"Nicht fürstlich, sondern forstlich"

4. September 2008, 17:18
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Der Chef der drei Esterházy-Privatstiftungen Stefan Ottrubay sorgt im Burgenland für Unruhe - DER STANDARD sprach mit dem Herren des 44.000 Hektar schweren fürstlichen Erbes

Standard: 1967 hat „Der Spiegel" eine Geschichte über Paul Esterházy mit der Feststellung begonnen: „Europas letzter Feudalherr". Gab es damals am Ostrand Österreichs eine Art zweites Liechtenstein?

Ottrubay: Das hat es damals schon nicht gegeben. Landesrat Kery hat damals mit einer kurzen, heftigen anti-Esterházy'schen Attacke die Mehrheit geschafft. Das hat sich aber, Kery war klug, rasch ins Gegenteil verkehrt.

Standard: Auch heute gibt es wieder ähnliche Attacken. Erwarten Sie die Wiederkunft der „Kery'schen Vernunft"?

Ottrubay: 45 Jahre sind 45 Jahre. Da werden auch ideologisch denkende Parteivertreter anerkennen müssen, dass Österreich sich zu einem modernen demokratischen Rechtsstaat gewandelt hat, und dass man hier nicht spielen darf mit ideologischen Emotionen, die in den Zwanziger- und Dreißigerjahren durchaus ihren Platz gehabt haben. Wenn es überhaupt solche Kräfte gibt, so hoffe ich doch sehr, dass diese rasch den Anschluss an das 21. Jahrhundert schaffen.

Standard: Das Sie wie umschreiben würden?

Ottrubay: Wir haben versucht, aus einem verschlafenen Unternehmen - also feudal war's auch schon längst nicht mehr, es war nicht fürstlich, sondern forstlich - eine moderne Unternehmensgruppe aufzustellen. Wir haben massiv investiert: in Kultur, in Bauten, in moderne Architektur, in moderne Geschäftsbereiche: Das erste Mal seit 60, 70 Jahren hat Esterházy auch seinen Mitarbeiterstand erhöht. Und zwar nicht, damit sich die wenige Arbeit auf mehr verteilt. Wir sind ins Ausland gegangen, nach Ungarn, Rumänien, die Slowakei. Ich glaube, wir könnten auch der Stolz der Burgenländer sein.

Standard: Sie forcieren grenzüberschreitende Perspektiven, vor allem im Kulturbereich. Vom Land kommen unterdessen eher zögernde Signale. Ist auch das Anlass für Auseinandersetzung?

Ottrubay: Es war auch schon anders im Burgenland. Unter Landeshauptmann Stix hat man sich bewusst geöffnet. Wenn man mit leitenden Beamten, aber auch vielen Politikern spricht, dann entdeckt man auch dort das Bedürfnis, sich zu öffnen. Man anerkennt, dass das Burgenland heute ja in einer gesegneten Lage ist. Mit einer 300 Kilometer langen Grenze von Bratislava bis Slowenien. Also bitte: Das sind Potenziale, die man heben muss. Warum das zur Zeit bei einzelnen Entscheidungsträgern nicht so gesehen wird, das begreifen wir selbst auch nicht.

Standard: Zufällig deckt sich dieser neue Raum mit dem alten Einflussgebiet der Esterházy. Sehen Sie in der bremsenden Haltung auch Ressentiments gegen dieEsterházys?

Ottrubay: Das ginge zu weit. Bei unseren Plänen zur Schlossentwicklung gab es aber die klare Tendenzen, dass man das Schloss als innerburgenländische Angelegenheit behandeln will. Wir aber haben durch die Stiftung den Auftrag, Esterházy wieder zu einer interregionalen Rolle zu führen.

Standard: Differenzen gibt es auch mit einigen Kulturveranstaltern. Woran liegt das?

Ottrubay: Ich glaube, das ist eher so eine Art Lösungs- oder Trennungsschmerz. Esterházy war eine sehr passive Einheit. Da haben sich sehr viele sehr gut eingenistet, haben gut gelebt. Und jetzt kommen plötzlich junge Manager daher und sagen: Dort, wo dein Vertrag zu Ende geht, überlegen wir uns, wie die Zukunft etwas breiter gestaltet werden kann. ( Wolfgang Weisgram , DER STANDARD, Printausgabe, 5.9.2008)

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