Radeberger erlebt Schreckenssommer

4. September 2008, 09:28
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Den deutschen Brauereien macht die Inflation zu schaffen. Weil die Verbraucher mehr für Energie bezahlen, bleibt weniger für Bier

Bielefeld- Deutschlands führender Bierhersteller, die Oetker-Tochter Radeberger Gruppe, würde gern eine bayerische Großbrauerei schlucken. "Wir haben zwar schon einige nationale Marken wie Dab, Jever und natürlich Radeberger. Aber es fehlt eine richtige bayerische Marke", sagte Konzernchef August Oetker in einem Interview mit dem "Westfalen-Blatt" (Mittwochausgabe). In dieser wichtigen Bierregion besitze Oetker bisher nur Tucher in Nürnberg. "Sollte sich da etwas auftun, vielleicht ein Bieterwettbewerb, sind wir dabei", betonte der Chef des Bielefelder Lebensmittelkonzerns.

Nach Angaben der Radeberger Gruppe laufen derzeit aber keine Übernahmeverhandlungen. Vielmehr gebe es den Wunsch, sich zu verstärken. Die Radeberger Gruppe hatte vor längerem erklärt, ihren Anteil am deutschen Biermarkt von 15 auf 20 Prozent ausbauen zu wollen. Dafür wird nach Übernahmemöglichkeiten Ausschau gehalten. Die Radeberger Gruppe verfügt über 14 Brauereien in Deutschland. In Bayern gehören Tucher und das Allgäuer Brauhaus dazu.

"August war schrecklich"

Im vergangenen Monat ist der Bierkonsum in Deutschland nach Einschätzung der Radeberger Gruppe deutlich gesunken. "Der August war schrecklich", sagte der Chef der Radeberger Gruppe, Ulrich Kallmeyer, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das sei im Biermarkt von allen Seiten zu hören. Kallmeyer verwies auf die hohe Inflation und stark gestiegene Ausgaben der Verbraucher insbesondere für Energie. Das schlage unter anderem auch auf den Bierkonsum durch. Für das Gesamtjahr 2008 erwartet er weiter einen Rückgang des deutschen Biermarktes um 4 Prozent. Bis Ende Juli betrug das Minus 0,5 Prozent.

Auch nach Einschätzung der Privatbrauerei Veltins verlief der August unter den Erwartungen der Branche. Trotz guten Wetters seien viele Biergärten nicht gut besucht gewesen. "Die Urlaubsfreude lässt sich keiner nehmen", sagte Veltins-Sprecher Ulrich Biene der dpa. Die Verbraucher sparten angesichts höherer Energiekosten eher in anderen Bereichen. Die Braubranche habe im August unter einer deutlich spürbaren Konsumzurückhaltung gelitten. Es sei durchaus realistisch, dass der Rückgang des Biermarktes 2008 größer ausfalle als 2007. Damals waren es minus 3,7 Prozent. Im Unterschied zur Fußball-WM habe die Fußball-EM der deutschen Braubranche keinen Absatz-Kick beschert. (APA/dpa)

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    Trotz Schönwetters verzeichneten die deutschen Brauereien Rückgänge beim Bierkonsum.

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