Bildungssprecher einig bei Sprachförderung und Lehrerausbildung

5. September 2008, 11:02
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Gesamtschule bleibt weiter Streitpunkt zwischen SPÖ und ÖVP - Grüne und FPÖ kritisieren scheidende Regierung: "Vieles angekündigt, wenig realisiert"

Wien  - Die Bildungspolitik der scheidenden SPÖ-ÖVP-Regierung war von Kompromissen geprägt. Darin zeigten sich die Bildungssprecher der Parlamentsparteien am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in Wien einig. Doch während Fritz Neugebauer (V) von "sehr gedeihlicher, konstruktiver Zusammenarbeit" sprach, kritisierte der Grüne Dieter Brosz, dass "vieles angekündigt, aber nicht realisiert" worden sei. Einigkeit herrscht vor allem in zwei Bereichen: Die Sprachförderung vor Schuleintritt soll ausgebaut werden und Pädagogen - vom Kindergarten bis zu den höheren Schulen - künftig eine gleichwertige Ausbildung erhalten.

Gesamtschule

Laut Martin Graf  ist vieles, was die Koalition nun als erledigt abhaken könne, von früheren Regierungen vorbereitet worden. Andere "Erfolge" seien in Wirklichkeit gar keine, etwa die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 25: "Das ist nur ein Richtwert, die Oberstufe wurde überhaupt nicht angegangen", so Graf. Wenn in manchen Klassen nur 25 Schüler sitzen, dann zu fünfzig Prozent dank der demographischen Entwicklung. Brosz kritisiert indes, dass Bildungsministerin Claudia Schmied (SP) nicht zusätzlich Förderlehrer eingesetzt habe.

In zwei Lager gespalten bleiben die Parteien bei der Frage einer gemeinsamen Schule der 6- bis 14-Jährigen. Andrea Kuntzl betont, dass der Schulversuch "Neue Mittelschule" weiter ausgebaut werden soll. "Sie ist ein Selbstläufer, die Nachfrage ist sehr groß", zeigte sie sich optimistisch. Brosz gehen die Schulversuche unterdessen nicht weit genug. "Es gibt keine einzige Region, wo alle Schüler in der Neuen Mittelschule sind." Sozialer Ausgleich könne so nicht erfolgen, eine Evaluierung sei daher sinnlos.

Neugebauer und Graf wollen das differenzierte Schulsystem, also mit Trennung in Hauptschule und AHS-Unterstufe, beibehalten. Neugebauer tritt weiterhin für "von der Basis angeregte Schulversuche" ein. Er wolle aber nicht, "dass man um eines parteipolitischen Ziels willen indoktriniert." Graf ist für eine generelle Abschaffung von Schulversuchen: Die Eltern würden sich nicht mehr auskennen, die Zulassung erfolge nach undurchsichtigen Kriterien.

Sprachförderung

Bei ihrem Ziel, Sprachförderung durch ein verpflichtendes Vorschuljahr zu institutionalisieren, sei sie "optimistischer als noch vor einigen Wochen", so Kunzl. "Aus der ÖVP kommen positive Signale. Dieses Projekt könnten wir in der kommenden Legislaturperiode gemeinsam realisieren." Nichts hält Neugebauer allerdings von Sprachförderung im Rahmen eines von der SPÖ gewünschten "Bildungsjahres", diese sollte "in spielerischer, aber altersadäquater Form im Kindergarten" stattfinden. Den Grünen ist ein Jahr dafür zu kurz. Brosz: "Wir wollen, dass die Kinder zwei Jahre lang in Kernzeiten - also an drei oder vier Vormittagen pro Woche - verpflichtend in den Kindergarten gehen." Nur so könne erreicht werden, dass die Kinder ihre Schulkarriere auf demselben Niveau starten.

Als Ziel geben auch alle Diskutanten eine universitäre Ausbildung aller Pädagogen an. Während allerdings laut Neugebauer die Ausbildung von Volks-, Haupt- und Sonderschullehrern durch die Umwandlung der Pädagogischen Akademien in Pädagogische Hochschulen (PH) sowieso in einigen Jahren gleichwertig sein werde, wünscht sich Graf eine Integration der PH in die Universitäten. Brosz sieht vor allem inhaltlichen Reformbedarf: "Der Schwerpunkt muss auf Pädagogik und Didaktik liegen". Außerdem müsse Weiterbildung für Lehrer verpflichtend werden. Kuntzl plädierte dafür, auch Kindergartenpädagogen universitär auszubilden. (APA)

 

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