Draufzahlen für die rote Feier

4. September 2008, 19:23
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Die Massen schieben sich wieder über die Insel: Die SPÖ lädt ab Freitag zum 25. Donauinselfest

Wien – Natürlich, sagt Donauinselfest-Vater Harry Kopietz, hänge man heuer ein paar SPÖ-Transparente mehr auf. "Das ist ja auch nichts Schlimmes." Dass das rote Gratis-Open-Air heuer mitten in den Wahlkampf fällt, freut die Organisatoren zwar, überstrapazieren will man die Insel-Besucher aber nicht. "Es wird keine Ansprachen und keine Flyer geben", sagt Kopietz.

Laut SPÖ-Umfragen ist rund drei Viertel der Wiener klar, dass die Sozialdemokraten hinter dem größten Freiluftevent Europas stecken. Was man laut Kopietz vor allem der Opposition verdankt: "Die regen sich dauernd darüber auf und machen uns damit noch bekannter." Sechs Millionen Euro kostet die dreitägige Großveranstaltung mit 15 Bühnen und 2000 Künstlern. Von der Stadt Wien sind 1,2 Millionen Euro an Subventionen dafür vorgesehen. Die restlichen 4,8 Millionen versucht man mittels Sponsoren aufzustellen. Was sich laut Organisator Sascha Kostelecky, der als Angestellter der Firma "Pro Event" seit vier Jahren das Donauinselfest schupft, nie ganz ausgeht.

SPÖ "zahlt drauf"

"Die SPÖ zahlt jedes Jahr drauf." Woher das Geld kommt, darüber schweigt die SPÖ. Dass die Wiener Roten verarmen, muss man allerdings nicht fürchten. Auf‘s Geld schaut Harry Kopietz, der das Donauinselfest vor 25 Jahren erfand, nämlich anderswo: Der Noch-Landesparteisekretär, der Anfang Oktober Landtagspräsident werden soll, sitzt an den Schalthebeln diverser roter Beteiligungsgesellschaften (siehe Grafik), die jährlich rund fünf Millionen Euro Gewinn abwerfen. Über den Verein "Verband Wiener Arbeiterheime" verdient die Partei an Bau- und Immobiliengeschäften. Außerdem sind sie an Firmen wie dem Echomediahaus und dem Außenplakatierer Gewista beteiligt – die wiederum mittels Plakaten beim Donauinselfest prominent vertreten sind.

Drei Millionen Menschen sind während des Festivals auf der die Insel unterwegs – behauptet jedenfalls die SPÖ. "Das wären ja an drei Tagen doppelt so viele Menschen, als in Wien leben", sagt FP-Kultursprecher Harald Stefan. "Es sind Besuche, nicht Personen", sagt Elisabeth Kaiser von der PR-Agentur CIG Gmbh, die im Auftrag der SPÖ den Medien- und Werbewert des Festes berechnet hat. Vergangenes Jahr soll er 24 beziehungsweise 40 Millionen Euro betragen haben. Dabei geht Kaiser von fiktiven Inseratenpreisen aus und zieht die Zahlen über die Besuche vor den einzelnen Bühnen heran. Voriges Jahr zählte man so gerade einmal 1,2 Millionen Besucher.(Marijana Miljkovic, Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 5.9.2008)

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    Wenig lukratives Fest auf der Donauinsel

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