Pirker: "Mit allen Mitteln gegen diesen Skandal vorgehen"

4. September 2008, 17:20
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Verlegerchef sieht Verantwortliche für ORF-Projekt rücktrittsreif und "Züge der Veruntreuung"

"Im Grunde ist das Konzept sowas wie die rauchende Pistole", sagt Horst Pirker dem STANDARD; ein eindeutiges Beweisstück also. Beweis wofür, das benennt der Präsident des Zeitungsverbandes VÖZ so: "für eine Flut von Gesetzesverstößen. Der ORF verletzt Gesetze seit Jahren absichtlich und vorsätzlich." In dem Konzept für das Onlineportal DORF (oben) finde das "einen neuen Höhepunkt".

Wo sieht Pirker Probleme mit dem Gesetz? In der Cross Promotion etwa eines sehr kommerziell wirkenden Internetportales in Radio und Fernsehen. Onlinedienste müssen zudem mit den Rundfunkprogrammen in Zusammenhang stehen und der Erfüllung des Programmauftrages dienen. Pirker verweist auch auf die weit gediehene Verbotsliste für deutsche Rundfunkanstalten - etwa von Kontakt- und Tauschbörsen im Netz, Business-Networks und Foren ohne Sendungsbezug.

"Denken darf man", wendet ORF-Sprecher Pius Strobl ein. Der ORF prüfe "viele Projekte", was "nicht geht", sei "erledigt". Der ORF tue nichts außerhalb der Gesetze, sagt Strobl. Dass sich der ORF die Webadresse www.d-orf.at gesichert habe, sei ein "üblicher Vorgang", sagte Strobl. Der ORF habe sich viele Adressen gesichert, sagt er.

Für Pirker trägt das Projekt "schon Züge der Veruntreuung". Der Veruntreuung von "gerade sprunghaft erhöhten Hörer- und Sehergebühren". Ein solches Projektwürde nach Ansicht Pirkers "in einer deutschen öffentlich-rechtlichen Anstalt zum Rücktritt führen". Er legt das dem Generaldirektor des ORF, Alexander Wrabetz, nahe, sollte der in das Projekt "eingeweiht" sein. War er das nicht, dann gilt seine Forderung "zumindest die Verantwortlichen".

"Klubobmannkasperl"

In Deutschland setze die Politik den Gebührensendern klare Grenzen, veweist der Verbandschef auf den geplanten Rundfunkstaatsvertrag dort. "Beim Zustand der österreichischen Politik ist mein Vertrauen relativ klein. Ein Klubobmannkasperl wie Josef Cap findet wahrscheinlich auch bei einem solchen Vorhaben: 'Naja, eh alles klass.'" In der "versauten österreichischen Kultur" werde das Konzept vermutlich "nicht besonders aufregen". Nachsatz: "Aber an sich ist das ein wirklicher Skandal."

Der Verband der österreichischen Zeitungen (VÖZ) werde "mit allen Mitteln gegen diese Ungeheuerlichkeit vorgehen". Politische hätten wenig Aussicht, siehe oben, also droht er mit rechtlichen. Mit "hoher Wahrscheinlichkeit" täten das auch Medienhäuser in Eigenregie. Pirker ist Vorstandschef der Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse", "Wirtschaftsblatt").

Wie heißt es im Konzept? "Ganz nebenbei kann damit auch ein großer strategischer Schritt in Richtung Auseinandersetzung mit den großen Printmedienhäusern des Landes zumThema Online gelingen". Auseinandersetzung ist offenkundig schon jetzt geglückt.

Onlinedirektor Thomas Prantner bestätigt dem STANDARD den "Projektvorschlag" für Aktivitäten im Sinne des Web 2.0. Was hat man sich darunter vorzustellen? "Trimedial" jedenfalls, Fernsehen, Radio, Online, sagt Prantner. Man sehe sich das Konzept "in Ruhe an". "Wie zehn andere Projekte", setzt er nach. "Volle Kraft" widme seine Direktion jetzt ohnehin Fernsehen auf Abruf über Internet. Das Konfliktpotenzial dort scheint auch etwas überschaubarer. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 5.9.2008)

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    Verlegerchef Horst Pirker

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