Australier wegen Majestätsbeleidung verhaftet

4. September 2008, 15:03
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Hochschullehrer beschrieb in Buch Details über königliche Familie

Melbourne/Wien - Ein 41-Jahre alter Australier, der als Lehrer an einer Hochschule in Thailand arbeitete, ist bei der Einreise nach Bangkok verhaftet worden. Er ist der Majestätsbeleidigung angeklagt, berichtete die Zeitung "The Australian" am Mittwoch in ihrer Internetausgabe. Harry Nicolaides bereiste Thailand seit 2003, er hielt als Hochschullehrer Vorträge in Chiang Rai und schrieb ein Buch über die königliche Familie. Eine Kautionsstellung wurde verweigert, meldete ABC News.

Grund für die Verhaftung sind von Nicolaides in seinem Buch "Verisimilitude" ("Plausibilität") veröffentlichten Details aus dem Leben der königlichen Familie, die in Thailand unter der Hand verbreitet werden. Laut der Menschenrechtsgruppe "Akha Heritage Foundation" heißt es in dem Buch unter anderem:

Konkubinen

"Von König Rama bis zum Kronprinzen war die Aristokratie bekannt für ihre romantischen Verstrickungen und Intrigen. Der Kronprinz hatte viele Haupt- und Nebenfrauen, nebst zahlreichen Konkubinen für den Zeitvertreib. Eine seiner Frauen wurde laut einem Gerücht mit ihrer gesamten Familie ins Exil geschickt, einschließlich des gemeinsamen Sohns. Er heiratete danach eine andere Frau, mit der er ein weiteres Kind hatte. Wenn sich der Prinz in eine seiner Nebenfrauen verliebe - so wird erzählt - und diese Frau ihn betrüge, verschwinde sie und ihre ganze Familie für immer von der Bildfläche, jede Erinnerung an sie werde ausgelöscht."

Thailands Gesetzbuch sieht drakonische Strafen für jeden vor, der das Königtum herabwürdigt oder auch nur kritisiert. Vor kurzem musste ein Minister wegen Majestätsbeleidigung zurückgetreten. In der Vergangenheit wurden auch Ausländer zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt, wie ein 57-jähriger Schweizer, der zehn Jahre Kerker ausfasste, weil er fünf Porträts des Königs mit schwarzer Farbe besprüht hatte. Er wurde allerdings begnadigt und des Landes verwiesen.

Der König wird in Thailand wie ein Halbgott verehrt. Der 81-jährige Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) regiert Thailand als konstitutioneller Monarch seit 1946. Mit Königin Sirikit Kitiyakara hat er vier Kinder: Prinzessin Ubol Ratana, Kronprinz Maha Vajiralongkorn, Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn und Prinzessin Chulabhorn.

Bhumibol, der sich auch als Jazzkomponist und Agronom einen Namen gemacht hat, folgte seinem älteren Bruder, König Ananda Mahidol (Rama VIII.), auf den Thron. Dieser war mit einem Kopfschuss tot in seinen Palastgemächern aufgefunden worden. Über die genauen Umstände dieses Todesfalls hüllt sich das Königshaus in Schweigen. Undurchsichtig ist auch die Rolle des Königs bei den zahlreichen Militärputschen während seiner Regierungszeit. So hatte die Armee zuletzt im September 2006 offenbar mit königlicher Billigung Ministerpräsident Thaksin Shinawatra gestürzt. (APA)

 

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