Ein Kraut wird wachsen

5. September 2008, 10:42
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Will man auf kleiner Fläche viel erreichen, lohnt es sich, Kräuter anzubauen - als Heilmittel oder als Gewürz

Johanniskraut bezeichnet Herbert Bauer, Betreiber der "Kräuterfarm" in Heidenreichstein, als das Kraut der Saison. Zum Trendkraut wird, was Medien, TV, Gesundheitsjournale anpreisen. Und dass sei eben kürzlich beim antidepressiv wirkenden Johanniskraut der Fall gewesen. Zum Kräuterzüchter wurde Herbert Bauer "durch Zufall", als er vor 30 Jahren Wildröschen sammelte, um sie direkt an Apotheken zu verkaufen. Verkauft wird auch heute noch vieles direkt: ab Hof, an Apotheken, auf Bauernmärkten, aber auch oder an Großabnehmer.

Beatrix und Götz-René Meier-Steiner in Untermixnitz wiederum ziehen auf knapp einem Hektar 14 verschiedene Küchenkräuter. Der gelernte Hotelkaufmann René Meier-Steiner hat während seiner Zeit auf See das Senfrühren kennen gelernt, das er wieder aufnahm, nachdem er sich im Waldviertel niedergelassen hatte. Das Ehepaar verarbeitet heute die Kräuter direkt am Hof weiter: zu Kräutersalzen, Senfen und verschiedenen Pesto-Arten. Abnehmer findet Meier-Steiner entweder in Bauernläden oder am Viktualienmarkt in Gars am Kamp, den er vor zwanzig Jahren mitbegründet hat.

Waldviertel als Hauptproduktionsgebiet

"Man kann das Waldviertel als Hauptproduktionsgebiet für den Kräuteranbau in Niederösterreich sehen", erklärt Josef Wasner von der Pflanzenbauabteilung der NÖ Landwirtschaftskammer. Vor allem wenn es gelte, auf kleiner Fläche wirtschaftlich relativ viel herauszuholen, sei Kräuteranbau interessant. Dahinter steckt meist ein erhöhter Arbeitsaufwand, da er unter anderem nicht so leicht mechanisierbar ist wie Getreideanbau, für den aber auch die dementsprechenden Preise gezahlt werden.

Großabnehmer wie die Waldland Vermarktungsges.m.b.H. arbeiten mit kleinen Strukturen im Großen. Waldland gehört dem Waldviertler Sonderkulturenverein, dessen Mitglieder 750 Bauern verteilt über das ganze Viertel sind, die auch die Produzenten der über die Firma vertriebenen Produkte sind. Begonnen habe man vor 25 Jahren "mit ein paar Hektar Graumohn", erzählt Geschäftsführer Franz Tiefenbacher. Heute arbeite man in drei Großgruppen Waldland Naturstoffe (für Großabnehmer), "schmackhaftes Waldland" für Detailverarbeitung und Veredelung am eigenen Hof (etwa Mohnstrudel) und in einem Non-Food-Bereich, zu dem Dämmstoffe aus Flachs gehören.

Mariendistel-Kompetenzzentrum

Kräuter vor allem für den Pharmabereich sind ein wesentlicher Bestandteil des ersten Bereichs. So hat sich z.B. rund um die Mariendistel, ein die Leber stärkendes Körnerkraut, ein richtiges Kompetenzzentrum im Waldviertel etabliert. Einerseits wird auf rund 1500 Hektar verteilt über die ganze Region Mariendistel angebaut. Andererseits wurde einer von zwei europäischen Standorten zur Lagerung und Extraktionsvorbereitung inklusive hauseigenem Labor errichtet, wo Mariendistel aus ganz Europa vorbereitet werden.

Abnehmer für Heilkräuter welcher Art auch immer findet man über "ein gut funktionierendes europäisches Netzwerk", so Tiefenbacher. Der Anteil der Küchenkräuter an der gesamten Kräuterproduktion sei dagegen noch sehr klein und gehe ausschließlich in die Direktvermarktung. Klientel sind Endverbraucher, die in den Shops kaufen und die Gastronomie. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo spezial/04/09/2008)

 

  • Kräuter, die im Waldviertel angebaut werden - unter anderen: Weißdorn
    Fotos: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Archiv

    Kräuter, die im Waldviertel angebaut werden - unter anderen: Weißdorn

  • Thymian
    Fotos: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Archiv

    Thymian

  • Petersilie
    Fotos: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Archiv

    Petersilie

  • Liebstöckl
    Fotos: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Archiv

    Liebstöckl

  • Johanniskraut
    Fotos: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Archiv

    Johanniskraut

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