Neuer Notenbank-Chef will "big bargain"

5. September 2008, 19:12
6 Postings

Nationalbank unter Ewald Nowotny will Deal zur Inflationsbekämpfung einfädeln - Mit Video

Wien - Der neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, hat am Freitag seine Antrittspressekonferenz gegeben - und Politik und Wirtschaft seine Pläne ins Stammbuch geschrieben.

Nach seiner unverbindlichen Einführung ("Ich habe das Glück, ein gutbestelltes Haus übernehmen zu können - ich weiß was das heißt, denn das war in meiner Laufbahn nicht immer so") ging der Ex-Bawag-Chef auf die aktuelle Wirtschaftslage ein.

"Grund für Wachsamkeit"

Bei der Inflation gebe es "keinen Grund zur Entwarnung, aber jeden Grund für Wachsamkeit". Österreich dürfe "die Chance, dass der Höhepunkt des Preisanstiegs international überschritten scheint, nicht durch interne Zweitrundeneffekte vergeben. Gerade bei Gebühren oder indexierten Preisen gibt es jetzt die Chance zur Glättung." Sein Appell an die wahlkämpfenden Parteien: "Auch im Wahlkampf müssen die Versprechungen immer in Summe und Zusammenhang mit dem Budget respektive dem Budgetdefizit betrachtet werden." (Siehe Interview.)

Auf die Fahne heften wird sich Nowotny wohl die Inflationsbekämpfung: Er plädierte für einen "big bargain", die OeNB sei bereit, die Koordinierung "solcher konstruktiven Gespräche" zu übernehmen. Auf diese Weise könne man akkordierte Pakete mit Lohn-, Steuer-, Tarif-, und Wettbewerbspolitik schnüren.

Sehr aufbauende Botschaften sandte der neue Chef des Hauses an seine Mitarbeiter. Der Vorwurf des Proporzes sei "sehr ungerecht, bei uns zählt nur die Leistungsfähigkeit. Man übersieht, wie qualifiziert die OeNB-Mitarbeiter sind."

Gehaltsreform

Nowotny argumentierte in die Gegenrichtung: Möglicherweise habe man bei den Gehaltsreformen der OeNB in den vergangenen Jahren schon übers Ziel geschossen. Die Konkurrenz mit den Gehältern in den Geschäftsbanken nämlich "ist ein erhebliches Problem für uns geworden: Wir verlieren unsere Experten an die Banken, die besser zahlen."

Abhilfe ist in Aussicht: Die OeNB hat einen Personalberater mit einem Vergleich der Gehaltsstrukturen der Branche beauftragt.

Gleich nach der Wahl wird der OeNB-Chef in Verhandlungen mit der neuen Regierung treten. Es geht darum, die Rücklagen der Notenbank zu stärken - das setzt aber eine Änderung des Notenbankgesetzes voraus.

Die OeNB ist nämlich verpflichtet, 90 Prozent ihres Gewinns (und KöSt) an Mehrheitseigner Staat zu überweisen. In Zeiten von Finanzkrisen möchte man aber einen dickeren Kapitalpolster aufbauen. Nowonty, so sagte er zum Standard, möchte nicht nur die Gewinnverteilung ändern, sondern ein "Paket an Änderungen" aushandeln. (gra, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.9.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In seiner Antrittspressekonferenz ruft der neue OeNB-Chef Ewald Nowotny zu einer koordinierten Wirtschaftspolitik auf.

Share if you care.