Am Freitag wird erstmals seit dem Bürgerkrieg wieder gewählt

4. September 2008, 07:53
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Opposition bezeichnet Wahlkampf als unfair - Internationale Beobachter zeigten sich aber weitgehend zufrieden

Luanda - Der südwestafrikanische Staat Angola hält am Freitag die ersten Parlamentswahlen seit dem 2002 beendeten Bürgerkrieg ab. Die Regierungspartei, die Volksbewegung zur Befreiung Angolas (MPLA) hatte im Vorfeld einen massiven Wahlkampf gefahren. Die stärkste Oppositionspartei, die Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas (UNITA), warf der Regierung vor, unfaire Bedingungen für die Wahl geschaffen zu haben. Internationale Beobachter zeigen sich mit der Situation in Angola jedoch zufrieden.

Die Oppositionsparteien hatten geklagt, die Regierungspartei habe den am 5. August gestarteten Wahlkampf unfair beeinflusst. Sie habe die Medien für ihre Propagandazwecke missbraucht und ein "bedrohliches Klima" geschaffen. Präsident Jose Eduardo dos Santos von der MPLA wies diese Vorwürfe zurück. Für den seit 1979 amtierenden Staatschef wird die Parlamentswahl zum Stimmungsbarometer für die 2009 stattfindenden Präsidentschaftswahlen.

Wahlbeobachter

Über hundert Wahlbeobachter von der Europäischen und der Afrikanischen Union wurden nach Angola entsandt. Jose Gabriel, Hauptverantwortlicher für die Mission der EU in der Hauptstadt Luanda, bezeichnete die Situation als "sehr gut". Bei den Wahlen am Freitag handle es sich um einen Meilenstein für den Demokratisierungsprozess in Afrika, erklärte er. Eskalationen, wie es sie nach den Wahlen in Simbabwe und Kenia gegeben hatte, wollen alle Parteien vermeiden.

Am Freitag werden etwa acht Millionen Wahlberechtigten darüber entscheiden, wie die 220 Sitze im Parlament in Zukunft aufgeteilt werden. 14 Parteien stellen sich der Herausforderung. Die größten Chancen werden der Regierungspartei MPLA zugerechnet. Prognosen sagen ihr einen Stimmenzuwachs voraus, sie könnte bis zu Zwei Drittel der Sitze erhalten.

Letzte Wahl 1992

Die letzten Wahlen in Angola hatten 1992 während eines Waffenstillstands im 27 Jahre dauernden Bürgerkrieg zwischen Regierung und Opposition stattgefunden. Die MPLA wurde zum Sieger erklärt. Die UNITA wies das Wahlergebnis damals zurück und nahm die Kämpfe wieder auf. Der Bürgerkrieg in Angola endete 2002 nach dem Tod des Oppositionsführers Jonas Savimbi.

Der Bürgerkrieg in der ehemaligen portugiesischen Kolonie brach 1975 noch vor der Ausrufung der Unabhängigkeit im selben Jahr aus. Der Konflikt wurde schnell zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem südafrikanischen Apartheid-Regime, die die rechte UNITA unterstützten sowie der Sowjetunion und Kuba, die auf Seiten der linken MPLA standen.

Angola ist eines der sich am schnellsten entwickelnden Ländern im südlichen Afrika. Der Staat ist mittlerweile der größte Erdölproduzent Afrikas, zu Jahresbeginn überholte er Nigeria. Trotzdem lebt ein großer Teil der Bevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze. (APA/Reuters)

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    Anhänger der Regierungspartei MLP bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kikolo.

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