Spa: Nächste Runde im Cockpit-Kampf

4. September 2008, 16:00
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Sowohl der Kampf um den WM-Titel als auch der um freie Fahrerplätze spitzen sich zu - Heidfeld unter Druck - Klien bei BMW "sehr glücklich"

Spa-Francorchamps/Wien - Nur noch 6 von 18 Rennen zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2008 sind noch zu fahren. Auch beim Grand-Prix von Belgien am Sonntag in Spa-Francorchamps (14.00 MESZ/live ORF 1) geht nicht nur der Kampf um den Fahrertitel, sondern auch jener um die freien Fahrerplätze der WM 2009 weiter. Schlüsselfigur ist einmal mehr der bei Renault unzufriedene Fernando Alonso. Viele sehen ihn künftig schon bei Geheimfavorit Honda, aber auch BMW könnte ein Thema für den Doppelweltmeister aus Spanien sein.

Alonso zu Honda oder BMW?

Denn bei den Bayern läuft die Bewährungsfrist für Nick Heidfeld schön langsam aus. Bei "Quick Nick" wechseln gute mit schlechten Momenten so eklatant, dass der Deutsche selbst zuletzt nach Platz neun in Valencia von einer "Katastrophe" sprach. Gegen seinen Teamkollegen Robert Kubica hat der zweifache Familienvater Heidfeld, der bisher alle Teamkollegen fest im Griff hatte, nur eines von zwölf Qualifikationsduellen gewonnen. Mit 55 WM-Punkten sammelte der Pole 14 Zähler mehr als der Deutsche.

BMW will aber 2009 unbedingt um beide WM-Titel mitfahren, nachdem man sich heuer in der ersten Saisonhälfte fast schon auf gleicher Höhe mit Ferrari und McLaren wähnte. Ob Heidfeld im kommenden Jahr der zweite Pilot neben Kubica sein wird, ist derzeit mehr als unklar. Nachdem Ferrari-Chef Luca di Montezemolo unlängst mit der Bestätigung von Kimi Räikkönen und Felipe Massa die Tür für Alonso beim Wunschteam Ferrari zugeschlagen hat, muss sich der Spanier um eine Alternative umsehen, BMW wäre eine davon.

Klien hofft auf Renncockpit

Auch der österreichische BMW-Testfahrer Christian Klien hofft nach wie vor auf eine Rückkehr in ein Renncockpit. Auf Spekulationen will sich der Vorarlberger aber nicht einlassen. "Als Test- und Ersatzfahrer bist du natürlich immer nah am Drücker. Aber ob es dann so kommt, da muss vieles zusammenpassen", gab sich der frühere Red-Bull-Pilot bei einem Medientermin seines Le-Mans-Sponsors "Safe Invest" diese Woche in der niederösterreichischen Speedworld in Bruck an der Leitha zurückhaltend.

Klar sei, "dass ich bei BMW sehr glücklich bin und gerne bleiben würde", so Klien. "Bis jetzt hat es aber keine Gespräche gegeben und das Team steht meines Wissens hinter Heidfeld, was ein gutes Zeichen ist", sagte der Österreicher. "Alles rund um Alonso sind Spekulationen. Und dass Nick unter Druck ist, ist ebenso logisch", sagte der Vorarlberger.

Klar ist aber auch, dass BMW nach dem enorm starken Saisonbeginn mit u.a. dem Premieren-Sieg durch Kubica in Kanada wieder an Boden verloren hat. Das gibt auch Klien zu. "Im Wesentlichen haben wir unsere Ziele erreicht. Den ersten Rennsieg geschafft, vor allem im ersten Drittel waren wir auf gleicher Höhe mit Ferrari und McLaren. Danach haben wir etwas den Anschluss verloren und sind jetzt wieder 'nur' dritte Kraft." Kliens Erklärung: "Ein Formel-1-Auto wird im Laufe einer Saison um eine Sekunde schneller. Ferrari und McLaren haben offenbar besser und schneller weiterentwickelt." Dies betreffe hauptsächlich die Aerodynamik.

Komplexe KERS-Technologie

Auch das neue 2009er-Auto mit der revolutionären KERS-Technologie hat Klien schon ein Mal in Jerez getestet. Nach zwei Runden war aber bekanntlich Schluss, nachdem ein Mechaniker einen Stromschlag erhalten hatte. "Das Ganze ist eine extrem komplexe und neue Angelegenheit für alle. Es wird bei allen noch Rückschläge geben", ist Klien überzeugt. Dass die Hybridtechnologie 2009 eingesetzt wird, daran bestehe aber weiter kein Zweifel, nachdem die pro Runde einmal erlaubte Zuschaltung von 60 Kilowatt (ca 82 PS) rennentscheidend sein kann. "Wenn du 2009 wirklich schnell sein willst, musst du KERS fast im Auto haben", ist Klien überzeugt.

Im Kampf um den WM-Titel 2008 sieht auch Klien den brasilianischen Ferrari-Piloten Felipe Massa mit guten Karten. "Ich denke, dass es zwischen Lewis Hamilton und Massa ausgehen wird. Der Schlüssel heißt aber Beständigkeit." Die "Krise" von Weltmeister Kimi Räikkönen sei offensichtlich. "Er ist derzeit im Qualifying nicht so konkurrenzfähig wie Massa. Und wenn du einmal hinten stehst, wird es schwierig, weil du deine Strategie nicht mehr ausfahren kannst", erklärte Klien. (APA)

 

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    Gemächliches Treiben in der Boxengasse von Spa-Francorchamps.

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