Jugendliche Wähler: Politik muss aufholen

4. September 2008, 19:43
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Jugendliche haben Beziehungen, müssen sich für eine Ausbildung entscheiden, sich im Job bewähren, manche zahlen Kredite ab oder erziehen Kinder - Es ist nur konsequent, das Wahlalter zu senken - Von Andrea Heigl

Sie haben es wirklich nicht leicht, aber auch nicht wirklich schwer" - die deutsche Band Blumfeld bringt das Dilemma der "Jugend von heute" in ihrem gleichnamigen Lied auf den Punkt. Die großen gesellschaftspolitischen Kämpfe für eine friedlichere, frauen- und umweltfreundlichere Welt sind (fürs Erste) ausgefochten. Es bietet sich also eine Fülle von Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten, der Erwartungsdruck steigt stetig. Und da will die richtige Entscheidung erst einmal getroffen werden

Vor genau dieser Frage stehen bei den kommenden Nationalratswahlen gut 180.000 16- und 17-Jährige, wenn sie auf dem Stimmzettel ihr Kreuzchen machen sollen. Und sie werden damit relativ alleingelassen: Engagierte Lehrer werden sich bemühen, in den paar verbleibenden Wochen ein wenig politische Bildung zu verbreiten; Parteien werben mehr oder weniger geschickt um die Gunst der Jugendlichen; mobilisierende Kampagnen werden eilends aus dem Boden gestampft. Aber aufgrund der kurzen Vorlaufzeit wird es wohl bei Versuchen bleiben.

Jugendliche haben Beziehungen, müssen sich für eine Ausbildung entscheiden, sich im Job bewähren, manche zahlen Kredite ab oder erziehen Kinder. Der Prozess des Erwachsenwerdens beschleunigt sich, und es ist nur konsequent, auch das Wahlalter zu senken. Studien ergeben, dass unter Zwanzigjährige nicht mehr oder weniger politikinteressiert sind als der Durchschnitts-Österreicher. Sie sind erst jetzt in den Fokus der Politik gerückt, weil sie nun potenzielle Wähler sind. Es wird mehr als einen Wahlkampf brauchen, um diesen Rückstand aufzuholen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 5.9.2008)

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