Betreiber von Atomlager muss gehen

4. September 2008, 20:18
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In der Affäre um die schadhafte deutsche Atommülldeponie Asse II gibt es nun erste Konsequenzen

Berlin - Die unter heftigen Beschuss geratene deutsche Atommülldeponie Asse II bekommt einen neuen Betreiber - und wird vom Bergwerk zum Endlager umdeklariert. Darauf einigten sich am Donnerstag der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), seine Regierungskollegin, die Forschungsministerin Annette Schavan (CDU), und der niedersächsische Umweltminister Hans Heinrich Sander (FDP). Wie es mit dem pannenbehafteten Lager weitergeht und wie es am besten geschlossen werden kann, steht noch in den Sternen.

Ehemaliges Salzbergwerk

In dem ehemaligen Salzbergwerk wird seit 1965 vom öffentlichen Münchener Helmholtz-Zentrum geforscht, wie sich schwach- und mittelradioaktiver Atommüll am besten endlagern lässt. Am Mittwoch wurde vom niedersächsischen Umweltausschuss ein Statusbericht zu Asse II präsentiert. Der schwerste Vorwurf: Durch eindringende Salzlauge wird die Festigkeit des Bergwerks gefährdet, mindestens eines der 126.000 eingelagerten Fässer leckt.

Dem zuständigen Bergbauamt in Niedersachsen wird vorgeworfen, von den Problemen schon seit 1967 gewusst haben. Gegen zwei Beamte der Bergbaubehörde wurde daher vor drei Wochen ein Disziplinarverfahren eingeleitet, bestätigt Jutta Kremer-Heye, Pressesprecherin von Niedersachsens Umweltministerium, im Gespräch mit dem Standard. Fix ist mittlerweile, dass das Helmholtz-Zentrum das Endlager nicht mehr betreiben wird. Statt dessen ist das Bundesamt für Strahlenschutz zuständig, die finanzielle Verantwortung wandert vom deutschen Forschungs- zum Umweltministerium.

"Ohne Bedeutung"


Im Helmholtz-Zentrum weist man die Vorwürfe allerdings vehement zurück. Die eintretende Salzlauge sei "hinsichtlich der derzeitigen Betriebssicherheit ohne Bedeutung", wird in einer Aussendung aus dem offiziellen Papier zitiert. Dass es seit 20 Jahren Probleme mit der Lauge gibt, sei bekannt und immer gemeldet worden, beteuert man. Auch, dass der Strahlenschutz nicht dem einer kerntechnischen Anlage entsprach, gesteht man ein. Allerdings: Dieser Standard sei gar nicht gefordert worden - da die Anlage ja rechtlich gesehen ein Bergwerk war. Interessant ist die Affäre für die derzeit laufende Suche nach einem deutschen Endlager für Atommüll. Seit längerem wird dafür das nahegelegene Gorleben ins Auge gefasst. Dort herrschen aber andere geologische Verhältnisse, wie Umweltminister Gabriel betont. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 5.9.2008)

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    Ziel von Protestaktionen der Atomgegner war das zwischen Berlin und Hamburg gelegene Atommülllager Asse schon des öfteren. Ein Prüfbericht, der nun schwere Mängel der Anlage kritisiert, könnte auch Auswirkungen auf das geplante Endlager im nahen Gorleben haben

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