USA kündigen Strategiewechsel an

12. September 2008, 07:28
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Generalstabschef Mike Mullen: "Wir können uns den Weg zum Sieg nicht freischießen"

Washington - US-Generalstabschef Mike Mullen hat eine ernüchternde Bilanz des Afghanistan-Einsatzes gezogen und einen Strategiewechsel unter Einschluss Pakistans angekündigt. "Ich bin nicht überzeugt, dass wir dabei sind, in Afghanistan zu gewinnen. Ich bin aber überzeugt, dass wir es können", sagte der Admiral am Mittwoch bei einer Anhörung des Streitkräfte-Ausschusses des Repräsentantenhauses. Er suche nach einer neuen umfassenden Strategie für die Region, an der auch das Nachbarland Pakistan beteiligt werden solle. "Nach meiner Ansicht sind beide Nation untrennbar in einen grenzüberschreitenden Aufstand verwickelt." Die US-geführten ausländischen Truppen könnten zwar die aus Pakistan einsickernden Taliban-Kämpfer jagen und töten, notwendig sei aber eine enge Zusammenarbeit mit Pakistan, um die Aufständischen aus ihren sicheren Zufluchtsorten zu vertreiben.

Mit einer Serie von Angriffen mit unbemannten Flugkörpern und dem Einsatz von Kommandoeinheiten haben die USA in jüngster Zeit den Druck auf die von Pakistan aus operierenden Taliban erhöht. Das hat in dem Land, das mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus verbündet ist, einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Die pakistanischen Streitkräfte lehnten den Einsatz ausländischer Truppen auf ihrem Staatsgebiet kategorisch ab. "Die Souveränität und territoriale Integrität des Landes werden um jeden Preis verteidigt, und ausländischen Truppen werden Einsätze innerhalb Pakistans nicht gestattet", hieß es in einer Erklärung des Militärs.

Die Zufluchtsorte in Pakistan hätten es den Taliban möglich gemacht, die ausländischen Truppen kühner und ausgeklügelter anzugreifen, sagte Mullen. "Addieren Sie das zu einer schwachen und notleidenden afghanischen Wirtschaft, einem unverändert florierenden Drogenhandel und einer großen politischen Unsicherheit in Pakistan hinzu, dann haben Sie alle Zutaten für einen komplexen und schwierigen Kampf, der Zeit braucht." Die Zeit werde knapp für den Westen, wenn er Afghanistan wichtige zivile Hilfen wie den Bau von Straßen und Schulen und den Drogenanbauern alternative Produkte anbieten wolle. Die zivile Unterstützung sei der Schlüssel zum Erfolg. "Wir können uns den Weg zum Sieg nicht freischießen, und keine noch so gute Armee kann den Schlüssel allein liefern."

Afghanische Armee will Truppenstärke verdoppeln

Die afghanische Armee will ihre Truppenstärke nahezu verdoppeln. Die Streitkräfte würden auf 134.000 Soldaten ausgebaut, teilte die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) am Mittwoch in Kabul mit. Der UN-Gesandte für Afghanistan, Kai Eide, bezeichnete die Aufstockung als "sehr wichtigen Schritt". Damit zeige die afghanische Regierung, dass sie über genügend Soldaten verfüge, um schrittweise mehr Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen zu können. Ursprünglich war geplant, die Truppenstärke bis 2009 auf 90.000 Soldaten aufzustocken.

Der für die Ausbildung der afghanischen Soldaten zuständige US-General Robert Cone hatte die Verdopplung der Truppenstärke bereits Anfang September in Aussicht gestellt. Derzeit zählt die afghanische Armee 60.000 Mann sowie weitere 8000 Soldaten in Ausbildung. (Reuters/APA)

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    US-Soldat Jeffery J. Schloesser beim Shakehand mit afghanischen Militärangehörgen. Die USA rechnen damit, dass sich die afghanishe Armee verdoppeln wird.

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