Musikladen zahlt seinen Kunden Geld

5. September 2008, 08:22
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Online Songs kaufen und dafür belohnt werden? Der US-Musikstore Popcuts versucht mit einem neuen Verkaufsmodell, junge Bands zu fördern und gleichzeitig damit selbst Geld zu verdienen.

Trendsetter sein zu wollen kann teuer sein. Early Adopters von technischen Neuerungen oder Sammler neuer elektronischer "Spielzeuge" können davon ein Lied singen. Gerade frisch auf den Markt gekommene "Gadgets" haben anfangs meist einen stolzen Preis.

Trends

Eine neue Musik-Website möchte beweisen, dass es auch anders geht: immer den Trend anzuführen und gleichzeitig dabei Geld zu verdienen. Sie zahlt ihren Kunden immer dann einen Bonus, wenn andere Nutzer einen Song erwerben, den sie bereits gekauft haben.

Popcuts

99 US-Cent kostet auf der Anfang August im kalifornischen Berkeley gestarteten www.popcuts.com der Kauf eines Lieds. Wird dieses dann auch von anderen Konsumenten gekauft, gibt es für deren "Vorgänger" eine Gutschrift, die für die Anschaffung neuer Musikstücke genutzt werden kann. Je früher ein Lied gekauft wird, umso höher fällt das Musik-Darlehen aus.

Idee

Ursprungsgedanke für den Online-Musikladen der etwas anderen Art war für die Popcuts-Gründern Hannes Hesse, Kevin Mateo Lim und Yiming Liu der Wunsch, zwei konträre Gruppen unter einen Hut zu bekommen: einerseits Künstler, die ihre Musik verkaufen möchten, andererseits Fans, die diese am liebsten gratis hätten.

"Wir dachten, dass der Anreiz, gewissermaßen einen Anteil von einem Song mitzubesitzen, dessen legalen Kauf attraktiver machen könnte", sagte Hesse zur Associated Press. "Es ist reizvoll, sich auf Popcuts umzuschauen, was für neue Musik es gerade gibt", bestätigt Produktanalyst und Nutzer Gary Yao. Dabei habe er bereits ein paar neue und recht interessante Bands entdeckt.

Auswahl

Die Auswahl der Musiksite ist derzeit allerdings noch etwas mager. 700 Songs von etwa 200 zum Großteil wenig bekannten Künstlern sind darauf zu finden. Ein Vertrag mit DashGo (auf der Plattform können unabhängige Bands ihre Musik verwalten und zum Verkauf anbieten) soll dies ändern.

Popcut behält sich zwischen zehn und zwanzig Prozent von jedem verkauften Song, die Künstler können ihren Anteil selbst festlegen, der Rest wird an die Käufer verteilt.

Idee

Ob die Idee sich für die Popcuts-Macher auch wirklich auszahlt, wird sich zeigen. Die Konkurrenz in der Szene, etwa Apples iTunes Store oder Amazon, ist gewaltig und bereits etabliert.

Zuspruch erhält die Idee von Gartner-Analyst Mike McGuire: "Vom Geld einmal abgesehen kann jeder das Gefühl haben, mit dem Kauf eines Songs auch ein wenig in die Zukunft der auf der Website vertretenen Bands investiert zu haben." (Karin Tzschentke / DER STANDARD Printausgabe, 05.09.2008)

 

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popcuts

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    grafik: hersteller
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