Obsthof Retter ist voll im Saft

4. September 2008, 17:31
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Werner Retter, Herr über 5,5 Hektar Obstplantagen im steirischen Pöllautal, hat Nischen gesucht und gefunden

Pöllau/Wien - Werner Retter, Herr über 5,5 Hektar Obstplantagen im steirischen Pöllautal, hat Nischen gesucht und gefunden. Mit naturbelassenen Granatapfel- und Apfel/Hollunder-Säften ist Retter der Einstieg bei den heimischen Handelsketten gelungen. "Wir sind mittlerweile bei allen großen Handelsketten gelistet und werden heuer rund 1,5 Millionen Liter Saft verkaufen" , sagt Retter. 3500 heimische Supermärkte führen mittlerweile - einige Monate nach seinem Markteintritt - seine biologischen Fruchtsäfte.

Biologischer Landbau

Vor 20 Jahren hat der Landwirt, dessen Hof 1886 vom Urgroßvater erworben wurde, auf biologischen Anbau umgestellt und sich auf die Obstbrennerei spezialisiert. Die Edelbrände waren lange das Hauptgeschäft des Hofes, nun haben die Säfte die Schnäpse umsatzmäßig überholt. "Bei den Edelbränden gibt es keine großartigen Steigerungen, das wollen wir auch nicht, sondern kontinuierlich Qualität halten" , sagt Retter. 50 Prozent von rund 80.000 Flaschen Edelbrand gehen in den Export, vor allem nach Deutschland und in die Benelux-Staaten. Für die Fruchtsäfte sucht Retter derzeit noch Vertriebsmöglichkeiten im Ausland: "Das ist Knochenarbeit."
Der Biobauer setzt trotz steigender Preise weiter auf Regionalität, obgleich die Entwicklung derzeit ein "Riesenproblem" sei: "Äpfel kosten in Österreich das Fünffache wie in Polen" , klagt Retter, "das frustriert" . Die Verhandlungen mit seinen mehreren hundert Vertragsbauern seien schwierig, aber "wir versuchen, die Landwirte auf den Boden der Realität zu holen. Wir müssen gegen die großen Abfüller konkurrenzfähig sein, das macht uns das Leben schwer."

Schwieriger Weg

Fünf bis sechs ständige Mitarbeiter hat der Obsthof, zur Erntezeit kommen Erntehelfer dazu.
Im Vorjahr lag der Umsatz bei rund 2,5 Millionen Euro, heuer will Retter 3,5 Millionen schaffen. "Als Nischenplayer ist es für einen kleinen Betrieb irrsinnig schwer" , sagt Retter, "aber wir wollen den Weg der Markenpolitik, den wir in den letzten Jahren gegangen sind, nicht verlassen." Er glaube, dass regionale Kleinmarken künftig an Bedeutung gewinnen werden.
Im Herbst bringt Retter einen Granatapfelkern-Saft auf den Markt, mit dem er in Reform-, Drogerie- und Biomärkte den Einstieg schaffen will. (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2008)

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