Fast zwei Milliarden Euro verspielt

5. September 2008, 11:32
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Die Österreicher "investierten" im Vorjahr rund zehn Prozent mehr in das Glücksspiel, Internetwetten boomen

Wien - Sportwetten und Glücksspiele lassen es in den Kassen der Anbieter kräftig klingeln: Die Nettoumsätze der Anbieter (Spieleinsätze abzüglich der Ausschüttung) sind im Vorjahr um mehr als 10 Prozent auf knapp 2 Mrd. Euro gewachsen, so das Ergebnis einer aktuellen Erhebung des Marktforschungsinstituts "Kreutzer Fischer & Partner" (KFP). Dieser Betrag sei mit den verspielten Einsätzen der Österreicher gleichzusetzen.

Die Spieleinsätze machten hierzulande im Vorjahr 15,4 Mrd. Euro aus (+ 12,4 Prozent). Für heuer und das kommende Jahr werden weitere Zuwächse erwartet. Ursachen dafür seien die steigende Internet-Pentration und eine eventuelle teilweise Liberalisierung des Glücksspielsektors. "Die aufkommende Konkurrenz vor allem im Online-Bereich zwingt die Anbieter dazu, ihre Ausschüttungsquoten zu erhöhen, was zusätzliche Nachfrage generiert", sagte KFP-Geschäftsführer Andreas Kreutzer.

Die Wachstumskurve werde künftig allerdings nicht mehr so stark steigen wie bisher. Die bereits hohe Internet-Verbreitung führe nach dem heurigen Jahr, wo mit Zuwächsen von 13 Prozent gerechnet wird, zu einer leichten Abflachung. Für 2009 soll der Markt um 7,8 Prozent wachsen, so die Prognose.

Internet boomt

Die Wetten werden immer häufiger im Internet abgeschlossen. Der liberalisierte Sportwettenmarkt sei dabei das dynamischste Geschäftsfeld. Im Vorjahr wurden hier Spieleinsätze von knapp 4,2 Mrd. Euro getätigt. Zwischen 2004 und 2007 seien die durchschnittlichen Zuwachsraten bei Online-Wetten bei 50 Prozent pro Jahr gelegen. Im selben Zeitraum konnten "landbasierte Wettanbieter" ihre Einsätze knapp verdoppeln.

Sehr gut entwickelt habe sich auch das "Online-Gaming". 2007 wurden in diesem Bereich Spieleinsätze von 1,5 Mrd. Euro verzeichnet. Dabei entfallen nur mehr etwas mehr als die Hälfte auf win2day, den einzig lizenzierten Anbieter. Der Rest floss zu illegalen ausländischen Anbietern ab, deren Zuwachsraten in den vergangenen drei Jahren deutlich über jenen der Plattform der Österreichischen Lotterien gelegen seien, so KFP.

Am Glücksspielmarkt gibt es aber nicht nur Gewinner. Die Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien kommen laut KFP "massiv unter Druck". Die Zuwachsraten bei Spielbanken und Lotteriespielen, die in Trafiken angeboten werden, liegen "seit Jahren" hinter jenen des Gesamtmarktes. Auch der Anteil an den gesamten Spieleinsätzen schrumpfe stark.

So wurden im Vorjahr 30,8 Prozent der Spieleinsätze in den Casinos getätigt, 2004 waren es noch 50 Prozent. Bei den Lotterie-Glücksspielen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: 2007 trugen sie lediglich 6,6 Prozent zum Gesamtmarkt bei, drei Jahre zuvor waren es noch 10,8 Prozent. (APA)

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    Sportwetten und Glücksspiele lassen es in den Kassen der Anbieter kräftig klingeln.

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