Tarifstreit spitzt sich zu

4. September 2008, 12:00
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Gewerkschaft: Verschlechterungspaket muss weg - "Werden alle gewerkschaftlichen Mittel ausschöpfen" - Spekulation zerzaust AUA-Aktie

Wien - Der Tarifkonflikt bei der vor der Privatisierung stehenden heimischen Fluglinie AUA spitzt sich zu. Es sei untragbar, dass den AUA-Beschäftigten bei den eben erst begonnen Kollektivvertrags-Verhandlungen für die kaufmännischen und technischen AUA-Angestellten ein Verschlechterungspakete zugemutet werde, so der stv. Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP), Karl Proyer, am Donnerstag.

Am vergangenen Dienstag wurde, wie berichtet, vom Unternehmen die Verschiebung der KV-Verhandlungen für die rund 3.400 kaufmännisch-technischen AUA-Mitarbeiter bekanntgegeben. Heute, so Proyer, beginne in der AUA eine Befragung der betroffenen Beschäftigten zum Vorhaben des AUA-Vorstandes und über die weitere Vorgangsweise, nachdem die Informationen des Vorstandes bei den AUA-Beschäftigten für einigen Unmut gesorgt haben.

Große Verwunderung

Weder Betriebsrat noch Gewerkschaft werden über das Verschlechterungspaket in Verhandlungen treten, so Proyer. Die Hoffnung des AUA-Vorstandes, dass dieses Verschlechterungspaket zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden könne, werde sich nicht erfüllen. "Wir fordern weiterhin die Rücknahme dieses Verschlechterungspaketes noch vor dem Eigentümerwechsel und einen ordentlichen Kollektivvertragsabschluss." Um dies zu erreichen werde die GPA-DJP alle gewerkschaftlichen Aktivitäten der Beschäftigten und des Betriebsrates unterstützen, so Proyer weiter.

Die Arbeitnehmerseite sei über die offenbar zustimmende Haltung des Eigentümervertreters ÖIAG zu dieser Vorgangsweise sehr verwundert. "Es ist für die betroffenen Angestellten unverständlich, dass die ÖIAG diese Forderung nach einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen vor den gravierenden Veränderungen der Eigentümerstruktur zulässt. Wir fordern den ÖIAG-Chef Michaelis auf, neben Aktienkursen und Verkaufserlösen auch die Beschäftigteninteressen zu berücksichtigen und diesen Unfug mit Verschlechterungsforderungen des AUA-Managements, die sich noch dazu gegen die eigenen Beschäftigten richten, abzustellen", so Proyer.

Kurseinbruch um ein Fünftel

Unter dem Einfluss unterschiedlicher Spekulationen um den Stand der Verkaufsgespräche sowie "normaler" Kursspekulation hat die AUA-Aktie heute an der Wiener Börse einen massiven Absturz erlitten. Kurz nach 11 Uhr verzeichnete die Airline-Aktie auf Grund hoher Verkaufsorders einen scharfen Kurseinbruch um mehr als 20 Prozent. In der Folge hat sich das Papier wieder etwas erholt. Aktuell - um 14 Uhr (MESZ) - notiert die AUA-Aktie mit 6,52 Euro um 8,17 Prozent unter dem Mittwoch-Schluss.

Zum heutigen Handelsstart an der Wiener Börse ging es mit der Aktie noch weiter nach oben, da ging es bis auf 7,25 Euro (und damit weiter über die magische Marke von 7,10 Euro als Preis der laufenden Kapitalerhöhung) hoch.

Dann fiel der Kurs kurz nach 11 Uhr binnen weniger Minuten von 7,12 auf 5,65 Euro (Tagestief) nach unten.

Ein besonderer Grund für die Entwicklung liegt in den Augen der Airline vorerst nicht vor: "Hohe Volatilitäten sind bei solchen Prozessen normal", erklärte AUA-Sprecher Michael Braun.

Ein Händler an der Wiener Börse bestätigt diese Sichtweise: Die Entwicklung sei nicht dramatisch, es habe sich offenbar um Gewinnmitnahmen gehandelt. Offenbar habe da ein großer Anleger Kassa gemacht. Investoren hätten die Kursgewinne der vergangenen Tage und Wochen - seit Mitte Juli hat sich der Kurs der AUA-Aktie vom historischen Tief von 2,22 Euro auf 7,10 Euro bis gestern mehr als verdreifacht - in Bargeld verwandeln wollen.

Gerüchte um Interessenten

"Wir werden schnell wieder bei 7 Euro sein, wenn die Gerüchte stimmen, wonach die Lufthansa 8 Euro je AUA-Aktie bieten soll", erklärte ein Händler heute.

Derzeit sind unterschiedliche Gerüchte und Spekulationen um die AUA-Privatisierung im Markt. So wird seit Tagen an der Frankfurter Börse kolportiert, die Lufthansa sei bereit, für eine AUA-Aktie 8 Euro zu zahlen. Lufthansa äußerst sich naturgemäß nicht. Fast täglich gibt es neue Meldungen über Zahl und Identität der AUA-Kaufinteressenten. Dem Vernehmen nach sollen noch sechs Airlines - darunter alle drei großen europäischen Airlines Air France/KLM, British Airways und Lufthansa - Interesse an der AUA haben. Zuvor war von einem Dutzend und mehr die Rede gewesen. (APA)

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