Japan, Jazz und nichts zu jammern

4. September 2008, 17:48
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Die Honda-Jazzband hat ihre Instrumente neu gestimmt - Das bedeutet: mehr Kraft, weniger Verbrauch, mehr Platz, mehr Sicherheit für den japanischen Familienkleinwagen

Zwar ist der Honda Jazz ein komplett neues Fahrzeug, doch gegenüber dem Vorgängermodell wurden am optischen Auftritt nur bescheidene Retuschen vorgenommen. Die Vorderfront mit Grill erscheint leicht modifiziert, neu gezeichnete Scheinwerfer und Rückleuchten kennzeichnen die Neuauflage des praktischen Familienkleinwagens, der jetzt in der Silhouette noch mehr wie ein kleiner Van wirkt. Durch größere Dreiecksfenster in den A-Säulen wurde die Rundumsicht erheblich verbessert – ein klares Sicherheitsplus.

Besonders Frauen werden diesen Vorteil zu schätzen wissen, bekanntlich ist deren Benutzeranteil beim Jazz recht hoch. Der nun etwas längere Radstand kommt gleichermaßen der Beinfreiheit der Fondpassagiere und dem Kofferraumvolumen zugute. Wie bisher bietet Honda hier ausschließlich Benzinmotoren an, in diesem Fahrzeugsegment heute ohnehin kein Problem, weil Selbstzünder stark an Attraktivität abgebaut haben.

Der 1,2-Liter-Motor erstarkte von 78 auf 90 PS, die 1,4-Liter-Version von 83 PS auf stramme 100 PS. Angenehmer Nebeneffekt: trotz mehr Kraft weniger Verbrauch, im Normtestzyklus eine Reduktion um einen halben Liter auf 5,2 l/100 km, mit dem automatisierten 6-Gang-Schalter geht’s noch ein wenig besser. Als weiteres Animo für ökonomische Fahrweise signalisiert eine Schaltempfehlungsanzeige den jeweils verbrauchsmäßig klügsten Schaltzeitpunkt.

Unter dem Titel „erhöhte Sicherheit“ wird nun ESP serienmäßig angeboten, in dieser Fahrzeugklasse wirklich keine Selbstverständlichkeit. Mehr Platz für Familienreisen oder den Transport sperriger Güter wird durch die Möglichkeit geschaffen, mit wenigen Handgriffen die hinteren Einzelsitze im Fond zu versenken. Das Ergebnis ist eine völlig plane Ladefläche, auf der sich so selbst Gegenstände bis zu 1,28 m Höhe transportieren lassen. In den höheren Ausstattungsvarianten sticht der Doppelboden im Kofferraum ins Auge.

Seit der Einführung der ersten Jazz-Generation 2002 wurde der kleine Honda vom Markt oft recht stiefmütterlich behandelt. Wer bietet schon in dieser Klasse vier Erwachsenen ausreichend Platz, öffnet die rückwärtigen Türen bis 80 Grad, benötigt keine zehn Meter als Wendekreis – viel Auto zum vergleichsweise fairen Preis. Der Honda 2009 brilliert nun mit 5,5 cm mehr Länge, Panoramadach, starken Motoren sowie durch hochwertigere Materialien. Nur eines will der neue Honda Jazz nicht sein: der billige Jakob – das entspricht nicht seinem Konzept und der Philosophie des Hauses Honda.

Im praktischen Fahrbetrieb konnte der Jazz seiner Vorzüge gekonnt ausspielen. Flott im Anzug, wendig in der Autoflut, bequem für die Insassen. Nur die Unterschiede zwischen den beiden Motorvarianten waren kaum spürbar, die 1,2-Liter-Version scheint völlig ausreichend zu sein, trotz mehr „Inhalt“ ist der neue Jazz nämlich nur zehn Kilogramm schwerer geworden. Hondas neuer Jazz: Deutlich mehr Auto als der Vorgänger, aber nur zehn Kilogramm schwerer. Ebenfalls ganz und gar zeitgemäß: stärkere, aber deutlich sparsamere Motoren. (Peter Urbanek/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2008)

  • Das Jazz-Cockpit lehnt sich leicht an den Civic an. Insgesamt
hochwertige Materialanmutung. Auch das Nutzkonzept wurde weiter
perfektioniert.
    foto: werk

    Das Jazz-Cockpit lehnt sich leicht an den Civic an. Insgesamt hochwertige Materialanmutung. Auch das Nutzkonzept wurde weiter perfektioniert.

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