"Landschaft von bösartigen Tumoren noch komplexer als angenommen"

5. September 2008, 18:52
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Genkarte zweier tödlicher Krebsarten erstellt - jeder individuelle Tumor hat eigene Mixtur von Genveränderungen

Washington - Von zwei der tödlichsten Krebsarten wurden umfangreiche Genkarten erstellt. Demnach spielen bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse und bei einem häufigen und besonders aggressiven Hirntumor, dem Glioblastom, Hunderte von Veränderungen an den Erbanlagen eine Rolle. Die Arbeit könne dabei helfen, eines Tages die Diagnose und die Therapie dieser schweren Erkrankungen zu verbessern, schreiben die US-Forscher unter Leitung von Williams Parsons vom Howard Hughes Medical Institute in Baltimore im US-Wissenschaftsmagazin "Science" (online vorab). Jedoch seien bis dahin noch weitere, große Studien notwendig, betonen die Experten.

Schwierige Behandlung

Die bösartigen Geschwülste der Bauchspeicheldrüse - die Pankreastumoren - kommen zwar eher selten vor, sind aber für viele Krebstodesfälle verantwortlich. Denn nur ein geringer Teil der betroffenen Patienten kann zum Zeitpunkt der Diagnose noch operiert werden, und die wenigsten von ihnen überleben die nächsten fünf Jahre. Rauchen oder übermäßiger Alkoholgenuss können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch das Glioblastom, das meist im Großhirn entsteht, hat eine sehr schlechte Prognose. Dieser oft vorkommende Tumor wächst extrem schnell und ist schwer zu behandeln.

Genetische Veränderungen

Die Wissenschafter sequenzierten in zwei Studien mehr als 20.000 Gene in den Zellen von 24 Patienten mit Pankreaskrebs und von 22 Menschen, die an einem Glioblastom leiden. Neben Hunderten von Genmutationen, die bei diesen Krebsarten eine Rolle spielen, fanden sie auch Tumorzellen mit zu vielen oder zu wenigen Genkopien. Im Durchschnitt entdeckten die Experten pro Patient 63 genetische Veränderungen bei einem Pankreastumor und 60 bei dem Hirntumor. "Wenn Sie 100 Patienten haben, dann haben Sie auch 100 verschiedene Krankheiten", sagte Mitautor Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore.

Komplexität

Jeder individuelle Tumor hat nach Angaben der Wissenschafler seine eigene Mixtur von Genveränderungen. Dies spreche für Therapien, die auf den einzelnen Patienten zugeschnitten seien. "Die Landschaft von bösartigen Tumoren ist noch komplexer als angenommen", erläuterte Kenneth Kinzler, der ebenfalls am Johns Hopkins Kimmel Cancer Center arbeitet. Angesichts der Dutzenden von mutierten Erbanlagen in jedem Tumor ähnle der lange Kampf gegen den Krebs mehr einem Guerilla- als einem konventionellen Krieg. (APA/dpa)

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