Infektionskrankheiten werden wichtiger

4. September 2008, 19:45
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Immunologie-Jahrestagung: Nach langer Zeit der Grundlagenforschung enorme Erfolge in der Therapie

Wien - Die Biologie und die Immunologie werden in Zukunft eine ähnlich schnelle Entwicklung wie die Computertechnologie nehmen; Infektionskrankheiten werden wieder mehr in den Blickpunkt der Wissenschaft kommen. Dies ist das Fazit renommierter internationaler Experten - unter ihnen Medizin-Nobelpreisträger Peter Doherty - anlässlich der gemeinsamen Jahrestagung der österreichischen und deutschen Immunologen in Wien.

"Wir werden eine individualisierte Therapie von Erkrankungen haben und auch neue Medikamente. Insgesamt aber werden die Infektionskrankheiten wichtiger werden. Das hat auch etwas mit der globalen Klimaerwärmung zu tun. Das (Tropen-)Virus Chikungunya hat sich bis nach Italien ausgebreitet. In den USA hat sich das West-Nile-Virus verbreitet. Wir werden aber auch von einer Stabilisierung des Wachstums der Weltbevölkerung abhängen, von der Gesundheitsförderung - und wir werden vor allem mehr Frauengesundheit auf der Welt benötigen. Eine 'gerechtere' Verteilung der Ressourcen auf der Welt wäre da von Vorteil", meinte der australische Nobelpreisträger Mittwochabend bei einem Kamingespräch in Wien.

Therapieerfolge

Die Immunologie hat in den vergangenen zehn Jahren - nach langer Zeit der Grundlagenforschung - enorme Erfolge auch in der Therapie von Erkrankungen erzielen können. Ron Germain von den nationalen US-Gesundheitsinstituten: "Wir können mit monoklonalen Antikörpern zum Beispiel Krebs mit wesentlich weniger Nebenwirkungen behandeln. Wichtig sind sie auch für chronisch entzündliche Erkrankungen wie die chronische Polyarthritis."

Rückschläge

Freilich, was bei der chronischen Polyarthritis immer besser funktioniert - nicht zuletzt auch durch Arbeiten der Wiener Rheumatologen um Josef Smolen (AKH/Krankenhaus Lainz) -, muss nicht überall der Fall sein. Bei Asthma schlugen viele der immunologischen Strategien fehl. Der Wiener Pathophysiologe und Allergieforscher Rudolf Valenta: "Asthma ist auch nur ein Bild einer Störung. Die Ursachen sind sehr verschieden."

Budget

Die Frage, ob Österreich genug in die immunologische Forschung investiert, lässt sich laut Christoph Kratky, Chef des Wissenschaftsfonds FWF, nicht so einfach beantworten: "Wir fördern exzellente Projekte. Wir fördern nicht zuvorderst Fachgebiete." Um die 150 Mio. Euro pro Jahr habe man zur Verfügung. (APA)

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