreich. Realistisch kann es nur erreicht werden, wenn spätestens im Jahr 2010 mit einer entsprechenden jährlichen Erhöhung des Budgets für die Universitäten begonnen wird", heißt es in dem Offenen Brief. Für das Jahr 2010 bedeute das einen Mehrbetrag von ungefähr 400 Mio. Euro. Nur wenn die Unterfinanzierung behoben werde, könnten die Universitäten laut uniko "den Studierenden adäquate Studienplätze und den Wissenschaftern langfristig attraktive Arbeitsbedingungen bieten".

Erhöhung der Stipendien

Eine Abschaffung der Studienbeiträge, "deren finanzieller Ausgleich nur auf einer Empfehlung für künftige Bundesfinanzgesetze beruht", wird von der uniko abgelehnt. Bei Abschaffung sei der Ausfall der Beiträge in der derzeitigen Höhe von rund 150 Mio. Euro den Unis "eins zu eins aus dem Bundeshaushalt" zu ersetzen, "und zwar zusätzlich zu der erforderlichen Steigerung des Globalbudgets". Bei einer Steigerung der Studierendenzahlen müsse auch das Ersatzbudget für die jeweilige Universität entsprechend steigen. Sollten die Studiengebühren "ohne gesetzlich sofort fixierten Ausgleich" abgeschafft werden, warnen die Rektoren vor "massiven Einschnitten" im Leistungsangebot der Unis, z.B. einer Reduktion des Lehrangebots und Einstellungsstopps.

Weiters tritt die uniko für eine Erhöhung der Stipendien ein. Zudem müsse der ausverhandelte Kollektivvertrag zur nachhaltigen Sicherung von Forschung und Lehre vollständig finanziert und die Autonomie der Unis beibehalten werden.

Für den Österreichischen Wissenschaftsrat ist bei den Studiengebühren ("eine europäische Normalität") entscheidend, dass sie durch ein "leistungsfähiges Stipendiensystem" begleitet werden. Auf ein solches System solle sich die Wissenschaftspolitik Österreichs konzentrieren. "Schon jetzt zahlt ein Drittel der Studierenden keine Gebühren; deren generelle Abschaffung käme somit nicht den finanziell Schwachen, sondern gerade den Wohlhabenden zugute", heißt es in der Aussendung des Beratungsgremiums am Donnerstag.

Tertiärer Bildungssektor

Sollte dennoch ein Wegfall der Studiengebühren ernsthaft erwogen werden, müsste laut Wissenschaftsrat von vornherein sichergestellt sein, dass den Universitäten die finanziellen Verluste in voller Höhe ersetzt werden. "Das käme für den Staat teuer, zumal dieser den Universitäten auch noch einen versprochenen jährlichen Zuwachs von zirka 600 Millionen schuldet", um mittelfristig das beschlossene Zwei-Prozent-Ziel bei den Gesamtausgaben für den tertiären Bildungssektor zu erreichen. (APA)

 

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    Die Einnahmen aus den Studiengebühren wollen sich die Uni-Rektoren keinesfalls entgehen lassen.

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