Schikanen bewusst geplant?

4. September 2008, 22:13
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    ballesterer fm-Chefredakteur Reinhard Krennhuber: "Von Seiten der Ultras hatten wir in keinem Moment etwas zu befürchten. Sie haben auch die Ordnungskräfte nie attackiert, weder auf den Bahnhöfen, noch im Stadion, weil sie wussten, was auf dem Spiel stand."

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    "Insgesamt wurden wir nach dem Match über vier Stunden im Stadion festgehalten, ohne die Möglichkeiten Essen oder Getränke zu kaufen. Die Versorgung mit Trinkwasser blieb ein leeres Versprechen."

Ballesterer fm-Chefredak­teur Reinhard Krennhuber fuhr mit den Napoli-Ultras nach Rom und berichtet im derStandard.at- Interview von absurden Szenen. Eine andere Sicht der Dinge

Medienberichte über eine neue Gewaltwelle haben den Serie-A-Auftakt in Italien überschattet. Laut Agentur-Meldungen sollen 1.500 Ultras des Erstligisten SSC Napoli am Sonntag den Bahnhof in Neapel verwüstet haben. Sie sollen einen Zug gestürmt und 300 Passagiere gezwungen haben, auszusteigen. Weiters sollen sie Ticket-Kontrolleure verletzt, Waggons zerstört und geplündert haben. Bei der Ankunft im römischen Bahnhof Termini sollen die Ultras trotz Polizeieskorte Tränengas und Knallkörper eingesetzt haben. Die italienischen Staatsbahnen sprechen von Schäden im Wert von einer halben Million Euro.
Reinhard Krennhuber, Chefredakteur des Fußballmagazins ballesterer fm, hat die Ultras gemeinsam mit seinem Kollegen Jakob Rosenberg auf ihrer Auswärtsfahrt von Neapel nach Rom begleitet und nimmt im derStandard.at-Interview Stellung zu den Vorfällen. ballesterer fm wird sich in seiner Oktober-Ausgabe mit der Krise des italienischen Fußballs beschäftigen, der Schwerpunkt wird auch eine ausführliche Reportage zum Spiel Roma - Napoli enthalten. Die Ausgabe erscheint am 7. Oktober.

derStandard.at: Sie waren Augenzeuge der Vorfälle auf dem Bahnhof in Neapel und Passagier im Zug nach Rom. Was genau ist passiert?

Krennhuber: Davon, dass die Ultras die anderen Passagiere zum Aussteigen gezwungen hätten, kann keine Rede sein. Von Attacken auf Schaffner haben wir auch nichts mitbekommen. Der Zug hätte um 9.24 Uhr abfahren sollen. Kurz nach 11 Uhr ist ein Trenitalia-Mitarbeiter durchgegangen und hat allen Nicht-Fußballfans geraten, andere Züge zu nehmen, was die meisten dann auch getan haben. Abgefahren ist der völlig überfüllte Zug um 12.30 Uhr. Bei unserer Ankunft am Römer Bahnhof war das Spiel bereits im Gang, betreten haben wir das Olimpico erst in der 52. Minute. Eine Schande, wenn man bedenkt, dass der überwältigende Teil der Ultras reguläre Karten für den Zug gekauft und 28 Euro für das Matchticket ausgegeben hatte. Einzelne Zerstörungen z.B. von Toiletten habe ich mitbekommen, die Schäden am Zug können aber nur einen Bruchteil der von Trenitalia veröffentlichten Summe ausmachen. Was man aus einem Zug plündern soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft, ebenso wie Meldungen von Tränengas werfenden Ultras.

derStandard.at: Verspürten Sie in manchen Situationen Angst, dass Ihnen etwas passieren könnte?

Krennhuber: Von Seiten der Ultras hatten wir in keinem Moment etwas zu befürchten. Sie haben auch die Ordnungskräfte nie attackiert, weder auf den Bahnhöfen, noch im Stadion, weil sie wussten, was auf dem Spiel stand. Der einzig wirklich brenzlige Moment war, als Polizisten vor der Abfahrt aus dem Olimpico in Busse eindrangen und auf einzelne Fahrgäste einprügelten. Vorgeschobener Grund dafür war, dass die Fans die Abfahrt verzögert hätten, weil sie sich im Türbereich aufhielten. Diese Aktionen waren auch von abfälligen Aussagen der Beamten zur neapolitanischen Herkunft der Fans begleitet. Dass die Busse dann erst eineinhalb Stunden später losgefahren sind, macht die Szenen noch absurder. Insgesamt wurden wir nach dem Match über vier Stunden im Stadion festgehalten, ohne die Möglichkeiten Essen oder Getränke zu kaufen. Die Versorgung mit Trinkwasser blieb ein leeres Versprechen.

derStandard.at: Das italienische Innenministerium erwägt ein komplettes Reiseverbot für Napoli-Tifosi zu verhängen. Weiters drohen auch Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Geldstrafen. Finden Sie die Maßnahmen zielführend?

Krennhuber: Nein, das Reiseverbot und die möglichen Platzsperren halte ich für stark überzogen. Die große Mehrheit der Fans hat sich während der Auswärtsfahrt nichts zu Schulden kommen lassen. Aussagen, wonach die ganze Aktion von Fanseite her geplant war oder dass sogar die Camorra darin verstrickt sei, sind für mich völlig aus der Luft gegriffen. Im Gegenteil: Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Verspätungen und andere Schikanen bewusst geplant wurden, um eine Reaktion zu provozieren, die den Behörden den Vorwand für die jetzt ergriffenen Maßnahmen gibt.

derStandard.at: Italiens Polizeichef Antonio Manganelli hebt die positiven Resultate der Regierung im Kampf gegen die Gewalt im Fußball hervor. Seit dem Tod des Polizisten Filippo Raciti im Februar 2007 in Catania soll es weniger Krawalle geben. Die Sicherheitsstandards der Stadien sollen erhöht worden sein. "Der Trend hat sich geändert, wir sehen, dass auch immer mehr Familien wieder die Stadien besuchen", sagte Manganelli. Entspricht das der Realität oder sind dies nur beschönigende Worte?

Krennhuber: Die Sicherheitsstandards wurden teilweise sicherlich verbessert, das betrifft aber fast ausschließlich zusätzliche Zugangsbeschränkungen wie Drehkreuze. Am großteils desolaten Zustand der italienischen Stadien hat sich nichts geändert. Davon abgesehen setzt die Regierung ausschließlich auf Repression, für ein Fanbetreuungskonzept ist sie nicht bereit, Geld auszugeben. Die Aussage Manganellis finde ich zynisch, wenn man bedenkt, dass ein Polizist im November 2007 den Lazio-Fan Gabriele Sandri erschossen hat. Davon, dass wieder mehr Familien zum Fußball gehen, hätte ich nichts bemerkt. In Rom habe ich im Auswärtssektor unter 3.600 Personen zwei Leute über 50 gesehen und fünf oder sechs Frauen, was mich bei der teilweise unmenschlichen Behandlung der Fans auch nicht weiter verwundert.

derStandard.at: Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus Ihren Erlebnissen vom vergangenen Wochenende?

Krennhuber: Ich werde Presseberichten über Ausschreitungen in Italien in Zukunft noch weniger Glauben schenken, als ich es bisher getan habe. Es herrscht ein extreme Diskrepanz zwischen dem, was wir erlebt haben und was am nächsten Tag in den Zeitungen gestanden ist. Wir haben den ganzen Tag über keinen Journalisten-Kollegen getroffen. Die Medien recherchieren nicht vor Ort, sondern übernehmen kritiklos die Presseaussendungen der Behörden. Die Sichtweise der Fans kommt in der voreingenommenen und stigmatisierenden Berichterstattung kaum vor. Rai uno hat am Mittwoch erstmals auch andere Personen als Sicherheitskräfte und Politiker zu Wort kommen lassen, deren Erfahrungen sich mit dem decken, was auch wir erlebt haben. (Thomas Hirner, derStandard.at, 5. September 2008)

 

Kommentar posten
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politisch verfolgt
01
22.9.2008, 19:00
interessante neue sicht

ich sehe keinen grund, die aussagen dieses ballesterer-redakteurs anzuzweifeln.

Schottentor U-Bahn
00
Genau!

Wenn's in der Zeitung steht, muss es ja stimmen!

Die andere Meinung
 
00
7.10.2008, 17:47

jop, der sprichwörtliche Fels in der Brandung..

so go
00
22.9.2008, 12:20

Schön dass unsere Rechten Italiens Rechte salopp gesagt als "eh mittig" bezeichnet.

Schlachtenbummler bummeln halt viel für gute Schlachten und ein Tropfen Öl macht viel Wasser zunichte.

Fattone
02
11.9.2008, 01:23

Was in dem Artikel nicht erwähnt wird, ist dass die Medien berichtet haben, dass am Zug 500 Napoli-fans mit gültigem Ticket waren, der Rest allerdings die Polizei-sperre durchbrochen hat und auch auf den Zug aufgestiegen ist.

Die Verspätung ist dann damit zustandegekommen, man wollte jene ohne Ticket wieder rausholen, was sich dann allerdings ohne größere Ausschreitungen als nicht durchführbar erwiesen hat. Somit ist der Zug dann abgefahren und in Rom bzw. während der Zugfahrt haben sich die Napoli-Fans wie Tiere aufgeführt!

Obwohl es eigentlich dann in Rom während und nach dem Spiel zu keinen gröberen Ausschreitungen gekommen ist.

boro boros
 
02

ja, das kommt halt vor, wenn kiwara auf hooligans treffen. zwei bevölkerungsschichten vollkommen hirnbefreit, bzw. hirngewaschen.

Da Phischi
00
passt glaub dazu

napoli ultras am bahnhof in rom:
http://tinyurl.com/5z48ty

SmokieMcPot
10
30.11.2008, 14:49
um gottes willen

gut gelaunte fans...des kann net sein,do is was im pusch....
ich bin aufgrund persönlicher erfahrungen davon überzeugt das die polizei denn meisten wickel selbst provoziert!! weil wen jemand von seiner macht gebrauch(missbrauch) macht ist das die polizei u das nicht zu knapp....da sitzt die pistole u der schlagstock ziemlich leicht im gürtel......die polizei ist doch nur drauf aus um sich denn frust der ihnen von der bevölkerung ist gesicht gekotzt wird irgentwie legal abzulassen...die sollen sich doch mal überlegen wer sie bezahlt!!!

florione pepponella
00
1.11.2008, 10:33

beeindruckend und beängstigend.
solls sein, is es und ist gut.

wer angst vor kollektivem handeln hat...

Die andere Meinung
 
11
7.10.2008, 17:51

VERDAMMT
wie schrecklich

ein haufen leute geht / lauft laut schreiend durch den bahnhof

gogo, tränengas, schalgstöcke, wo seid ihr?

Cottage Cheese
12
jeder auswärts-fan in österreich weiß von der polizeiwillkür!

jeder fan eines clubs, der in österreich zu auswärtsspielen fährt, weiß, was repression und willkür bedeuten.

der fussballfan als staatsfeind nr.1!

busse werden angehalten und alle mitfahrenden perlustriert und aufgeschrieben.

busse werden angehalten und an der weiterfahrt gehindert "wir werden euch solange aufhalten, bis das spiel vorbei ist"

an den eingängen zu auswärtssektoren wirst du aufgeschrieben und abfotografiert.

für die polizei gilt: die geister, die sie riefen, werden sie nun nicht mehr los!

§83SPG
21

Also ich fahre mit meinem Verein nicht mehr auswärts, da ich das fremdschämen leid bin. Die Polizei hat damit nichts zu tun.
Und so lange manche "Fans" sich benehmen, wie betrunkene wilde Tiere, bleibt die Vorstellung eines Vergnügens für die ganze Familie unrealistisch. Aber gerade das wollen ja die Ultras und andere Gruppierungen nicht. Der Fußball ist ihre Gelegenheit, um ihre niederen Neigungen öffentlich auszuleben.

Ironie1988
00
3.11.2008, 17:48
nunja

wenn sie wollen dass fussball wie in england das 3 fache kostet und dafür alle schön brav platz machen und sitz dann dürfte aber auch nicht aufgeheult werden wenn sie das 3-4 fache pro karte bezahlen müssen!

so go
00
22.9.2008, 12:21

Entspricht genau meiner Sicht der Dinge, danke!

re flexion
02
Wenn die Medienberichterstattung

tatsächlich künstlich so extrem aufgebauscht ist, stellt sich die Frage: Wem nützt das?
Bzw. Weshalb können die Vereine mit all der Macht die dahinter steckt diese "Geschäftsstörenden Falschberichte" nicht abstellen?

§83SPG
56

Ein Ballesterer-Redakteur ist für mich auch keine objektiv Quelle zu Thema Fußballgewalt. Der Herr hat sicherlich leider eine romantische Sicht auf die "wilden Hunde" im Sektor. Auch denke ich, dass er auf unzähligen Spielen war und vieles für ihn normal ist und dazu gehört, das anderen Menschen die Haare zu Berge stehen lässt (klingt auch aus dem Artikel). Dass der eher linkslastige Ballesterer ein gespanntes Verhältnis zu Ordnungshütern hat, ist auch zu erwarten. Auch, dass der Journalist keine Angst hat, wenn er mit den Ultras mitmaschiert, ist mir eher einsichtig.
Na klar übertreiben die Medien, das ist ihr Geschäft. Aber der Ballesterer ist auch nur ein Medium, das seine! Sicht halt aus dem Sektor heraus präsentiert.

vito don´s schwester
42
linke und rechte fussballmedien?

ich versuche das zu interpretieren: rechte medien arbeiten nach ihrem prinzip (hauptsache die kasse stimmt), linke dienen der wahrheitsfindung. deshalb forza ballesterer und weiter so!

§83SPG
54

Rechts und Links sind bloß Begriffe. In der Anwendung ihrer Mittel sind sie nicht zu unterscheiden. Wer glaubt, dass Linke besser sind als Rechte, ist verblendet, hat aus der Geschichte nichts gelernt und ist in einer Diskussion nicht ernst zu nehmen. Die Richtungsbezeichnungen können in dieser Einschätzung beliebig getauscht werden (lechts/rinks).
Als einziges zulässiges Mittel der Beurteilung, sollte der gesunde Menschenverstand dienen.
Wieso sie denken, dass der Ballesterer oder irgendein kommerzielles Medium der Wahrheitsfindung dient, bleibt ihr Geheimnis. Sehr naiv ihre Einstellung, aber manche Menschen glauben halt alles, das in ihr Weltbild passt.

Arnold Hau
00
16.9.2008, 20:20
Wer für wen besser ist, hängt davon ab wer man ist

Für > 90% der Menschen ist die Linke besser, für den Rest die Rechte.

Die haben aber genug Geld und möglichkeiten, sie das, den sie da oben gepostet zu haben, ernsthaft glauben zu machen. Und nicht nur Sie.

Schauen sie einfach einmal realistisch darauf, was ihnen hilft, wie sie besser leben würden, und entscheiden sie danach.

utility
00
12.10.2008, 11:27
in welcher traumwelt lebst du?

schon mal wahlen verfolgt, bzw. die auflagenzahlen der der medien? da kriegt man eher den gegenteiligen eindruck!

rai_m_i
00

man sehe sich nur mal zb über youtube die doku "the real football factory" an. das sind keine schauspieler das is wies wirklich abgeht. aber so oder so kanns schon gut sein das man auch versucht hat die napoli fans zu provozieren und schikanieren

Ava Tar
00
Naja - Rom - "post"faschistischer Bürgermeister -

vielleicht wollte man den "Murln" aus dem Spden zeigen, wer der Herr ist ?

marina dorica2
 
113
gekauft

ich glaube das der Herr Krennhuber entweder von
den Ultras gekauft wurde oder er das ganze nur
aus Ultraberichten zusammengeschrieben hat. Ueber
diverse TG's (TG 1 TG 2 TG 5 TG La7) usw. habe
ich einen ganz anderen Eindruck bekommen. Und es
war ja nicht das erste Mal das die sogenannten
Fans sich so benehmen - Sachbeschaedigung als Kavaliersdelikt Ich finde es auf jeden Fall richtig,
das diese Fans nicht mehr Auswaertsspiele besuchen
koennen. Es tut mir Leid fuer die Mannschaft und
fuer die Stadt aber solange sie nicht imstande sind
die Ultras unter Kontrolle zu haben, solange sollte
das Stadion gesperrt bleiben. Ah, nach Zeitungsberichten soll auch die Camorra sich unter
die Ultrras gemischt haben.

Ciao

o glorioso pé de friedenreich
00
wenn du jetzt noch sagst

was du mit "TGs" meinst, dann kann man dein posting vielleicht auch verstehen.

Invisible Pink Unicorn
 
00

TG = Telegiornale = TV-Nachrichtensendung

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