Metaller-Chef sieht keinen Grund für Zurückhaltung

5. September 2008, 11:04
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Die Herbstlohnrunde wird schwierig werden, Metaller-Chef Foglar will sich nicht zurückhalten, Angestellten-Verhandler Proyer sieht einen "ordentlichen Spielraum"

Wien - "Es gibt keinen Grund für Lohnzurückhaltung", so der Chef der Metallergewerkschaft (GMTN), Erich Foglar, vor der bevorstehenden Herbstlohnrunde. Und auch Angestellten-Verhandler Karl Proyer von der GPA-DJP sieht "einen ordentlichen Spielraum für Abschlüsse über der Inflationsrate". Beide Arbeitnehmer-Verhandler sind sich auch darüber einig, dass eine Steuerreform unverzichtbar sei. Andernfalls würden die von der Gewerkschaft erkämpften Lohnzuwächse von der Steuerbelastung weggefressen.

Die heurige Herbstlohnrunde startet am 26. September, zwei Tage vor der Nationalratswahl, mit der Übergabe des Forderungsprogramms an die Arbeitgeber. Traditionellerweise werden da noch keine Prozente genannt. Im Anschluss an die Übergabe findet ein Wirtschaftsgespräch statt, bei dem die aktuelle Lage analysiert wird.

"Ich denke, dass es heuer sehr schwierig sein wird", so Metaller-Chef Fogler. Die Bilanzanalysen der Unternehmen haben gezeigt, dass im vergangenen Jahr hohe Gewinner erwirtschaftet wurde und die Unternehmen auf ein gutes Jahr zurückschauen. Für das laufende Jahr sei auch mit einer guten Wirtschaftsentwicklung zu rechnen, auch wenn der Motor nicht mehr ganz so wie in den Jahren 2006 und 2007 laufe. "Ein Abschluss unter der Inflationsrate ist für uns nicht vorstellbar", so Foglar. Es sei nicht einzusehen, dass die Beschäftigten die Zeche zahlen müssen. Der Inlandskonsum sei neben Export und Investitionen die dritte Säule der heimischen Wirtschaft und diesen gilt es zu stützen.

Hohe Inflation

Die hohe Inflation werde in der kommenden Verhandlungsrunde sicher ihren Niederschlag finden, so Proyer. Grundsätzlich werden aber für die Kollektivvertrags-Verhandlungen immer die gleichen Eckdaten herangezogen, so Proyer. "Das sind neben der Inflation Wirtschaftswachstum, Produktivität und die Entwicklung der einzelnen Branchen". Die Inflationsberechnung für die Verhandlungen basieren auf einem Durchschnittswert für den Zeitraum November 2007 bis Ende Oktober 2008. Dieser beträgt 3,5 Prozent, für 2009 werden 2,7 Prozent prognostiziert. Dazu kommt eine erwartete Produktivitätszunahme rund 1,0 Prozent, so dass für die Arbeitnehmer bei den Verhandlungen rund 4 Prozent mehr Lohn herauskommen müssten.

In den vergangenen 20 Jahren sind die Kollektivvertragsabschlüsse in der Metallindustrie immer über der Inflationsrate gelegen. So werde es auch heuer beibehalten, sind sich die Arbeitnehmervertreter einig. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hat wie berichtet einen Abschluss unter der Inflationsrate nicht ausgeschlossen.

Verärgert sind die Metallerverhandler auch über Zurufe aus der Politik. "Wir haben in den vergangenen Jahren immer wirtschaftskonforme Runden über die Bühne gebracht, Zurufe sind daher verzichtbar". Die Politik sei gefordert, so schnell wie möglich eine Steuerreform zur Lohnsteuerentlastung durchzuziehen. Es sei unvorstellbar, damit bis 2010 zu warten.

Bei der heurigen Herbstlohnrunde für rund 165.000 Metallarbeiter und Industriearbeiter werden auf Arbeitgeberseite wieder Leitz-Geschäftsführer Hermann Haslauer und der Industrie-Spartenobmann der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Christoph Hinteregger, verhandeln. Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner auf eine Erhöhung der Mindestlöhne um 3,6 Prozent per 1. November mit einer Laufzeit von einem Jahr. Der Metallerabschluss hat traditionell Signalwirkung für alle weiteren Branchen. (APA)

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