Regen bleibt bei starker Luftverschmutzung aus

7. September 2008, 18:18
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Aerosole machen die Wolkenbildung erst möglich, ab einer gewissen Anzahl ist die Niederschlagsneigung jedoch rückläufig

Mainz - Starke Luftverschmutzung kann zu vermehrten Dürren führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichte Studie, an der unter anderem das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz beteiligt war. Demnach hat die Untersuchung der gegenläufigen Wirkungen von Aerosolen gezeigt, dass eine hohe Belastung mit Aerosolen, wie sie unter anderem von Autos, Kraftwerken und Heizungen ausgestoßen werden, wie eine Bremse auf die Wolkenbildung und die Luftzirkulation in der Atmosphäre wirkt.

Die Folge sei, dass Regenfälle ausblieben, sagte der Direktor des Mainzer Instituts, Meinrat Andreae. Von der Menge der Aerosole sei abhängig, wie sich die von der Sonne eingestrahlte Energie in der Atmosphäre verteile. Zudem bilde ein Teil der Aerosole gewissermaßen Keime für die Kondensation von Wasser zu Regentropfen. Dass Aerosole die Wolkenbildung erst möglich machen, ist bereits seit längerem bekannt: Wolken und damit Niederschlag entstehen nur, wenn feuchte, warme Luft vom Boden aufsteigt und das Wasser in der Höhe an den Aerosolen kondensiert oder gefriert. Die Wirkung von menschengemachten Aerosole wurde bislang unterschiedlich - teils gegenläufig - betrachtet: Mehr Wolken und mehr Niederschlag vs. weniger Wolken und weniger Niederschlag.

Grenze

Dem internationalen Forscherteam, dem auch Wissenschafter aus Finnland, Irland, Israel, Italien, Mexiko und Finnland angehörten, ist nun der Nachweis gelungen, dass ein Mehr an Aerosolen in der Luft nicht automatisch zu mehr Niederschlägen führt. Ab einer gewissen Luftbelastung ist die Niederschlagsneigung vielmehr rückläufig.

Nach den Berechnungen der Autoren ist das Maximum bei 1.200 Kondensationskeimen pro Kubikzentimeter Luft erreicht. Derartige Luftverhältnisse sorgten für die stärksten Regenfälle. Stark verschmutzte Stadtluft dagegen enthalte bis zu 10.000 solcher Partikel pro Kubikzentimeter Luft.

Durch die Vielzahl der Teilchen bilden sich zwar viele Wassertropfen, diese bleiben aber zu klein um abzuregnen. Stattdessen verdunsten sie nach einer Weile wieder und entziehen dabei der Luft Wärme. Dies lähme die Luftzirkulation, was Niederschläge weiter erschwere. Die Forschungsergebnisse seien ein wichtiger Beitrag, um die bestehenden Modelle für die künftige Entwicklung des Klimas weiter zu verbessern, sagte Andreae. (APA/AP/red)

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    Ab einer gewissen Luftbelastung ist die Niederschlagsneigung rückläufig.

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