USA erstmals in Castros Kuba

5. September 2008, 11:54
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Nach 60 Jahren Pause wieder ein Antreten - Kommunistische Revolution 1962 änderte alles - Kuba seit 1938 nicht mehr für eine WM qualifiziert

Havanna - Das US-amerikanische Fußball-Nationalteam wird am Samstag in Havanna erstmals seit über 60 Jahren ein Auswärts-Länderspiel gegen den politischen Erzfeind Kuba bestreiten. Auf kubanischem Boden war man 1947 zum letzten Mal aufeinandergetroffen, damals hatten die Gastgeber mit 5:2 gesiegt. 1962 hatten die USA ein Embargo über den 1959 kommunistisch gewordenen Inselstaat verhängt. Nun treffen die Teams im Rahmen der WM-Qualifikation der CONCACAF-Zone für Südafrika 2010 aufeinander.

Während die US-Boys ihr Auftaktmatch in der Gruppe A der 3. Quali-Runde gewannen (1:0 gegen Guatemala), unterlagen die Kubaner dem WM-Teilnehmer 2006 Trinidad-Tobago mit 1:3. Der Trainer der kubanischen Equipe, der Deutsche Reinhold Fanz, meinte jedoch optimistisch: "Wir haben hart gearbeitet, die Mannschaft befindet sich in einer guten physischen Form und ist bereit für eine Überraschung."

Guadalupe Quintero, Tormann des Heimteams, sagte: "Wegen der Probleme zwischen unseren beiden Ländern gibt es eine kleine Rivalität. Wir als Kubaner müssen uns zumindest auf heimischem Boden beweisen, die Flagge ist die Hauptsache. Ein Sieg wäre sehr, sehr, sehr wichtig für unser Volk." Kuba hatte sich 1938 als erste karibische Nation für eine WM qualifiziert, war danach aber stets in der Qualifikation gescheitert.

Keine Schlachtenbummler

Die Gäste mit ihrem Coach Bob Bradley werden ohne Zuschauer-Unterstützung auskommen müssen, erwarten aber trotz der politischen Spannungen keine öffentlichen Anfeindungen. Kapitän Carlos Bocanegra erklärte vor dem Abflug: "Ich weiß nicht, was uns da unten erwartet. Aber wir fliegen ohne Vorurteile dort hin. Ich bin sicher, wir werden dann auf dieses Spiel zurückblicken und sagen 'Das war wirklich cool, wir haben auf Kuba gespielt und niemand sonst hat das gemacht.'"

Stürmer Clint Dempsey merkte an, dass man wohl bloß mit "normaler" Unterstützung durch die Heim-Fans rechnen müsse. Er hielt fest: "Es ist egal, gegen wen du spielst - jeder wird gegen dich sein. Wir sind daran gewöhnt und erleben das zum Teil sogar bei eigenen Heimspielen, wenn das andere Team mehr Fans mitbringt als wir haben."

In der Gruppe B der CONCACAF-Zone, in der die nord- und mittelamerikanischen sowie die karibischen Länder um die WM-Tickets rittern, trifft am Wochenende Mexiko, das sein Auftaktspiel gewonnen hat, auf Jamaika, WM-Teilnehmer 1998. Das zweite Match bestreiten Kanada und das noch punktlose Team aus Honduras. Die Gruppe C sieht das zweite Heimspiel des dreifachen WM-Starters Costa Rica. Den Auftakt hatte man gegen El Salvador 1:0 gewonnen, nun geht es gegen Surinam. Die Salvadorianer empfangen daheim Haiti.

Die ersten beiden Mannschaften jedes Drittrunden-Pools ziehen in die vierte Runde ein. In der daraus entstehenden Sechser-Gruppe qualifizieren sich die ersten Drei fix für die WM, der Viertplatzierte trifft in Barrage-Spielen auf den Fünften der Südamerika-Qualifikation. (APA/Reuters/AFP)

 

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