Werbefenster haben Brutto-Umsatz seit 1998 verzehnfacht

4. September 2008, 14:59
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Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia feiert Jubiläum - Private wollen den ORF noch heuer im Brutto-Werbeumsatz überholen - ORF-Werbezeitenvermarkter Zinggl lässt für Vergleiche nur Nettoumsatz gelten

Deutsche Privatsender verdienen immer mehr Geld mit österreichischer Werbung. Vor zehn Jahren hat ProSieben als dritter Deutscher ein kleines österreichisches Werbefenster eröffnet. Zuvor waren bereits 1996 RTL und Sat.1 mit Österreichwerbung an den Start gegangen. Der Brutto-Umsatz der drei Privaten lag damals bei knapp 23 Mio. Euro - gegenüber 332 Mio. Euro, die der ORF umsetzte. Im Laufe der Jahre sprangen weitere deutsche Sender auf den Zug auf. Der Bruttoumsatz der Werbefenster hat sich seit damals mehr als verzehnfacht. Heuer im März konnten die Privatsender erstmals mehr Brutto-Werbegeld lukrieren als das ORF-Fernsehen - im Juli wiederholte sich diese Entwicklung.

Werbezeitenvermarkter SevenOneMedia feiert am Donnerstagabend zehnjähriges Jubiläum - Grund für SevenOne-Chef Markus Breitenecker Bilanz zu ziehen. Im Jahr 1998 startete er gemeinsam mit einer Mitarbeiterin mit dem "Überspielen" der deutschen Werbeblöcke. Heute betreibt Breitenecker mit Puls 4 einen eigenen österreichischen Privatsender und hat nach eigenen Angaben mehr als 250 Mitarbeiter. Der erste Businessplan lag 1998 laut SevenoneMedia-Chef bei 255.646 Euro, tatsächlich setzte der Sender 5,7 Mio. Euro um. Verglichen mit den 332 Mio. Bruttoumsatz des ORF waren das allerdings "Peanuts".

Diese Kluft hat sich mittlerweile deutlich verringert. Im Vorjahr setzte der ORF mit seinen beiden Fernsehsendern über 351 Mio. Euro brutto um, die Privatsender samt ATV und Puls kamen auf mehr als 243 Mio. Euro. Breitenecker rechnet damit, dass die Privaten den ORF heuer bei den Bruttowerbeeinnahmen überholen. In den ersten sieben Monaten 2008 lukrierten die privaten Fernsehsender mehr als 164,5 Mio. Euro aus der Werbung - die Brutto-Spendings des ORF lagen laut Focus bei 179 Mio. Euro.

Grund für den rasanten Zuwachs der Werbefenster ist die wachsende Reichweite der deutschen Sender, sagt Gerhard Riedler, Geschäftsführer der RTL-Vermarktungsfirma IPA plus. Während vor zehn Jahren nicht einmal jeder dritte österreichische Haushalt mindestens eines der drei Werbefenster empfangen konnte, sind es heute bereits bis zu 78 Prozent - und neun Werbefenster.

Naturgemäß waren die Werbefenster vor allem dem ORF von Anfang an ein Dorn im Auge. Der wirft ihnen vor, österreichisches Geld nach Deutschland abzusaugen. Breitenecker hält dem entgegen, dass "mittlerweile allgemein anerkannt ist, dass durch unsere Privat-TV-Angebote Wertschöpfung, wie zum Beispiel Arbeitsplätze, in Österreich betrieben wird". Demgegenüber liefere der ORF "wesentlich mehr Geld an Rechteabgeltung nach Deutschland ab".

Walter Zinggl, Chef der ORF-Werbezeitenvermarktungstochter Enterprise, fürchtet sich vor der privaten Konkurrenz nicht. "Es sei den Vermarktungsagenturen der deutschen Werbefenster vergönnt, sich an ihrem Bruttoumsatz zu erfreuen. Nichtsdestotrotz, wer den Werbemarkt und seine Usancen kennt, weiß auch um seine Messgrößen", so Zinggl, der seine Werbeumsätze im Gegensatz zu den Privaten netto ausweist. "In diesem Sinne werden wir uns erst zu fürchten beginnen, wenn unsere geschätzten Marktbegleiter ankündigen, uns bei den Nettoerlösen überholen zu wollen. Was erst passieren wird, wenn die deutschen Sender den ORF am Zuschauermarkt überholen und daher im Sinne von 'die Kirschen in Nachbars  Garten' einzuordnen ist." (APA)

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