Analyse: Alexander Van der Bellen (Grüne) – Jörg Haider (BZÖ)

5. September 2008, 00:04
86 Postings

Tatjana Lackner, Politiker-Profilerin und Direktorin der Schule des Sprechens, analysiert für den STANDARD die politische Rhetorik der TV-Konfrontationen

Schon bei den griechischen Rhetorikern gab es einen Grundsatz: Erlange die Sympathie des Publikums so bald, wie möglich! Bei BZÖ-Chef Jörg Haider lagen Narkose und Narzissmus nur vier Stunden auseinander.  Munter genug, um Grünen-Chef Alexander Van der Bellen laufend zu unterbrechen, war er dann aber jedenfalls.

Einig im Warnverhalten

Ideologisch jeweils am Ende der Schnur des anderen, auf der Oppositionsbank und politisch immer wieder aneinander gekettet - Grün und Orange. Darüber hinaus eint sie das übertrieben eindringliche Warnverhalten: Der eine versuchte die Nation vor den Spuren des anderen zu bewahren.
Van der Bellen: „Österreich hat etwas anderes verdient als Politiker wie Sie!" Die Gefahrenarten und Bedrohungs-Szenarien wurden dabei höchst unterschiedlich eingeschätzt.

Haider wiederholte seine Anti-Grün-Stehsätze gebetsmühlenartig: „Import von Kriminalität", „Einführung der PKW-Maut" und „Tiere dürfen nicht mehr wert werden als Kinder!"

Konter-Technik

Van der Bellen reagierte knapp und ungeduldig, als Haider seine präparierten Argumentations-Netze auswarf. Der Öko-Professor konnte dafür seine bewährte „Airbag-Technik" mehr als nur einmal anwenden.

In der Rhetorik wird damit die simple Technik beschrieben, durch einen Standard-Spruch bösartige Angriffe abzuwehren. Van der Bellen: „Echt? Das ist doch ein Witz! Quatsch!"

Auch Van der Bellens paraverbaler Reflex - Untergriffen lachend zu begegnen - ist bereits zu einem Markenzeichen geworden.

Gereizt und schwerfällig

Der grüne Riese wirkte gereizt und schwerfällig im Vergleich zum triezenden orangen Kobold. Van der Bellen hat für Haiders Spielchen spürbar weniger Geduld, als in früheren Jahren.

Das machte ihn zwar nicht dynamischer; dafür war er - zumindest optisch - weniger bemüht, als der Kärntner Metro-oh-Mann! Der grüne Bundessprecher betrachtet die Fragen zumeist in einem größeren Kontext: "Wo soll Österreich in Zukunft stehen?"

Keine grünen Orangen

Haider hingegen sprach im zeitlichen Bogen meist nur bis zur Kärntner Landtagswahl 2009. - Das Wortkonzept vom Dieter Bohlen des BZÖ war durchaus reißerisch angelegt.

Jörg Haiders Sprüche, wie "Ihr seid's a alte Vernaderungspartie!" zeigen deutlich: Keine grünen Orangen! (DER STANDARD Printausgabe 5.9.2008)

Share if you care.